{"id":29,"date":"2016-07-21T14:17:14","date_gmt":"2016-07-21T14:17:14","guid":{"rendered":"http:\/\/33ppp.de\/piaz\/?p=29"},"modified":"2017-07-31T19:14:44","modified_gmt":"2017-07-31T17:14:44","slug":"blog","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/33ppp.de\/piaz\/2016\/07\/21\/blog\/","title":{"rendered":"Blog"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2F33ppp.de%2Fpiaz%2F2016%2F07%2F21%2Fblog%2F&amp;count=none&amp;text=Blog - Pialaska\" class=\"twitter-share-button\">Tweet<\/a><\/p><p><strong>Bewerbungs- und Auswahlverfahren<\/strong><\/p>\n<p>Alles begann mit einem harmlos wirkenden, sehr kleinem Zeitungsausschnitt den mir meine Mama reichte. Tja, dachte ich. Dann mal los. Wirkliche Gedanken hatte ich mir dar\u00fcber nicht gemacht, schlie\u00dflich werden ja nur 75 von \u00fcber 1000 Bewerbern genommen. Meine Einstellung war daher: \u201eDa werde ich eh nicht genommen, aber mal sehen wie weit ich kommen w\u00fcrde.\u201c Das Bewerbungsverfahren gestaltete sich aufw\u00e4ndiger als gedacht, s\u00e4mtliche Zertifikate und Zeugnisse einscannen und einf\u00fcgen, Gutachten einholen, Fragen beantworten und das Englisch-Ged\u00e4chtnis wieder anwerfen und sinnvolle S\u00e4tze in der fremden Sprache bilden. Nach \u00fcber einer Woche Aufwand, mehreren Computerabst\u00fcrzen und beinahe-Nervenzusammenbr\u00fcchen, konnte ich dann endlich die fertige Bewerbung via Mail und per Post abschicken. Jetzt hie\u00df es warten. Der August verging, der September zog dahin und ja endlich bekam ich eine Mail von der GIZ. Ich wurde zum Auswahlverfahren nach Bonn eingeladen! Die erste H\u00fcrde war genommen und so begann die Organisation f\u00fcr Bonn. Urlaub nehmen, Zug buchen, Oma und Opa \u2013 welche praktischerweise in K\u00f6ln wohnen \u2013 Bescheid geben, dass ich mich f\u00fcr ein langes Wochenende bei Ihnen einquartiere und dann nat\u00fcrlich auf die Auswahltagung vorbereiten\u20265 dicke B\u00fccher innerhalb einer Woche \u00fcber Geschichte und Politik aus Deutschland und Amerika, den Deutschen Bundestag und und und lesen und merken. Endlich war es dann soweit, morgens um 5 Uhr fuhr ich mit der Bahn von K\u00f6ln nach Bonn und stand schlie\u00dflich erwartungsvoll vor dem Geb\u00e4ude der GIZ. Nach einem sehr anstrengenden Tag fuhr ich wieder zur\u00fcck nach K\u00f6ln. Da der Tag f\u00fcr mich nicht so gut gelaufen ist, wartete ich eigentlich nur noch auf den Absagebescheid. So wurde es irgendwann Februar und mittendrinn bekam ich eine E-Mail vom dem B\u00fcro des Bundestagsabgeordneten Florian O\u00dfner zum weiteren Auswahlgespr\u00e4ch. Ich war total perplex, denn damit hatte ich ja definitiv nicht gerechnet.\u00a0 Eines regnerischen Februartages stapfte ich somit in das B\u00fcro und unterhielt mich mit MdB O\u00dfner. Nach einer Stunde stand ich wieder im Regen. F\u00fcr mich war klar, ne das wird nix. Da hatte ich bislang einfach nur ein bisschen Gl\u00fcck. Zwei Tage sp\u00e4ter kam dann die Mail \u201eHerzlichen Gl\u00fcckwunsch, wir haben Sie f\u00fcr ein Jahr USA ausgew\u00e4hlt\u2026\u201c. Ich stand heulend in meiner Arbeit und wusste nicht mehr was ich sagen soll. Ich hatte damit so wenig gerechnet und war komplett \u00fcberfordert mit dem Gedanken jetzt tats\u00e4chlich in die USA zu gehen. Ein Jahr. Verdammt lang. Nach einem Wochenende voll Tr\u00e4nen \u2013 im Nachhinein kann ich nicht mehr exakt definieren, ob es Freuden- oder Verzweiflungstr\u00e4nen waren; wohl beides \u2013 hatte ich den ersten Schock \u00fcberwunden und fing langsam\u00a0 -sehr langsam- an es zu realisieren. Ich. Juniorbotschafterin. Krass!<\/p>\n<p><strong>Vorbereitung<\/strong><\/p>\n<p>Ein paar Tage nach der E-Mail kam dann auch der postalische Vermerk von der GIZ das ich nach Amerika darf. Jetzt hatte ich es schwarz auf wei\u00df ganz offiziell. Immer noch komisch zu sagen \u201eIch gehe f\u00fcr ein Jahr ins Ausland\u201c als nur \u201eIch w\u00fcrde gerne mal ins Ausland gehen\u201c\u2026Nach viel Schriftverkehr mit der GIZ stand dann das Vorbereitungsseminar in W\u00fcrzburg fest. Eine Woche mit Hardcore-Programm auf das Auslandsjahr vorbereiten.<\/p>\n<p><strong>Vorbereitungsseminar in W\u00fcrzburg<\/strong><\/p>\n<p>Ich muss schon zugeben, dass ich anfangs schon sehr skeptisch war, welche Leute da noch so sind. Nur Nerds? Komische Leute die\u00a0das Geschichtsbuch auswendig k\u00f6nnen? Totale Englisch-Brains? Streber der Extraklasse?\u00a0Mit mulmigem Gef\u00fchl reiste ich nach W\u00fcrzburg in die Frankenwarte. Innerhalb k\u00fcrzester Zeit hatten sich bez\u00fcglich der Leute alle Vorurteile und Bedenken in Luft aufgel\u00f6st und es entstand eine wahnsinnig tolle Gruppe mit sympathischen Leuten. Nun begann man gemeinsam zu gr\u00fcbeln, was man wohl bei dem Programmpunkt \u201eInteraktives Kennenlernen\u201c mit uns macht\u2026Wollkn\u00e4ul werfen? Aufstehen und \u201eIch hei\u00dfe &#8230;\u201c sagen? Wirklich Lust hatte darauf niemand. Schlie\u00dflich kannten wir alle nur zu gut die Vorstellungsrunden in den Schulen und Freizeiten. Wirklich merken konnte man sich die Namen danach nie und eigentlich waren die Spiele \u00fcberfl\u00fcssig. Wir sind alt genug uns selbst vorzustellen. Tja, wir lagen mit unserer Meinung Meilen weit entfernt, von dem was uns erwartete. Kennen lernen mit Adjektiven. Angefangen von der ambitionierten Anna \u00fcber den bekloppten Bennie den fabelhaft fantastischen Fabian den meisterhaften Max und der verzauberten Viktoria war alles dabei und jeder, ja wirklich jeder hatte am Ende die Namen von 24 Leuten drauf. Ausnahmslos. Nummern wurden ausgetauscht und seitdem gibt es im Handy eine etwas kuriose Kontaktliste mit bekloppten, verzauberten, fantastischen, polarisierenden, schnellen und jugendlichen Leuten. So verging die Woche mit Interkulturellem Training, welches sehr ansprechend gestaltet war \u2013 unter anderem lernten wir den inneren Schweinehund Fritz kennen \u2013 viel politisch-landeskundlicher Vorbereitung und ganz viel Infos von der GIZ und CV. Es war eine wirklich wahnsinnig tolle Woche. Sie war zwar anstrengend (Urlaub sieht definitiv anders aus) aber wirklich sehr lehr- und hilfreich. Viel Vorfreude kam bei Bekanntgabe des genauen Abflugdatums auf. Die Abende in der Stube wurden immer l\u00e4nger und nach einiger Zeit kam es einem vor, als ob man sich schon ewig kennen w\u00fcrde. Bei den Vorbereitungen wurde viel in Gruppen gearbeitet, was zu anfangs wieder wenig Begeisterung ausl\u00f6ste, da die meisten die fade Gruppenarbeit in der Schule vor Augen hatten; Einer Arbeitet und der Rest der Gruppe hat keine Lust und ist wenig produktiv. Wieder hatten wir uns get\u00e4uscht. Nach einiger Zeit schafften wir es sogar, die gesamte Weimarer Republik innerhalb einer halben Stunde mit 4 Personen aufzubereiten und zu pr\u00e4sentieren, sodass jeder am Ende alles verstanden hat. Insofern kann ich nur zum Thema Gruppenarbeit sagen, mit motivierten, zielstrebigen Leuten macht das wahnsinnig Spa\u00df und ist auch produktiv! Die 25 zusammengew\u00fcrfelten Leute waren am Ende der Woche eine richtig gute Gruppe geworden und jeder bedauerte den schnellen Abschied.<\/p>\n<p><strong>Unterst\u00fctzung bis zur Ausreise<\/strong><\/p>\n<p>Stichtag 29.07.2016. Noch Exakt\u00a03 Tage bis zum Abflug. Mir wird schon ganz anders. Der gesamt Kofferinhalt liegt verteilt im Zimmer, t\u00e4glich wird umgepackt, neu gefaltet, aussortiert und wieder dazu gelegt. Maximalgewicht des Koffers betr\u00e4gt 23kg\u2026das ist wirklich sehr wenig f\u00fcr ein Jahr\u2026zum Gl\u00fcck gibt es in Alaska ja auch noch Gesch\u00e4fte zum shoppen. Die Vorbereitungen laufen schon seit Wochen auf Hochtouren. Beh\u00f6rdeng\u00e4nge m\u00fcssen erledigt werden, und das dauert bekanntlich seine Zeit, Kopien aller wichtigen Dokumente anfertigen, Mails schreiben, Blog einrichten (das hatte ich mir \u00fcbrigens etwas einfacher vorgestellt..), Freunde treffen und verabschieden, arbeitslosmelden, Gastgeschenk besorgen, Hobbies f\u00fcr ein Jahr still legen und vieles mehr. Dank einer immer sehr geduldigen Frau Paap von der GIZ und einem sehr freundlichen Max von CV wurden und werden alle Fragen sehr schnell beantwortet und Bedenken aus dem Weg ger\u00e4umt. Die Whatsapp Gruppe l\u00e4uft indes t\u00e4glich hei\u00df, irgendwie dreht jeder ziemlich am Rad. Die Emotionen schwanken st\u00fcndlich zwischen Vorfreude (\u201eYeah, endlich geht es los!\u201c) und Verzweiflung (\u201eEin Jahr so weit weg?! Ich glaub ich bleib daheim\u2026\u201c) und man ist irgendwie sehr nah am Wasser gebaut. Immerhin hat man die Gewissheit, dass es den 74 anderen Teilnehmern nicht anders ergeht und so kann man sich wenigsten noch Gegenseitig tr\u00f6sten und munter machen.<\/p>\n<p><strong>New York\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>So, erster Beitrag aus den USA! Leider habe ich hier nicht regelm\u00e4\u00dfig gutes WLAN, deshalb erst jetzt ein Zeichen von mir.<\/p>\n<p>Der Flug nach New York verlief gut und auch ruhig. 8h nix tun ist zwar langweilig aber mit Essen und Lesen verging die Zeit dann doch. Nach dem Flug standen wir uns zwei Stunden die Beine in den Bauch, um durch die Passkontrolle zu kommen. Nachdem das endlich geschafft war und wir alle den richtigen Koffer gefunden hatten, wurden wir von CV abgeholt. Mit dem Bus ging es dann nach Downtown Manhatten, wo unser Hostel war. Die Zimmer des Hostels waren so winzig, dass mit zwei Koffern und einer Person alles komplett voll war. Tja mei, bissl eng halt. Das einzige, was mich richtig st\u00f6rte, war die Klimaanlage. Ich kam mir in dem Zimmer vor wie eine Tiefk\u00fchlpizza! Brr war das kalt! Also erstmal Klima aus und daf\u00fcr Fenster auf. Es offenbarte sich mir ein cooler Blick auf New York. So war das doch schon viel besser. Kurz frisch gemacht und schon ging es los. Einmal Nachtwanderung durch NYC. Tja, die Enttsch\u00e4uschung meinerseits war wirklich gro\u00df. Alle schw\u00e4rmen immer so von New York. Alles soll ja sooo toll sein und so hip&#8230;vielleicht war ich ja in der falschen Stadt, aber in der Stadt in der ich war, fand ich so gar nix hip und toll und cool. New York ist total verbaut, der Verkehr ist die H\u00f6lle, ein L\u00e4rmpegel ohne Ende und Menschenmassen wo hin man sieht. Au\u00dferdem ist es ein olfaktorischer Albtraum und sauber sieht auch anders aus. Immerhin muss ich hier nur ein paar Tage verbringen&#8230;Die vielen Lichter des Rockerfeller Centers sind zwar wirklich beeindruckend aber nach einiger Zeit sehr irritierend. L\u00e4rm, Licht und Menschenmassen. Nix f\u00fcr eine Landpflanze wie mich. Da wir wegen der Zeitverschiebung mehr oder weniger seit 24h nicht mehr geschlafen haben, vielen wir irgendwann total ger\u00e4dert auf dicke weiche amerikanische Matratzen. Da schl\u00e4ft es sich echt gut drauf! Am n\u00e4chsten morgen ging es dann durch die Stadt in ein Cafe zum fr\u00fchst\u00fccken (im Hellen ist NYC auch nicht sch\u00f6ner). Bagel und Frisck\u00e4se. Eigentlich ganz gut aber was war denn das f\u00fcr K\u00e4se?! Doppelrahmstufe mit extra Rahm und Fett? Lecker wars trotzdem. Anschlie\u00dfend ging es ins State Department um Teil 1 des Seminars zu absolvieren. Leider ging ab hier alles auf Englisch weiter, was die ganze Angelegenheit nicht einfacher machte. Aber mit vereinten Englischkenntnissen haber wir zumindest das Wichtigste verstanden. Abends gab es dann eine Doppeldeckerbustour durch das beleuchtete New York. Wolkenkratzer sind echt verdammt hoch so von unten&#8230;Die Bustour war wirklich toll. Am n\u00e4chten Tag stand nochmal Seminar auf dem Programm und dann gab es endlich endlich die Infos f\u00fcr die Homstaytour. Ich darf erst 4 Tage nach Chicago, dann 4 Tage nach Seattle und schlie\u00dflich hoch nach Alaska reisen! Nachmittags nutzten wir die Freizeit um die Freiheitsstatue mit dem Boot zu besichtigen. N\u00e4chtster Reinfall. Die ist ja total klein! Aber egal. Mit viel Zoom bei meiner Kamera hab ich sie dann doch auf das Foto bekommen. Somit endeten die Tage in New York sehr erlebnisreich und anstrengend.<\/p>\n<p><strong>Chicago<\/strong><\/p>\n<p>Am Freitag ging es f\u00fcr mich und 34 andere Teilnehmer mit der Amtrak (vergleichbar mit dem deutschen ICE) ab nach Chicago. 2 Tage nonstop Zugfahren. Nicht gerade prickelnd aber ein Erlebnis. Von der Railstation in Chicago ging es dann nochmal mit der Bahn nach Aurora und von dort mit dem Auto zur Gastfamilie. Heute verbringe ich also die erste Nacht bei einer echt amerikanischen Familie. Das pensionierte Ehepaar ist sehr freundlich und morgen geht es gleich mal in einen amerikanischen Gottesdienst. Ich bin ja schon sehr gespannt drauf.<\/p>\n<p>So. Jetzt wei\u00df der amerikanische Herrgott auch das ich da bin. Wir waren heute morgen in der First Presbytarian Church in einem nicht vergleichbaren Gottesdienst zu Deutschland. Vor der eigentlichen Kirche ist eine Art Gemeinschaftsraum eingerichtet. Dort stehen Sofas und St\u00fchle zum zusammensitzen und reden. Die Messe war zwar aufgrund der Ferien nicht allzu voll aber trotzdem gut besucht. Am Altar stand eine Pastorin und die Musik war herrlich! So ganz anders! Richtig locker und sehr schwungvoll. Von der eigentlichen Messe habe ich nicht so viel verstanden aber lauthals mitgesungen. Immerhin. Nach dem Gottesdienst gehen immer alle Gemeindemitglieder gemeinsam in den Vorraum um Cafe zu trinken und Selbstgebackenes zu essen. Au\u00dferdem standen in Plastikbechern (in Amerika ist irgendwie alles aus Plastik) orange und rote Getr\u00e4nke. Klar das ich das ausprobieren muss. Orange war Orangensaft und rot war, tja also das l\u00e4sst sich nicht so genau definieren. 99% Zucker und der Rest Wasser? Vielleicht auch 100% Zucker, ich wei\u00df es nicht. Auf jeden Fall papps\u00fc\u00df. Als ich dann gefragt hab, was das denn sei, bekam ich als Antwort: &#8222;Grapefruitjuice.&#8220; Na da h\u00e4tte ich ja auch mal drauf kommen k\u00f6nnen&#8230;Die Besucher waren alle sehr offen und freundlich und interessierten sich sehr f\u00fcr Deutschland und das Exchange Programm. Fast jeder hat mich angesprochen und mir viel Erfolg und &#8222;fun&#8220; gew\u00fcnscht, selbst die Pastorin betet f\u00fcr mich und ein tolles Jahr. Das macht einem das Herz schon ein bisschen leichter mit so viel Unterst\u00fctzung und Zuversicht von quasi Unbekannten. Das einzige was sich definitiv nicht von der deutschen Messe unterscheidet, ist das Alter der Kirchenbesucher. 80+. Und ich.<\/p>\n<p>Abends machte mein Hostdad mit mir eine Spritztour mit dem Cabrio zur Eisdiele. Softeis mit Erdnussbutter. 300kcal.\u00a0Gut war`s!\u00a0Morgen geht&#8217;s dann zum Mississippi.<\/p>\n<p>Mississippi, holl\u00e4ndische Windm\u00fchle sowie die Schiffe Nina und Pinta\u00a0mit den Columbus einst Amerika entdeckte,\u00a0wurden erfolgreich besichtigt. Danach ging es zu einer Weinverkostung bzw. bei mir eine Weinverriechung &#8211; unter 21 darf man hier gar nix, au\u00dfer Drogen kaufen und Auto fahren. Aber sogar der Wein riecht viel s\u00fc\u00dfer als der in Deutschland. Wahnsinn&#8230;Abends traf sich dann die ganze Gruppe\u00a0zum Picknick im\u00a0Park, was wirklich sehr sch\u00f6n war. Am n\u00e4chsten Tag ging es dann in den legend\u00e4ren Walmart. Hier gibt es alles in\u00a0mega gro\u00df, mega s\u00fc\u00df und mega fettig. M&amp;Ms mit Erdnussbutter drin, Saft mit 0% Fruchtanteil, Joghurt mit Zucker und vieles mehr. Danach fuhr ich mit meinem Hostdad zudem Boyhood Home des Pr\u00e4sidenten Ronald Reagan. Das war\u00a0wirklich sehr interessant! Zur damaligen Zeit hatten die hier schon K\u00fchlschr\u00e4nke mit Gefrierfach und einen Backofen mit Einstellungen wie &#8222;Cookies,\u00a0Cake, etc.&#8220; Nach einer Rundfahrt durch den Park, in dem Reagan damals\u00a0Rettungsschwimmer war, ging es zu einem echt amerikanischem Barbecue. Burger wo hin man sieht und Unmengen an Salat\u00a0und Cookies. Man war das lecker!<\/p>\n<p><strong>Seattle<\/strong><\/p>\n<p>Heute begann der Tag sehr fr\u00fch, bereits um 7:30 Uhr ging es aus dem Haus. Dann wurden wir mit dem Auto zur Chicago Railstation gefahren und von dort suchten wir uns den Weg zum Flughafen (und ja, wir haben uns verlaufen!). Als wir dann endlich am Flughafen waren, hie\u00df es erstmal warten, da mein Flug erst um 5:30pm nach Seattle geht. Gut in Seattle angekommen, holte mich mein neuer Hostdad Austin mit dem Auto und Hund Lucky\u00a0ab und es ging ins neue Zuhause Teil 3. Nach einem sehr sehr leckeren Abendessen &#8211; Lachs aus Alaska mit Reis und Gem\u00fcse &#8211; viel ich mal wieder hundem\u00fcde in mein Bett. Am n\u00e4chsten Tag erkundete ich dann Seattle alleine mit dem Rad. Nachdem ich mich orientiert hatte, schaffte ich es auf das Water Taxi, um nach West Seattle zu kommen. Die Bootsfahrt offenbarte einen wahnsinnig tollen Blick auf Seattle! Au\u00dferdem besuchte ich den Pike Place Market mit seinen fliegenden Fischen und allerlei K\u00f6stlichkeiten aus der Welt. Als n\u00e4chstes fuhr ich zum Space Needle und besichtigte den Tilikum Place Markt.\u00a0Der Heimweg gestaltete sich schwieriger als ich dachte, da ich mich dreimal verfahren habe und irgendwann in einem komplett anderen Stadtteil stand. Tja, alles wieder zur\u00fcck und nachdem ich drei sehr hilfsbereite Personen gefragt hatte, kam ich\u00a0endlich nach\u00a02h an! Tags darauf ging es zur Duck-Tour. Eine etwas andere Stadtrundfahrt auf einem Amphibienfahrzeug, welches Seattle auf Land und Wasser erkundet. Die Fahrt war wirklich toll gemacht, immer mit passender Musik hinterlegt und alles sehr humorvoll gestaltet. Nach leckeren Fish`n Chips an der K\u00fcste ging es dann zum Lake Union, wo ich mich mit Austin und Hund Lucky zum Stand up paddeln traf. Das hat vielleicht Spa\u00df gemacht! Bei tollem Wetter mitten auf dem See einen atemberaubenden Blick auf Seattle zu ergattern und dann auch noch mit Hund! Besser kann es nicht sein. Nach dem Abendessen zeigte mir Austin auf dem Rad das Nachtleben von Seattle. F\u00fcr mich hie\u00df es mal wieder nur kucken und nix anfassen, manchmal ist 19 sein doof. Allerdings erstaunt es mich immer wieder, was hier erlaubt ist. Gras ist legal und darf jeder erwerben, Schusswaffen kann man ohne Lizenz kaufen und benutzen aber Bier ist ab 21 und darf nur in den Clubs und nicht au\u00dferhalb getrunken werden. Da soll man mal die Logik verstehen&#8230; Aber ich muss schon sagen, die Tage in Seattle bei meinem akzentfrei und flie\u00dfend deutsch sprechendem Hostdad Austin und Hund Lucky waren bislang die besten. Die Stadt ist wirklich wundersch\u00f6n mit ihrer gro\u00dfen Vielfalt. Von Stadt zu Meer und K\u00fcste bis Wald und Nachbarschaft ist alles vorhanden. Also wenn ich nicht gerade nach Alaska gehen w\u00fcrde, hier w\u00fcrde es mir auf Dauer schon gefallen!<\/p>\n<p><strong>Alaska<\/strong><\/p>\n<p>Endlich angekommen! Endlich Koffer auspacken! Endlich sich einleben!<\/p>\n<p>Phu, der erste Tag in meinem neuen &#8222;Zuhause&#8220; ist geschafft. Nach einem anstrengendem Flug von Seattle nach Anchorage und von dort mit der Propellermaschine (!) nach Kenai holten mich meine Hosts Mollie und John sowie meine beiden College Koordinatoren vom Flughafen ab. Von dort ging es dann zu der gem\u00fctlichen Blockh\u00fctte mitten im Wald. Von den drei Huskymischlingen wurde ich freudig begr\u00fc\u00dft und werde schon als &#8222;Herdenmitglied&#8220; anerkannt. Ich darf sogar schon auf die Couch \ud83d\ude42 Aber stressig ist das schon, drei Hundeb\u00e4uche gleichzeitig streicheln&#8230;Mein Zimmer ist sehr gem\u00fctlich, inklusive Dachschr\u00e4ge! In dem Haus ist alles recht urig und praktisch aber das ist ok. Abends gab es (jetzt aufpassen!!) selbstgemachte Pizza von John mit Gem\u00fcse das aus dem Garten kommt. Gesund! In Amerika! Wahnsinn&#8230;es hat auf jeden Fall sehr gut geschmeckt. Nach diesem herzlichen Empfang von allen und dem guten Essen bin ich (mal wieder) fix und alle. Morgen geht es erstmal mit Mollie zum Bergschuhe kaufen. Ich bin gespannt, was mich noch alles erwartet.<\/p>\n<p><strong>14. August &#8211; 17. August<\/strong><\/p>\n<p>Zimmer ist eingerichtet, Winter- ,Regen- , Schnee-Allroundschuhe (in pink) wurden gekauft, die ersten Kurse im College sind belegt und der Einstufungstest hat auch super geklappt. Sch\u00f6n langsam aber sicher f\u00fchle ich mich hier ein bisschen heimisch. In den letzten Tagen habe ich sehr sehr viele Menschen kennen gelernt (die Namen konnte ich mir nicht merken&#8230;), welche fast alle hilfsbereit und sehr freundlich sind. Gleich die erste Bekanntschaft bescherte mir mein Ehrenamt, welches jeder Teilnehmer in dem Jahr absolvieren muss. Ich darf im September f\u00fcr ein Wochenende entlang des Kenai-Rivers in die Berge gehen, um am Fluss verschiedenen Forschungsstationen zu warten und auszuwerten. Der Biologe und sein Team erforschen den Wildlachs und versuchen den Bestand zu sichern. Ich bin schon sehr gespannt, was mich in dem Wochenende alles erwartet! Ansonsten habe ich am Dienstag das College erkundet, welches sehr modern eingerichtet ist und auf dem Gang hat man einen fantastischen Blick auf den Kenai-River. Meine Collegekoordinatorin ist sehr bem\u00fcht und hilft mir wo es geht. Leider gibt es in dem College nicht wirklich &#8222;berufsbezogene Kurse&#8220; (das w\u00e4re sowas wie &#8222;Business&#8220;, &#8222;Law&#8220;, etc.) sondern eher technische und mathematische Kurse. Die nehme ich aber auf\u00a0keinen Fall, versteh Mathe und Co ja im Deutschen schon nicht. Also musste was alternatives her, jetzt geht&#8217;s ein Wochenende in den &#8222;Mushroom Curs&#8220;, sprich man geht in die Wildnis und erf\u00e4hrt so einiges \u00fcber Flora, Fauna und\u00a0Schwammerl.\u00a0Ansonsten versuche ich in einen Kunstkurs zu kommen (Teil des Programms ist es, sich neu zu erfinden; und das mach ich grad!) und in einen Writing Curs, das ist zumindest ein bisschen berufsbezogen, hier lernt man n\u00e4mlich sich schriftlich exakt auszudr\u00fccken. Mal sehen was so klappt, alternativ kann ich ja noch Pipelineschwei\u00dfen lernen \ud83d\ude42 Das Essen ist \u00fcbrigens himmlisch! Bei meinen Hosts wird fast alles selbstgemacht. Vom Brot \u00fcber das M\u00fcsli bis zum selbst angebauten Salat. Und nat\u00fcrlich gibt es selbst gefangenen und ger\u00e4ucherten Lachs. Ich wurde schon zweimal ausw\u00e4rts bei Bekannten zum Essen eingeladen und da sieht es \u00e4hnlich aus. Es wird sehr viel frischer Fisch gegessen und nur ganz wenig Fastfood und Co. Letztens gab es fangfrischen Heilbutt vom Grill. Das war vielleicht was feines! Den ersten interkulturellen Austausch hab ich \u00fcbrigens mit einem Rhabarberkuchen gemacht. Der Rhabarber kam nat\u00fcrlich auch aus dem Garten und nachdem meine Hosts nicht mehr wussten, was sie noch damit machen sollen, hab ich Papas legend\u00e4ren Rhabarberkuchen gemacht. Kam super an, morgen soll ich noch einen machen&#8230; Noch kurz zum Wetter, im Moment regnet es aber die letzten Tage war es trocken. K\u00fchl, also Fleecjacke und lange Hose sind ein Muss aber sonnig. Perfekt halt.<\/p>\n<p>Ich freu mich \u00fcbrigens immer sehr \u00fcber die Kommentare, bitte weiterhin flei\u00dfig euren Senf dazugeben, auch wenn ich aus Zeitgr\u00fcnden nicht jedem Antworte!<\/p>\n<p><strong>18.August &#8211; 20. August<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\">Am Donnerstag wollte mich meine Collegekoordinatorin um 12Uhr abholen. Um halb\u00a01pm (!) war sie dann da. Das mit der deutschen P\u00fcnktlichkeit gew\u00f6hn ich mir jetzt ab. Da verlier ich zu viel Zeit mit Warten. Nachdem wir dann endlich am College angekommen sind, musste ich nochmal einen Englischtest schreiben und zwei Mathetests. Warum auch immer. Im ersten Test durfte ich keinen Taschenrechner verwenden. Erste Aufgabe: Wurzel aus 785. Hallo?! Das bring ich ja ned mal mehr mit Taschenrechner hin&#8230;es war also ein fr\u00f6hliches Raten, bis alle Antworten angeklickt waren; von &#8222;beantworten&#8220; m\u00f6chte ich hier gar nicht mehr reden. Im zweiten Teil w\u00e4re ein Taschenrechner erlaubt gewesen, allerdings gab es nix zu rechnen sondern nur Fragen zur Geometrie. Finde den Fehler. Nach einiger Zeit hab ich aber auch das \u00fcberstanden und es ging wieder nach Hause. Dort wartete selbstgemachte Pasta auf mich, da abends G\u00e4ste zum Barbecue kamen. Nachdem ich mit Mollie (Gastmutter) alles vorbereitet hatte, gab es frischen Salat, Pasta mit frischen Kr\u00e4utern, gegrillte Shrimps und Gem\u00fcse vom Grill. Als Nachtisch Zimtschnecken. Wenn das mit dem guten Essen so weiter geht, brauch ich in Whasington n\u00e4chstes Jahr zwei St\u00fchle.<\/span><\/p>\n<p>Am Freitag ging es nach einem mega gesunden Fr\u00fchst\u00fcck (French Toast &#8211; Wei\u00dfbrot in Ei, Milch und Mehl wenden und mit Zimt bestreuen, ausbacken und mit Ahornsirup genie\u00dfen) zum Kajakfahren nach Seward. Bei etwas widrigem Wetter (Regen, Wind und Nebel) ging es \u00fcber den Resurraction Bay zum Tonsina Point. Auf dem Weg dorthin, sah ich\u00a06 Wei\u00dfkopfseeadler in den B\u00e4umen sitzen und einen mit Futter in den Klauen \u00fcber unsere K\u00f6pfe hinwegschweben! Was f\u00fcr ein majest\u00e4tisches Tier! Da kommt man sich in seinem Kajak sehr unbeholfen und plump vor. Kurze Zeit sp\u00e4ter entdeckte ich zwei Seeotter 10 Meter von den Kajaks entfernt spielen und Fisch fangen. Sind das possierliche Tierchen! Das komplette Gegenteil zu den erhabenen Adlern. Nach einer H\u00f6hlenerkundung ging es dann auch wieder zur\u00fcck zum Ausgangspunkt. Es hat riesig Spa\u00df gemacht, obwohl man von oben unten und der Seite nass wurde. Klitschnass (trotz Regenhose und Jacke) st\u00fcrzten John (Gastvater) und ich \u00fcber Mollies frisch gebackenes Brot her, welches wir als Lunch dabei hatten. So ein frisches, noch warmes Brot mit K\u00e4se wenn man durchgefroren und nass ist, dass hat schon was! Danach ging es zu Zudy`s, einem kleinen Cafe mit dem besten K\u00e4sekuchen in Seward.\u00a0 Nach einem St\u00fcck Peanutbutter Cheescake und einer hei\u00dfen Schokolade war mit komplett schlecht (das St\u00fcck Kuchen deckte den Kalorienbedarf von mindestens einer Woche) aber mir war zumindest wieder warm. Immer noch nass ging es dann ins Alaska SeaLife Center. Dort hab ich Puffons bei der F\u00fctterung gesehen und konnte Seesterne und anderes Meeresgetier anfassen. Nach einer umfangreichen Erl\u00e4uterung von John in der Lachsabteilung, wei\u00df ich jetzt schon ganz sch\u00f6n viel \u00fcber den kostbaren Fisch. Frisch geduscht und endlich mit trockenen Klamotten gab es dann abends noch Jambalaya, Tomatenreis mit W\u00fcrstchen und (nat\u00fcrlich) Shrimps. Sch\u00f6n langsam komm ich mir vor wie Forrest Gump als er Babba trifft&#8230;gegrillte Shrimps, Shrimpsreis, etc&#8230;<\/p>\n<p>Und was gab es heute fr\u00fch?! Genau. Shrimps. In Gr\u00fctze. Zum Fr\u00fchst\u00fcck. War fein!<\/p>\n<p>Ich habe jetzt mal versucht, ein paar Bilder hier reinzustellen. Bei Interesse, einfach auf &#8222;Impressionen aus der neuen Welt&#8220; bei der Startseite klicken. Leider sind alle durcheinander aber das macht nix. Viel Spa\u00df beim ansehen!<\/p>\n<p><strong>21. August &#8211; 24. August<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\">Ob ihr es glaubt oder nicht, aber ich lerne gerade zu chillen. (F\u00fcr all diejenigen, die der Jugendsprache nicht m\u00e4chtig sind: chillen hei\u00dft so viel wie, nichts tun, Ruhe geben.) Drau\u00dfen regnet es seit zwei Tagen und somit sitzt wir alle mit einer Tasse Tee und einem Buch auf der Couch. Ich habe ausgeschlafen und einfach nichts gemacht. Essen, schlafen, lesen, dem Regen zusehen. Mehr nicht. H\u00e4tte nicht gedacht, dass ich das mal schaff. Obwohl, ganz unt\u00e4tig bin ich auch wieder nicht. Immerhin versuche ich momentan ein Auto zu kaufen. Das ist gar nicht so einfach&#8230; Und eine Versicherung finden ist hier genauso eine Katastrophe wie in Deutschland. Naja, irgendwann werde ich schon was finden.<\/span><\/p>\n<p>Auto hab!! Wie es der Zufall so will, habe ich am 23. doch tats\u00e4chlich noch ein Auto gefunden. Ein Ford Bronco II Baujahr 1988. Ich h\u00e4tte nie gedacht, dass ich bei der Automarke mal fremdgeh und dann auch noch ein Auto kauf, das \u00e4lter ist als ich. Die Sch\u00fcssel ist schon recht verrostet aber f\u00e4hrt einwandfrei. Ich muss mich noch ein bisschen daran gew\u00f6hnen, dass ich die T\u00fcr selbst aufsperren muss und dies nicht automatisch per Knopfdruck passiert aber es wird. Die Handbremse habe ich inzwischen auch gefunden und nach l\u00e4ngerem Suchen auch das Licht. Jetzt kann es losgehen! Die erste Fahrt verlief ganz gut, es scheppert und klappert ein bisschen auf den nicht befestigten Stra\u00dfen aber es h\u00e4lt. Das Auto habe ich von Privat \u00fcber das Internet gekauft und musste bei dem Herren alles in bar zahlen. Noch nie in meinem kleinen Leben hatte ich so viel Geld in der Hand. Das der Herr an der Garderobe zwei Gewehre liegen hatte, machte die Sache f\u00fcr mich nicht angenehmer, obwohl ich mich an den Anblick sch\u00f6n langsam gew\u00f6hnen sollte. Auch das Geld vorz\u00e4hlen auf Englisch hat etwas gedauert, bis ich dann endlich alle Papiere in der Hand hatte und fluchtartig mit meinen Gasteltern das Weite gesucht habe. Eine Erfahrung der besonderen Art. Jetzt bin ich aber froh, endlich mobil zu sein und auch noch ein Auto mit Gangschaltung erwischt zu haben. Dann komm ich wenigstens nicht aus der \u00dcbung. Allerdings muss ich das Auto definitiv noch s\u00e4ubern. &#8222;Verkaufsfertig geputzt&#8220; hei\u00dft hier soviel wie vor drei Jahren mal kurz ausgesaugt.<\/p>\n<p><strong>26.August &#8211; 28 August<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\">Dieses Wochenende machten wir eine Kanutour auf dem Swanson River. Nachdem am Freitag alles zusammengepackt wurde, ging gegen Mittag die Reise los. Ein Auto, ein Kanu, Campingzeug f\u00fcr 4 Personen, drei Huskys und 4 Personen. Das wurde echt verdammt eng in dem kleinen Subaru! Nach dieser, zugegeben etwas engen Autofahrt, stiegen wir Nachmittags in unser Kanu ein und paddelten los. Wir durchquerten eine wundersch\u00f6ne unber\u00fchrte Gegend, bis wir nach einer Kurve auf einen Elch stie\u00dfen. Eigentlich wollte ich ein Foto machen, musste aber drei Hunde in Schach halten, dass Kanu wenden, gegen den Strom paddeln und laut schreien, damit der Elch sich aus dem Staub macht. Der dachte aber gar nicht daran. Nach geschlagenen 15 Minuten schob er sich langsam, sehr langsam, die B\u00f6schung rauf und verschwand im Wald. Wir wendeten und es kam wie es kommen musste, Saddie sprang aus dem Kanu und hechtete dem Elch hinterher. Also wieder Kanu wenden, nach Saddie rufen und die anderen zwei Hunde festhalten. Nach einiger Zeit kam Saddie zur\u00fcck, der Elch war wohl schneller. So ging die Fahrt dann relativ ruhig weiter. Abends suchten wir uns eine passende Campside und schlugen unsere Zelte auf.\u00a0Ich bekam\u00a0nochmal eine B\u00e4r-Schulung (L\u00e4rm machen und langsam weggehen) und nach einiger Zeit sa\u00dfen wir vor einem prasselndem Lagerfeuer und a\u00dfen Couscous und frische Pilze aus dem Wald. Da die Moskitos keine Gnade kennen, trugen wir alle &#8222;Tropenhelme&#8220; also quasi M\u00fcckengitter um den Kopf. Sieht ziemlich d\u00e4mlich aus, hilft aber. Nachdem wir dann alles Essbare sowie Zahnpasta und Co in b\u00e4rensicheren Boxen eingeschlossen und diese ca. 10m von unserem Camp versteckt hatten, ging es auch schon ins Bett, also Zelt. Am n\u00e4chsten morgen schien die Sonne und die Landschaft war in wundersch\u00f6nes Licht getaucht. Nach einem Pancake-Fr\u00fchst\u00fcck packten wir alles zusammen und paddelten weiter. Mittags machten wir nochmal Rast und pfl\u00fcckten wilde Cranberrys. Wieder auf dem Kanu \u00fcberwanden wir einige Stromschnellen und genossen die Stille. \u00dcber uns schwebte ein Wei\u00dfkopfseeadler, neben uns schwamm ein Biber und am Ufer sa\u00df ein Dachs. Leider schien die Tour kein Ende zu nehmen. Wir paddelten und paddelten, mittendrinn wurde es richtig kalt und wir wurden m\u00fcde. Somit machten wir nochmals Rast, zogen etwas Warmes an und a\u00dfen N\u00fcsse und Cranberrys. John ging in der Zeit in den Wald, kurze Zeit sp\u00e4ter h\u00f6rten wir zwei Sch\u00fcsse und er kam stolz mit einem frisch erlegten Rebhuhn in der Hand zur\u00fcck. Unser Abendessen. Wir hatten nat\u00fcrlich keine Karte dabei, somit wusste keiner so exakt wo wir genau waren und wie weit es noch ist. Eigentlich wollten wir nochmal campen, da es wirklich schon sp\u00e4t war und uns die Kr\u00e4fte verlie\u00dfen aber Christina, eine Bekannte von meinen Hosts, ist so weit voraus gefahren, dass wir sie seit mehr als drei Stunden nicht mehr gesehen hatten und uns dementsprechend Sorgen machten. Dann kamen auch noch mehrere Wasserf\u00e4lle und Stromschnellen. Die ersten meisterten wir wieder ganz gut aber dann \u00fcbersahen wir den ersten Fels und liefen auf. Mit viel Kraftaufwand gelangten wir wieder ins Wasser, nur um in die n\u00e4chste Stromschnelle zu geraten. Diesmal ging es nicht gut. Wir \u00fcbersahen mehrere Felsen und knallten mit dem Kanu gegen einen Baum und blieben stecken. Durch den Aufprall viel ich aus dem Boot und ging erstmal schwimmen. Das Wasser war gar nicht so kalt aber eine warme Dusche mit Seife h\u00e4tte ich bevorzugt. Klitschnass zog ich mich wieder in das Boot und versuchte mit Mollie uns irgendwie aus dieser misslichen Lage zu befreien. Es hat lang gedauert und war sehr anstrengend aber irgendwann gelang es uns doch. Nur konnten wir das Boot nicht mehr wenden und so sausten wir r\u00fcckw\u00e4rts die restlichen Wasserf\u00e4lle hinab. Rafting ist ein Dreck dagegen. Gott sei Dank sahen wir nach einer halben Stunde Christina am Ufer winken; Ziel erreicht. Nass und durchgefroren luden wir alles aus und es ging endlich nach Hause. Mitten in der Nacht kamen wir an, ich schleppte mich unter eine (diesmal hei\u00dfe) Dusche und kippte ins Bett. Das war vielleicht eine Tour! Richtig Spa\u00df hat es gemacht! Am Sonntag gab es dann abends das erlegte Rebhuhn mit Wildreis und frischem Cranberrysaft. Schmeckte herrlich und daf\u00fcr w\u00fcrde ich auch jederzeit wieder unfreiwillig im Fluss baden gehen. <\/span><\/p>\n<p><strong>29. August <\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\">Mein erster Schultag. Leider habe ich keine Schult\u00fcte bekommen und musste mir mein Pausenbrot auch noch selber schmieren. Das war doof. Aber immerhin konnte ich ausschlafen, da ich nur einen Kurs am Montag habe und der erst um 13 Uhr beginnt. Praktisch. So kann man es aushalten. Somit fuhr ich bei strahlendem Sonnenschein in das College und suchte mein Klassenzimmer, was sich als ganz sch\u00f6n schwierig herausstellte. Irgendwann kam ich dann im richtigen Kunstsaal raus, p\u00fcnktlich, versteht sich. Mein Lehrer, ein Koreaner aus Hawai den es nach Alaska verschlagen hat, stand in schmuddeligen XtraTuffs vor mir.\u00a0Der erste Lehrer in Gummistiefeln&#8230;\u00a0Nach einer kurzen Einf\u00fchrung bekam jeder Papier und Stift in die Hand gedr\u00fcckt und los ging es. Leider habe ich nicht verstanden, was ich eigentlich zeichnen soll. Aufgabenstellung war ein &#8222;Golden Rectangle&#8220; zu malen. Aber was um alles in der Welt ist das denn?! Gl\u00fccklicherweise eilte mir meine Banknachbarin zur Hilfe und erkl\u00e4rte mir, dass ich quasi mehrere Vierecke und darin eine Spirale zeichnen soll. Aha. Anfangs hat es so gut wie \u00fcberhaupt nicht geklappt aber es wird immer besser. Warum ich einen Zeichnen Kurs gew\u00e4hlt habe fragt sich jetzt vielleicht der ein oder andere? Also so genau wei\u00df ich das auch nicht. Vielleicht m\u00f6chte ich mich weiter ein klein bisschen neu erfinden und was ausprobieren, was ich in Deutschland nie getan h\u00e4tte? Wenn es mir tats\u00e4chlich nicht gef\u00e4llt, dann mach ich halt n\u00e4chstes Semester was anderes. Probieren geht \u00fcber Studieren, wenn ich hier mal meinen Opa zitieren darf.<\/span><\/p>\n<p><strong>30. August &#8211; 03.September <\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\">Die Tage vergehen wie im Flug, jetzt bin ich schon einen Monat in den USA. Mir kommt es noch gar nicht so lang vor. Am Mittwoch hatte ich meinen zweiten Kurs zum ersten Mal. F\u00fcr den Writing Kurs ben\u00f6tige ich zwei B\u00fccher, welche hier selber zu zahlen sind. 200$ ad\u00e9&#8230; Bildung ist hier in Amerika wirklich teuer. Anfangs hatte ich Schwierigkeiten, alles im Kurs zu verstehen aber das gibt sich bestimmt mit der Zeit. Momentan arbeite ich an meinem ersten Aufsatz in Englisch. Bis ich alle W\u00f6rter nachgeschlagen und einen korrekten Satz damit zusammengebastelt habe, dauert es noch eine Weile aber \u00dcbung macht ja bekanntlich den Meister. <\/span><\/p>\n<p>Dieses Wochenende ist &#8222;Labor Day Weekend&#8220;, sprich der Montag (Labor Day) ist schul- und arbeitsfrei. Mein Gastvater sitzt irgendwo im Wald und versucht einen Elch zu erlegen und meine Gastmutter samt den drei Hunden und ich sitzen im Wald und suchen Cranberries. Mittendrin kam Mama Elch mit Nachwuchs vorbei und\u00a0war &#8222;not amused&#8220;, dass wir hier Beeren pfl\u00fccken. Also haben wir uns ein anderes\u00a0Pl\u00e4tzchen gesucht&#8230;\u00a0Am Freitag war wundersch\u00f6nes Wetter und wir haben wirklich sehr sehr viele Cranberries gepfl\u00fcckt. Die meisten haben wir eingefroren aber ein paar machten sich hervorragend in den frischen Muffins zum Fr\u00fchst\u00fcck \ud83d\ude42 Ansonsten geht es diese Tage ein bisschen ruhiger zu, Gartenarbeit, Hausaufgaben, Tee trinken. Stress pur also. Wenn John aber wirklich einen Elch erlegt, wird es wohl doch nochmal Action geben. Denn den hei\u00dft es zerlegen, portionieren und einfrieren. Mal sehen was mich die Tage noch so erwartet. Ach ja, habe ich eigentlich schon von den Moskitos berichtet?\u00a0Ich habe\u00a0von dem einen Tag Gartenarbeit 29 M\u00fcckenstiche an den Armen und Beinen einkassiert! Am Dienstag kaufe ich mir definitiv Anti-M\u00fcckenspray.<\/p>\n<p><strong>08. September &#8211; 11. September <\/strong><\/p>\n<p>Donnerstag, 08. September, 06:00 Uhr, Fr\u00fchst\u00fcck.<\/p>\n<p>Kommt euch was komisch vor? Ja, mir auch. So fr\u00fch war ich hier noch nie wach&#8230;aber heute geht es ab nach Anchorage und da man da gleich mal 2 1\/2 Autostunden braucht, geht es dementsprechend fr\u00fch los. Um Punkt 7 Uhr war ich abholbereit und habe (mal wieder) eine halbe Stunde gewartet&#8230;dann ging es aber endlich los! Viel habe ich von der Stadt nicht gesehen, da ich die meiste Zeit in einem \u00fcberf\u00fcllten B\u00fcro verbracht habe, um meine Social Security Card zu beantragen. Ich wurde doch ernsthaft von der Dame am Schalter gefragt, ob ich aus West- oder Ostdeutschland komme! Ich glaube, ich habe die Dame leicht verwirrt angesehen. Danach war ich mit dem Nerven erstmal durch und hab den n\u00e4chstbesten Pizzaladen geentert. Danach ging es mir wieder ein bisschen besser und es ging weiter. N\u00e4chster Halt: gr\u00f6\u00dfter Schokoladenwasserfall der Welt. Leider konnte man die Schoki nicht kosten, was meine Stimmung etwas tr\u00fcbte aber daf\u00fcr gab es sehr feine Pralinen zu kaufen. Dann hie\u00df es leider schon wieder R\u00fcckfahrt antreten. Das Wetter hatte sich den ganzen Tag \u00fcber min\u00fctlich von Regen zu Wind, Sonne und Wolken ge\u00e4ndert aber auf der Heimfahrt genoss ich sch\u00f6nsten Sonnenschein und einen Regenbogen. Die Landschaft ist wirklich einmalig!<\/p>\n<p>Am Freitag ging es dann morgens zum Russian River Lake Trail. Ich durfte zwei Forscher, Christina und Ben, bei der Auswertung verschiedener Temperaturmessstationen begleiten und gleichzeitig Volunteerwork machen. Auf dem Weg zu unserer ersten &#8222;Cabin&#8220; (kleine selbstversorger H\u00fctte) erfuhr ich eine Menge \u00fcber Lachs und ihre Wanderung zur Laichstation. Nach 9h Fu\u00dfmarsch mit einem boniert schweren Rucksack (Essen f\u00fcr drei Tage, Campingausstattung, Schlafsack, Isomatte und Ersatzkleidung) kamen wir endlich an der Cabin an. Diese lag sehr idyllisch an einem Seeufer neben einem kleinen Bach. Ich &#8222;kochte&#8220; meine erste Campingmahlzeit &#8211; T\u00fctensuppe und Fertigreis &#8211; und genoss den herrlichen Blick und das gluckern des Bachs. Als die Sonne anfing unter zu gehen, wollte ich mir eigentlich mit Christina den Sonnenuntergang am See ansehen. Doch pl\u00f6tzlich raschelte etwas im Geb\u00fcsch und ich entdeckte zwei schwarze Ohren und eine Schnauze. Ein Grizzlyb\u00e4r. S\u00fc\u00df w\u00e4re der ja schon aber ganz geheuer war mir nicht. Somit machten wir einen heiden L\u00e4rm und bevorzugten es, in der Cabin zu bleiben. Als ich dann in der Dunkelheit meine Z\u00e4hne putze, wurde ich immerhin mit einem bezauberten Sternenhimmel entsch\u00e4digt. Am n\u00e4chsten Morgen ging es mit einem Ruderboot \u00fcber den See, um weitere Messtationen auszuwerten. Das Ufer und der Grund des Sees waren allerdings \u00fcberf\u00fcllt mir totem Lachs. Diese sterben n\u00e4mlich nachdem sie gelaicht haben. Was f\u00fcr ein Gestank! Himmel war das ekelhaft! Da konnte ich mich noch so gut auf den sch\u00f6nen Gletscher und das tolle Wetter konzentrieren, der Gestank in der Nase blieb. Nach 5h Bootsfahrt, Messtation auswerten und Fischgestank, war ich sehr froh endlich wieder im Wald zu sein. Kein Gestank, keine M\u00fccken, keine Fliegen. Herrlich. Nur das mit der Ruhe, das kann man sich in einem alaskanischen Wald abschminken. Da man nicht von einem B\u00e4r \u00fcberrascht werden m\u00f6chte, hei\u00dft es L\u00e4rm machen. Und zwar dauerhaft. Somit wanderten wir mit lauten &#8222;Djihuuu!&#8220; und &#8222;Heihoo!&#8220; Rufen durch den Wald zur n\u00e4chsten Cabin. Auf dem Weg entdeckte ich sehr viele Eichh\u00f6rnchen, Rebh\u00fchner und Blaubeeren. Jetzt wurde es stressig, gleichzeit wandern, laut sein, Beeren essen und nach B\u00e4ren ausschau halten. Abends gab es dann Pasta, welche mir komplett angebrannt ist &#8211; das mit dem Campingkocher habe ich echt noch nicht drauf &#8211; und ein gro\u00dfes Lagerfeuer. Sonntagmorgen wurde ich dann von lautem Regen geweckt und wir beschlossen, so lange im Bett \u00e4hm nein, ich meine auf der Isomatte zu bleiben, bis der Regen aufh\u00f6rt. Guter Plan. Gegen 11 Uhr hat es tats\u00e4chlich aufgeh\u00f6rt und nach einem gem\u00fctlichen Fr\u00fchst\u00fcck machte ich mich laut l\u00e4rmend auf den Weg zur\u00fcck. Es bleib trocken und es ging z\u00fcgig voran doch pl\u00f6tzlich kl\u00e4ffte mich etwas zu meiner Linken an. Sofort z\u00fcckte ich das B\u00e4renspray, wurde immer lauter und begann leicht hektisch um mich zu blicken. Nichts. Nur ein Ast, welcher nachgegeben hat. Ich musste laut lachen, obwohl mir der Schreck noch ziemlich in den Gliedern sa\u00df. Also packte ich das B\u00e4renspray wieder weg und ging laut &#8222;Juhuuu!&#8220; rufend weiter. Es war ein wunderbarer Trip in einer einmaligen Landschaft. Nach der hei\u00df ersehnten Dusche und einem hervorragendem Essen &#8211; meine Gasteltern waren Kanufahren und haben frische Muscheln gefunden &#8211; kippte ich hundem\u00fcde ins Bett. Ich hatte meinen ersten B\u00e4ren &#8211; zumindest einen Teil davon &#8211; gesehen und lebe noch, bin inzwischen f\u00e4hig den Campingkocher zu bedienen und habe den n\u00e4chsten Punkt meiner To-Do-Liste abgearbeitet. Russian River Lake Trail. Check!<\/p>\n<p><strong>12. September &#8211; 16. September<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe einen Job! N\u00e4chster Schritt der Integration erfolgreich geschafft. Nachdem ich letztes Wochenende eine Bewerbung online verschickt und nach einer Woche leider nichts geh\u00f6rt habe, bin ich einfach mal bei meiner zuk\u00fcnftigen-vielleicht-Arbeitsstelle vorbeigefahren. Die waren sehr \u00fcberrascht, dass ich das mit der Bewerbung ernst gemeint habe, ich sei ja aus Deutschland? Nachdem ich erkl\u00e4rt hatte, dass ich f\u00fcr ein Jahr hier bleibe und eine Arbeit brauche, wurde ich nach einem Schnuppertag mit offenen Armen empfangen. Jetzt bin ich also beruflich Trainerin der Wettkampfgruppe m\u00e4nnlich + weiblich im Ger\u00e4teturnen. An die Bezeichnung &#8222;Coach-Pia&#8220; muss ich mich zwar noch gew\u00f6hnen aber die Arbeit macht mir unheimlich viel Spa\u00df! Die erste Woche war eine gro\u00dfe Herausforderung, da ich mir den ganzen Fachwortschatz auf Englisch aneignen musste. Die Kids haben es aber mit Humor genommen und mit viel Pantomime hatten wir viel Spa\u00df beim Training. Dieses Wochenende geht es an das \u00dcbersetzten und Erlernen der hiesigen \u00dcbungen, welche sich von den deutschen Richtlinien sehr unterscheiden. Ich bin gespannt was mich n\u00e4chste Woche erwartet, da ich dann meine eigenen Gruppe zugeteilt bekomme. Ich freu mich auf die neue Herausforderung und auf die Zusammenarbeit mit den Kindern!<\/p>\n<p><strong>17.\/18. September<\/strong><\/p>\n<p>Seit heute fr\u00fch um 1 Uhr h\u00e4ngt ein Elch in unserer Garage. Heute morgen um 10 Uhr lag er bei mir gebraten auf dem Teller. Aber hier die ganze Geschichte:<\/p>\n<p>Mein Gastvater ist am Samstag zum Jagen gefahren, da wir Fleisch f\u00fcr den Winter brauchen. Klar gibt es Fleisch im Supermarkt zu kaufen aber das ist so schlechtes Fleisch, dass will hier irgendwie keiner essen. Also selbst ist der Mann! Ich blieb mit den Hunden daheim und hab auf das Haus aufgepasst. Nachdem ich zum ersten Mal &#8222;sturmfrei&#8220; habe &#8211; meine Gastmutter ist in Homer &#8211; habe ich erstmal eine fette Calorien-Party mit mir selbst gefeiert. Nix frische Pasta und Gem\u00fcse, Fastfood ist angesagt! Nach einem Burger und Pommes sowie einem immens gro\u00dfen Eisbecher war mir total schlecht und ich sa\u00df mit Kamillentee auf der Couch. Abends gab es dann doch frische Pasta mit Gem\u00fcse&#8230;Gegen 22 Uhr kam dann eine SMS von meiner Gastmutter, John hat einen Elch! Um 24 Uhr hat dann mein Handy geklingelt, John ist auf dem Weg nach Hause, mit Elch. Ich bin dann aber irgendwann eingeschlafen und als ich heute morgen aufgestanden bin, sa\u00df ein \u00fcbergl\u00fccklicher John am K\u00fcchentisch, strahlte mich an und meinte &#8222;Heute gibt es Elch zum Fr\u00fchst\u00fcck!&#8220;. Was?! Zum Fr\u00fchst\u00fcck?! Und tats\u00e4chlich, kurze Zeit sp\u00e4ter lag ein frisch gebratenes Steak mit Spiegelei auf meinem Teller. Mahlzeit. Das Fleisch war exzellent, obwohl es mich doch etwas \u00dcberwindung gekostet hat, morgens um halb 10 ein blutiges Steak zu essen. Es hat sich aber definitiv gelohnt. Elch schmeckt ein bisschen wie unser Wild, nur intensiver und naja besser halt. Der Gedanken, dass ein toter Elch bei uns in der Garage h\u00e4ngt, ist zwar etwas ungewohnt aber immerhin schmeckt er sehr gut, da kann er auch in der Garage wohnen. Leider hat es in der Familie meiner Gastmutter einen Todesfall gegeben, weshalb meine Hosts n\u00e4chste Woche nicht da sind. Sprich, wenn es dumm l\u00e4uft und sie bis zur Abfahrt nicht den Elch zerlegt haben, muss ich das wohl machen. Hoffentlich gibt es in Youtube ein Video, wie man einen Elch richtig zerlegt&#8230;<\/p>\n<p>Und kaum hatte ich obiges gepostet, kam mein Hostdad in mein Zimmer und fragte mich, ob ich einen Elch zerlegen will. Also rein in die Schmutzkleidung und ab in die Garage. Dort habe ich dann Elchf\u00fc\u00dfe abgeh\u00e4ngt, Fell abgetrennt, Fleisch gewaschen, Fleisch zerlegt, Fleisch gewolft, Fleisch gekocht, Fleisch eingefroren und Fleisch verpackt. Zum Abendessen gab es &#8211; na was wohl &#8211; Elch nat\u00fcrlich! Jetzt bin ich fix und fertig, denn heute haben wir gerade mal das Nackenfleisch des Elchs verarbeitet. Beine und Brustkorb sind weiterhin ges\u00e4ubert in der Garage zum abh\u00e4ngen. Es hat wirklich Spa\u00df gemacht und war ein tolles Erlebnis. Immerhin wei\u00df ich aber jetzt auch, dass Metzger nicht mein Traumberuf ist, ein Tag reicht da vollkommen.<\/p>\n<p><strong>19.Septmeber &#8211; 25.\u00a0 September<\/strong><\/p>\n<p>Endlich kehrt ein klein bisschen Alltag ein. Die Arbeit gef\u00e4llt mir immer besser, ab n\u00e4chster Woche bekomme ich meine eigene Gruppe. Ansonsten regnet es hier, wie ich es noch nie zuvor erlebt habe. Nachts ist es so laut, dass an Schlaf kaum zu denken ist. Wenn das so weiter geht, kann ich bald in dem Schlagloch auf dem Hof schwimmen gehen. Meine Gasteltern sind diese Woche nicht da, also muss ich mich um Haus und Hunde k\u00fcmmern. Bislang hat alles ganz gut geklappt aber froh bin ich schon, wenn die beiden wieder da sind. Allein sein ist und bleibt doof. Am Donnerstag bin ich zum ersten mal zum ESL Kurs gegangen. Da sitzen lauter &#8222;Zuagroaste&#8220; und lernen Englisch. Leider sind fast alle aus der Gruppe aus Russland bzw. der Ukraine, wahrscheinlich kann ich am Ende des Kurses besser russisch als englisch. Au\u00dferdem sind alle 53+ und ich mal wieder das Nesth\u00e4ckchen. Na toll. Immerhin gibt es Kuchen und Kekse.<\/p>\n<p>Liebe Leserinnen und Leser, falls mal Fragen oder Anregungen aufkommen, \u00fcber was ich schreiben soll, nur her damit! Ich freu mich \u00fcber jedes Feedback und vor allem \u00fcber Kommentare!<\/p>\n<p><strong>26. September &#8211; 01. Oktober<\/strong><\/p>\n<p>Schriftlicher Teil des F\u00fchrerscheins: Bestanden! Nach dem zweiten Versuch habe ich nun endlich &#8211; nach einer Menge Papierkram &#8211;\u00a0 den schriftlichen Teil des F\u00fchrerscheins. Mir fehlen zwar immer noch Dokumente und Bescheinigungen f\u00fcr den Road Test &#8211; denn ja, den muss ich auch machen, selbst wenn es fast ein bisschen makaber ist, schlie\u00dflich fahr ich schon auf der Stra\u00dfe rum &#8211; aber ich hoffe sehr, dass ich das n\u00e4chste Woche regeln kann. Am Samstag war ich auf einem Casting des \u00f6rtlichen Theaters, mal sehen ob ich eine Rolle bekomme, Spa\u00df hat es auf jeden Fall gemacht! Mehr kann ich von dieser Woche nicht berichten, meine Hosts sind wieder da, alles l\u00e4uft in geregelten Bahnen, ich genie\u00dfe gutes Essen &#8211; von der Zimtschnecke \u00fcber Elch bis Pancake und Brot und gebe mich dem Alltag ein bisschen hin. Drau\u00dfen wird es kalt, heute morgen musste ich zum ersten mal Eis kratzen, aber die Sonne scheint und ich kann den Blick auf die verschneiten Berge genie\u00dfen. Der Winter kommt mit gro\u00dfen Schritten, somit wurde dieses Wochenende alles winterfest gemacht, der Holzofen ist schon an und alle werden ein bisschen tr\u00e4ge.<\/p>\n<p><strong>02. Oktober<\/strong><\/p>\n<p>Als ich heute morgen ich die Kirche ging, hing ein gro\u00dfes Plakat im Eingangsbereich &#8222;Oktoberfest Dinner&#8220;. Ist ja wohl klar, dass ich da dabei sein muss! Also habe ich mich gleich angemeldet und zum helfen aufstellen lassen, ich bin ja schon sehr gespannt, was mich da erwartet! Inzwischen kann ich schon das ein oder andere bekannte Gesicht gr\u00fc\u00dfen und verstehe ein bisschen mehr von der Predigt.<\/p>\n<p>Kurz nach der Messe bekam ich zwei Anrufe von dem Theater. Ich wurde f\u00fcr zwei St\u00fccke eingeteilt! N\u00e4chste Herausforderung hei\u00dft somit: Theater auf Englisch spielen. Ich freu mich drauf und bin froh, schon ein bisschen &#8222;Theaterausbildung&#8220; mitbringen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>03. Oktober &#8211; 06. Oktober <\/strong><\/p>\n<p>Inzwischen hat sich einiges getan. Nachdem ich am Montag das Skript f\u00fcr die zwei St\u00fccke abholen wollte, wurde mir vom Theater er\u00f6ffnet, dass die Auff\u00fchrungen jeweils um Thanksgiving sind. Na toll. Genau da bin ich nicht da; meine Familie f\u00e4hrt mit mir nach McCarthy um dort gemeinsam mit Freunden ein gro\u00dfes Thanksgiving zu feiern. Ich war wirklich traurig die Rollen wieder abgeben zu m\u00fcssen, aber das kommt davon, wenn man immer \u00fcberall dabei sein will.<\/p>\n<p>Am Dienstag habe ich dann meinen Road Test f\u00fcr den F\u00fchrerschein gemacht &#8211; und bestanden! Jetzt habe ich also auch einen echten alaskanischen F\u00fchrerschein. W\u00e4hrend der Pr\u00fcfung hat mich der Pr\u00fcfer \u00fcber die politische Situation und die Fl\u00fcchtlingskrise in Deutschland\u00a0ausgefragt und wollte meinen Standpunkt zu Mexiko wissen. H\u00e4tte der sich nicht ein bisschen einfachere Themen aussuchen k\u00f6nnen?! Somit habe ich mich halb auf den Verkehr (und Regeln) konzentriert und gleichzeitig so einfach wie m\u00f6glich alles beschrieben. Mein Pr\u00fcfer hat mittendrin wohl vergessen, dass er in einer Pr\u00fcfung sitzt; Richtungsanweisungen kamen nur extrem kurzfristig oder er meinte: &#8222;Och, da h\u00e4tten wir Abbiegen m\u00fcssen, sorry&#8230;&#8220;. Aber Bestanden ist Bestanden. Und auf dem Foto f\u00fcr den F\u00fchrerschein darf man hier sogar lachen. Immerhin.<\/p>\n<p><strong>08. Oktober<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem ich von meiner Tante ein &#8222;Oktoberfest Survival Packet&#8220; bekommen habe, war klar, dass wir ein Oktoberfest feiern m\u00fcssen. Nachdem wir eh das ganze Wochenende einen Teil des Elchs in Bratw\u00fcrste verarbeitet haben, nutzen wir die Gelegenheit und feierten Oktoberfest am Abend. Frische Elch-Bratw\u00fcrste, Obazdn, selbstgemachte Brezn &#8211; die wirklich fast wie daheim geschmeckt haben -, Sauerkraut, Bratkartoffeln, Oktoberfest-Senf, Bier, Lebkuchenherz\u00a0und Blaubeerkuchen. Nat\u00fcrlich war alles, sogar der Senf, selber gemacht, nur das Lebkuchenherz, dass kam aus einem bayrischen Supermarkt. Ich lernte der Gesellschaft das Lied &#8222;Ein Prosit&#8220;, lie\u00df gute Musik laufen und wir hatten einen wirklich fantastischen Abend. Es war nicht so laut und voll wie auf dem Oktoberfest aber das bedauerte ich nicht wirklich. Die G\u00e4ste und meine Hosts waren sehr interessiert an den bayrischen Sitten und Gebr\u00e4uchen und alle lernten nat\u00fcrlich &#8222;Prost!&#8220; zu sagen. Wir hatten eine Menge Spa\u00df und bei mir kam ein bisschen Heimweh auf. Bei jeder Brezn musste ich Grinsen und alle am\u00fcsierten sich k\u00f6stlich dar\u00fcber.<\/p>\n<p>Jetzt m\u00f6chte ich noch die erste Frage beantworten. Die Wahlen sind in meiner Familie nur manchmal Thema. Da wir keinen Fernseher haben, werden auch keine Debatten angesehen. Am Tag nach der Debatte werden im Internet die besten Spr\u00fcche etc. nachgelesen und sich dar\u00fcber aufgeregt. Die Leute die ich bislang getroffen habe, sind gegen Trump. F\u00fcr Clinton ist zwar auch keiner so wirklich, aber &#8222;irgendwen m\u00fcssen wir ja w\u00e4hlen&#8220;. Ansonsten ist Politik kein Thema in der \u00d6ffentlichkeit. Ich habe hier noch keine Trump oder Clinton Schilder gesehen und auch sonst keine Events f\u00fcr Politik.<\/p>\n<p>Bez\u00fcglich der Supermarkt-Frage kann ich nur zustimmen, dass die Superm\u00e4rkte hier riesig sind. Einmal habe ich tats\u00e4chlich 2h gebraucht um W\u00fcrstchen zu finden. Diese gibt es n\u00e4mlich an drei verschiedenen Stellen in dem riesigen Geb\u00e4ude&#8230;da soll sich mal wer auskennen. Das System habe ich immer noch nicht verstanden aber immerhin finde ich jetzt alles schon etwas schneller. Die Amerikaner kaufen wirklich alles in \u00dcbergr\u00f6\u00dfe und in rauen Mengen. Milch? Nur im drei Liter Kanister. K\u00e4se? Nur 3kg auf einmal. Kekse? Nur in der Gro\u00dfpackung. Eier? Nur 36 St\u00fcck auf einmal. Ich habe noch nicht verstanden, wie die das alles gegessen bekommen. Schlie\u00dflich hat nicht jeder eine Gro\u00dffamilie. Wenn man Gl\u00fcck hat, findet man etwas in kleinen Packungen. Die sind aber dann gleich so klein, dass man mit einer gar nicht auskommt. Das Mittelma\u00df hat hier noch keinen Einzug gefunden. Meine Hosts sind da wohl wirklich l\u00f6bliche Ausnahme. Klar steht bei uns auch ein 3 Liter Kanister Milch im K\u00fchlschrank aber immerhin nur einer und nicht zwei. Bei dem Rest der gekauft wird, was sich ziemlich auf K\u00e4se, Joghurt, Tee und Kaffee beschr\u00e4nkt, wird sehr auf den Preis und auf die Gr\u00f6\u00dfe geachtet. Hier gilt eher die Devise, lieber weniger und alles aufessen, als viel und nach der H\u00e4lfte wegschmei\u00dfen m\u00fcssen, weil schlecht geworden. Fertiggericht sind nat\u00fcrlich hoch im Kurs, es gibt so gut wie alles schon fertig. \u00c4pfel? Schon gesch\u00e4lt und gespalten. Karotten? Schon gesch\u00e4lt und nat\u00fcrlich nur in Mini-Variante, damit man nix schneiden muss. Von den anderen Fertiggerichten wie Lasagne, Pancake, etc. will ich gar nicht reden. Ich hoffe es versteht sich, dass auch die Fertiggericht nur in der Gro\u00dfpackung erh\u00e4ltlich ist. Obst und Gem\u00fcse ist hier sehr teuer, da man fast nichts in gro\u00dfen Mengen\u00a0anbauen kann und somit alles mit dem Schiff kommen muss. Das ist auch der Grund, warum meine Hosts einen Garten haben und so gut es geht alles in der kurzen Sommerzeit selber anbauen und dann einfrieren oder einmachen. Obst wird \u00fcberhaupt nicht gekauft, viel zu teuer. Daher kauf ich mir \u00c4pfel und Bananen immer selber und auch nur wenn sie irgendwo im &#8222;Sale&#8220; sind. Ansonsten kommt locker mal eine Rechnung von 20$ f\u00fcr ein paar \u00c4pfle und Bananen zu Stande.<\/p>\n<p><strong>10. Oktober &#8211; 16. Oktober<\/strong><\/p>\n<p>Die Woche verlief sehr beschaulich. Alles wie immer. Im Drawing Kurs sind wir inzwischen bei &#8222;Draperie&#8220; angekommen, Flaschen und Rectangles ad\u00e9! Im Writing Kurs habe ich ein Essay \u00fcber &#8222;Celebrating the Oktoberfest in Alaska&#8220; geschrieben, dass kam &#8211; besonders der Teil mit dem Essen und Bier &#8211; sehr gut an. Am Donnerstag hatte ich zum ersten Mal eine neue Gruppe in der Arbeit. Kids zwischen 5 und 12, alle in der gleichen Klasse &#8211; das Schulsystem habe ich immer noch nicht kapiert. Die Arbeit mit denen machte mir sehr viel Spa\u00df, brachte mich aber auch zum Nachdenken. Keiner der Kinder schaffte es, l\u00e4nger als 2 Sekunden auf einem Bein zu stehen. Ist das nicht traurig? Ist unsere Gesellschaft mit all den Videospielen, Handys, Konsolen und Fernsehger\u00e4ten schon so weit gekommen, dass die Grobmotorik &#8211; von der Feinmotorik m\u00f6chte ich hier gar nicht reden &#8211; der Kinder schon zu leiden hat? Ist es den Eltern nicht mehr wichtig, die Kinder zu f\u00f6rdern? Werden die Kinder aus Bequemlichkeit vor den Ger\u00e4ten abgesetzt?\u00a0Keine kreative und sportliche F\u00f6rderung au\u00dferhalb der Schule? Ich freue mich auf die n\u00e4chsten Stunden mit den Kids und hoffe sehr, dass ich zumindest ein bisschen den Spa\u00df an Bewegung weitergeben kann.<\/p>\n<p>Am Samstag ging\u00a0ich\u00a0auf das Oktoberfest Dinner der Kirche. Ich lie\u00df mich zum helfen aufstellen, anzutreten ist um 3pm. Da stand ich dann auch, p\u00fcnktlich und mit mir selbst. Eine Stunde sp\u00e4ter kamen dann die anderen. Tja, deutsche P\u00fcnktlichkeit sollte ich mir endlich abgew\u00f6hnen. Dann wurden Bratw\u00fcrste gegrillt, Sauerkraut erhitzt und Kuchen geschnitten. Dann bekamen sie mit, dass ich aus Bayern bin, also quasi alles \u00fcber das Oktoberfest wissen m\u00fcsste. Somit baten sie mich, Kaiserschmarren zu machen. Auf Nachfrage meinerseits, f\u00fcr wie viele Leute, hie\u00df es 200. Wie soll ich denn bitte aus 16 Eiern Kaiserschmarren f\u00fcr 200 Leute machen?! Also habe ich alles mit sehr viel Mehl und Milch gestreckt. Nach der Abendmesse stand ich also in der kirchlichen Gro\u00dfk\u00fcche und backte f\u00fcr 200 Leute Kaiserschmarren aus. Der kam prima an und es blieb nix \u00fcbrig, ich war fix und alle und habe von dem ganzen Essen nichts, aber rein gar nichts mitbekommen. Irgendwann fand ich eine \u00fcbrig gebliebene amerikanische Rohrnudel (Hefeteig-Klotz halt) und ein bisschen Marmelade. Um halb 10 fuhr ich dann nach dem gro\u00dfen Aufr\u00e4umen wieder nach Hause. Somit Happy Oktoberfest. Daran hat mich zwar, bis auf das Essen, nichts erinnert aber ich glaube, sobald ein Amerikaner Bratw\u00fcrste mit Sauerkraut isst, feiert er automatisch Oktoberfest. Soviel zum interkulturellen Austausch.<\/p>\n<p>Die Tage werden \u00fcbrigens immer k\u00fcrzer, um 20 Uhr ist es zappenduster und vor 8 Uhr morgens l\u00e4sst sich die Sonne auch nicht blicken. Leider habe ich immer noch keine Polarlichter gesehen, hoffe aber sehr, dass sich das bald \u00e4ndert.<\/p>\n<p><strong>17. Oktober 2016<\/strong><\/p>\n<p>Es liegt Schnee!!!!!!!<\/p>\n<p>Zwar nicht genug f\u00fcr die gro\u00dfe Schneeballschlacht aber alles ist sch\u00f6n wei\u00df angezuckert. Ich grinse wie ein Honigkuchenpferd vor mich hin und war nat\u00fcrlich schon drau\u00dfen, um festzustellen wie der Schnee so ist. Meine Forschung brachte folgendes hervor: Schnee in Alaska ist genauso kalt und wei\u00df wie Schnee in Bayern!<\/p>\n<p><strong>21. Oktober <\/strong><\/p>\n<p>Es liegt schon wieder Schnee!!!<\/p>\n<p>Nachdem die wei\u00dfe Pracht vom Montag schnell getaut ist, kam \u00fcber Nacht endlich wieder wei\u00dfes Zeug vom Himmel. Gut ok, es schmilzt schon wieder alles, da wir strahlenden Sonnenschein haben, aber immerhin.\u00a0 Sobald gen\u00fcgend Schnee liegt kann man hier so gut wie alles an Wintersport machen. Eislaufen (war ich schon &#8211; macht mega Spa\u00df!), Langlaufen, Schneeschuhwandern; f\u00fcr Alpinski und Tourenski muss man zwar bis nach Anchorage fahren aber dort erwartet einem das gr\u00f6\u00dfte Skigebiet Alaskas.<\/p>\n<p>In der Arbeit viel ein Coach aus, somit musste ich drei Gruppen gleichzeitig halten, manchmal ist es auch hier &#8222;zum zerrei\u00dfen&#8220;. Mir macht es aber immer noch sehr viel Spa\u00df und ich freue mich jeden Tag aufs neue, mit den Kids zu arbeiten. Eines habe ich aber schon herausgefunden, was mir sehr imponiert. Es wird &#8222;Danke&#8220; gesagt. So komisch sich das jetzt anh\u00f6ren mag, aber hier ist es nicht selbstverst\u00e4ndlich, dass man immer 1000% gibt. Auch wenn es manchmal nur eine Kleinigkeit ist, z. B. eine halbe Stunde l\u00e4nger bleiben, man h\u00f6rt ein &#8222;Danke&#8220;. Es ist ein so wunderbares Gef\u00fchl, ein Danke zu h\u00f6ren! Bleibt man nicht viel lieber etwas l\u00e4nger, \u00fcbernimmt mehr Arbeit und zeigt mehr Einsatz, wenn das gesehen und anerkannt \u00a0wird und sich jemand daf\u00fcr bedankt?<\/p>\n<p>Vielleicht k\u00f6nnen sich ein paar LeserInnen noch an den ESL-Kurs erinnern, den ich vor einiger Zeit mal erw\u00e4hnt habe. F\u00fcr alle die nicht aufgepasst haben, ESL steht f\u00fcr &#8222;English as a second language&#8220;; sprich alle &#8222;Ausl\u00e4nder&#8220; lernen dort besser Englisch. Auch ich sitze in dieser Klasse. Leider bin ich die einzige Deutsche, der Rest kommt aus Russland oder der Ukraine. Somit wird zu 90% russisch gesprochen und ich sitz daneben und versteh nix. Der Versuch, sich mit den anderen Sch\u00fclern (alle weit \u00fcber 40 &#8211; ich bin mal wieder die Nesthake) zu unterhalten, scheitert meist kl\u00e4glich an deren Englischkenntnissen. Das brachte mich zum gr\u00fcbeln. Es erinnerte mich ein bisschen an die momentane Fl\u00fcchtlingssituation in Deutschland. Ist es da nicht \u00e4hnlich? Alle aus einem Land sitzen zusammen und reden in ihrer Sprache und wir Deutschen stehen daneben, wollen alle integrieren und verstehen sie aber nicht. Das kann ja nicht funktionieren. Wie soll man auch jemandem gro\u00df helfen, wenn er die Sprache nicht kann? Ich erfahre es momentan ja am eigenen Leib, wie es ist &#8222;Ausl\u00e4nder&#8220; zu sein. Wenn ich nicht immer versuchen w\u00fcrde, alles was angeboten ist mitzumachen, ich w\u00fcrde die Sprache noch nicht so gut k\u00f6nnen, h\u00e4tte keine Bekanntschaften geschlossen und w\u00fcrde wohl den ganzen Tag alleine im Haus sitzen. Klar, ist es manchmal verdammt schwer immer aufgeschlossen zu sein und sich immer was Neues zuzutrauen, aber ohne dem klappt es nicht. Nat\u00fcrlich kann ich in keinster wei\u00dfe die Situation der Fl\u00fcchtlinge mit meiner Situation vergleichen, immerhin bin ich freiwillig hier und habe meine Familie nicht verloren und es herrscht auch &#8211; Gott sei Dank &#8211; kein Krieg. Das einzige was ich hier versuche zu sagen, ist, dass es in Deutschland schon so viele Angebote f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge gibt, vom Deutschunterricht zu sportlichen Aktivit\u00e4ten und Berufsbildungsf\u00f6rderungen, aber wenn man es nicht nutzt, was angeboten wird, dann bringt das alles nichts. Ich m\u00f6chte hiermit an Fl\u00fcchtlinge appellieren, die Sprache zu lernen und raus zu gehen, offen zu sein und die gegebenen M\u00f6glichkeiten zu ergreifen. So schwer die Situation auch sein mag, durch zu Hause sitzen und nichts tun wird es nicht besser. Ganz im Gegenteil. Keiner erwartet, dass jeder Fl\u00fcchtling die Sprache perfekt beherrscht, aber versucht man es nicht gleich viel lieber, sich mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen zu verst\u00e4ndigen, wenn man sieht, dass der Gegen\u00fcber zumindest versucht das ein oder andere deutsche Wort zu verwenden? Auch m\u00f6chte ich an all diejenigen mein Wort richten, die das Leben der Fl\u00fcchtlinge und auch das Leben der anderen\u00a0 Mitb\u00fcrger durch rechtsradikale und ausl\u00e4nderfeindliche Aktionen und Aussagen schwer machen. Rei\u00dft euch mal zusammen! Versetzt euch doch mal in die Lage der Fl\u00fcchtlinge; kein Zuhause mehr, vielleicht wichtige Menschen verloren, den Krieg erlebt, Menschen sterben und leiden gesehen, eine gef\u00e4hrliche \u00dcberfahrt \u00fcber das Meer gewagt und dann kommt man in ein Land, in dem man die Sprache, die Traditionen und die Kultur nicht versteht und durch wen wird man empfangen? Durch einen grausigen Mob, der mit Steinen schmei\u00dft, Beleidigungen schreit und aggressiv ist. Sehr gastfreundlich! Da hat man all das erlebt, m\u00f6chte einfach nur in Sicherheit sein, ohne Krieg, ohne Gewalt und dann DAS. Ich sch\u00e4me mich f\u00fcr diese Leute, die die Gastfreundschaft Deutschlands in den Dreck ziehen, Menschen ver\u00e4ngstigen und tausende Polizisten und Beamte auf Trab halten.\u00a0\u00a0Die Fl\u00fcchtlinge sind jetzt schon da, also helft lieber, als \u00c4rger zu machen oder haltet euch einfach geschlossen! Wenn alle an einem Strang ziehen w\u00fcrden und man sich nicht dauernd mit Randalierern besch\u00e4ftigen m\u00fcsste, h\u00e4tte man schon einige Probleme gel\u00f6st! Die Situation ist schwierig, weil sie neu ist. H\u00e4tten wir das vorher in dieser Menge schon einmal erlebt, w\u00e4ren wir besser darauf vorbereitet gewesen. Haben wir aber nicht.\u00a0 Seid doch endlich einfach nur\u00a0freundlich. An dieser Stelle m\u00f6chte ich mich aber auch einfach mal bei all denjenigen bedanken, die seit Monaten helfen. Diese Personen verdienen meinen h\u00f6chsten Respekt, die neben ihrem eigenen Leben auch noch das Leben der Fl\u00fcchtlinge managen. Hut ab f\u00fcr alle Freiwilligen, die Essen und Kleidung verteilen, bis sp\u00e4t in die Nacht arbeiten und trotzdem freundlich und hilfsbereit bleiben. Hut ab, an alle Polizisten und Sicherheitsbeamte, die sich mit so viel Mut und Einsatz f\u00fcr unsere Sicherheit einsetzen und daf\u00fcr ihre eigenen Familien weniger sehen. Hut ab, an alle, die einem Fl\u00fcchtling ein L\u00e4cheln schenken und h\u00f6flich sind.<\/p>\n<p><strong>21. Oktober\u00a0 &#8211; 31.<\/strong> <strong>Oktober<\/strong><\/p>\n<p>Viel hat sich nicht zugetragen, Schnee kam und ging, es blieb kalt, die Tage werden dunkler. Inzwischen ist es vor halb 10 Uhr morgens nicht hell und um sp\u00e4testens 18 Uhr wieder stockfinster. Die erste gro\u00dfe Grippewelle zieht durchs Lande und da habe ich nat\u00fcrlich auch brav mitgemacht. Somit habe ich das ganze Wochenende verschlafen. Verpasst hab ich nix.<\/p>\n<p>Heute, am 31. Oktober, war alles anders. Kaum im College angekommen, kamen mir die Leute bunt verkleidet &#8211; von H\u00e4schen bis zum Gruselmonster war alles dabei &#8211;\u00a0entgegen. Ach ja, es ist ja Halloween. Da meine Gasteltern kein Halloween feiern, habe ich das total vergessen. Es gab an jeder Ecke S\u00fc\u00dfkram und alles war dekoriert mit Skeletten, Spinnen und K\u00fcrbissen. Sogar in der Arbeit liefen die Kinder mit bunten Haaren und geschminkten Gesichtern rum und nat\u00fcrlich, einem Halloween-Anzug. Ein Skelett im Spagat sitzend, Superman am Trampolin und eine Hexe mit roten Haaren stand am Stufenbarren. Training mal anders. Danach gab es wieder S\u00fc\u00dfes und alle gingen fr\u00fcher nach Hause zum feiern.<\/p>\n<p><strong>04. November &#8211; 5. November<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Wochenende verbrachte ich in Homer. Die Stadt liegt 1,5 h s\u00fcdlich von uns am Ende der Kenai Peninsula und wird auch die &#8222;Kunststadt Alaskas&#8220; genannt. Sobald man \u00fcber die letzte Bergkuppe f\u00e4hrt, erstreckt sich die Stadt vor einem, umringt vom Meer und eingez\u00e4unt von majest\u00e4tischen Bergen mit Gletschern. Es war ein gigantischer Anblick! In der Stadt erwarteten mich kleine Kunstgalerien und eine sehr leckere B\u00e4ckerei direkt am Strand. Ich traf mich mit einem Bekannten und wir schlenderten durch die Kunstwelt und nach einem ungesunden, leckeren Abendessen spielten wir mit einer Gruppe &#8222;Broomball&#8220;; dass ist wie Hockey, nur mit normalen Schuhen. Dementsprechend oft f\u00e4llt man auf dem Eis auf die Nase, es macht sehr viel Spa\u00df und ist ordentlich Arbeit f\u00fcr die F\u00fc\u00dfe. Am n\u00e4chsten Tag schneite es, dann regnete es, dann hagelte es, dann schien die Sonne, dann kam Regen, dann Schnee und wieder Sonne. Mittendrin erstreckte sich ein Regenbogen \u00fcber das Meer und die Gletscher, gibt es Sch\u00f6neres? Ich spazierte Stunden an dem Strand entlang und konnte mich gar nicht satt sehen von den magischen Gletschern. Wei\u00dfkopfseeadler schwebten \u00fcber mir und ein Seeotter spielte im Wasser. Ich war wie verzaubert und konnte mich nicht vom Strand l\u00f6sen. Dieser kleine Ort hat es mir wirklich angetan, Kunst, Berge, Gletscher, Meer, Adler und gutes Essen. Was will man mehr?<\/p>\n<p><strong>11. November &#8211; 13. November<\/strong><\/p>\n<p>Nach einer turbulenten Woche wurden wir zum Essen eingeladen. Es gab Shrimps, Heilbutt und Hummer. Was f\u00fcr ein Festmahl! Am Anfang hat es zwar ein bisschen gedauert, bis ich den Dreh raushatte wie ich den Hummer am besten zerlege aber die Arbeit hat sich gelohnt! Das Fleisch schmeckt fantastisch und nach 3h schlemmen viel ich hundem\u00fcde in mein Bett. Am n\u00e4chsten Tag ging es mit einem Bekannten auf nach Anchorage. Dort gingen wir gemeinsam Essen und abends ging es in die Philharmonie. Zum 100j\u00e4hrgien Geburtstag des Nationalparkservices gab es ein Konzert mit Bildern aus dem Grand Canyon und den Nationalparks in Alaska. Es waren fantastische Bilder und die Musik war unbeschreiblich. Es begann mit der &#8222;Grand Canyon Suite&#8220; von Grof\u00e9; ein fabelhaftes St\u00fcck welches von &#8222;Glacier Bay&#8220; von S. Lias gefolgt wurde. Dieses St\u00fcck wurde extra zu diesem Ereignis komponiert. Dazu begab sich der Komponist zwei Wochen in einen Nationalpark und versuchte die Stimmung wiederzugeben. Das St\u00fcck war grandios! Abschlie\u00dfend erklang &#8222;Eine Alpensinfonie&#8220; von R. Strauss. Es war ein vollster Genuss f\u00fcr die Ohren und die Bilder waren sehr gut zu den St\u00fccken gew\u00e4hlt. Am n\u00e4chsten Tag ging es nach einer kurzen Shoppingtour wieder nach Hause. Es war ein wundervolles Wochenende und es tat gut, endlich mal wieder Musik zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p><strong>14.November &#8211; 20. November<\/strong><\/p>\n<p>Nach einer ruhigen Woche, gepr\u00e4gt von zeichnen, schreiben und arbeiten, ging ich am Wochenende zweimal sehr lange am Strand in Kenai spazieren. Zum ersten Mal habe ich gefrorenen Sand, Schnee, Eiszapfen, Meer und Berge auf einmal gesehen. Als Kr\u00f6nung entdeckte ich wieder zwei Wei\u00dfkopfseeadler, welche geb\u00fchrend auf einer Baumkrone sitzend, die Welt von oben herab betrachteten. Manchmal komm ich mir vor wie im Winterwunderland. Auch \u00fcber die Stra\u00dfen kann ich mich nicht genug wundern. Salz wird hier nur (und auch sehr sehr wenig) auf der Hauptstra\u00dfe gestreut, sobald man abbiegt, wird das Fahren zum Erlebnis. Wer hatte denn bitte diese grandiose Idee, auf eine vereiste Stra\u00dfe Sand zu streuen? Was auch immer der Zweck sein mag, es geht ab wie Schmierseife. Insofern wird hier einfach nicht mehr gebremst, Vorfahrt hat der, der als erster in die Kreuzung schliddert. Meinen Bronco habe ich zwar schon im 4&#215;4 aber auf neue Reifen werde ich wohl nicht verzichten k\u00f6nnen&#8230; \ud83d\ude41 Das Wetter ist so kalt geworden, dass ich die Innenseite meiner Windschutzscheibe von Eis befreien darf und ich ohne Handschuhe nicht einmal das Auto aufsperren kann. Was ich aber sehr sch\u00e4tze, keiner beschwert sich dar\u00fcber, alle hoffen auf noch mehr Schnee. \ud83d\ude42 Ich habe mich f\u00fcr mehr Schnee und K\u00e4lte schon bestens vorbereitet, dicke Pullis und viel Winterspeck. Anfangs habe ich alles auf den Trockner geschoben, alle Hosen gehen irgendwie ein&#8230; Nur leider passen mir nun die Hosen, welche ich nicht im Trockner hatte, auch nicht mehr. Finde den Fehler. Nun ja, es schmeckt hier halt alles sehr gut und ich m\u00f6chte immer \u00fcberall kosten und probieren, schlie\u00dflich bin ich nur einmal so lange in Amerika. Zur\u00fcck in Deutschland hei\u00dft es dann wohl erstmal viel Sport machen und weniger Brownies mit Schokoso\u00dfe, Eis mit Karamel, Cupcakes mit Sahne und frittiertes Zeug essen. Schade.<\/p>\n<p>Am Samstag Abend besuchte ich nochmal ein klassisches Konzert hier in der Stadt und schwelgte in Cello- und Klaviermusik von Beethoven, Franck und vielen mehr. Die Vorbereitungen f\u00fcr Thanksgiving laufen auf Hochtouren, ich darf mit meiner Gastfamilie zu Freunden in McCarthy fahren. Ich freu mich schon sehr drauf und bin irgendwie ein bisschen froh, dass ich dem omin\u00f6sen &#8222;Black Friday&#8220; entkomme. Denn schon jetzt spielen alle Einkaufsm\u00e4rkte verr\u00fcckt, alles wird f\u00fcr den Super-Sonder-Mega-Sale vorbereitet. Nur eins Frage ich mich da schon, wer will denn bitte 100 Paar Socken f\u00fcr 20$? Das mag ja g\u00fcnstig sein aber was will ich denn mit 100 Paar Socken auf einmal? Vielleicht ist das aber das Special Angebot f\u00fcr Santa Claus. Wer wei\u00df.<\/p>\n<p><strong>23. November &#8211; 27. November<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber Thanksgiving durfte ich mit meinen Gasteltern eine kleine Reise ans andere Ende Alaskas machen. Wir besuchten Freunde in McCarthy, ein winziger Ort im Wrangell St. Elias National Park &#8211; der gr\u00f6\u00dfte Nordamerikas und von Soldotna \u00f6stlich gelegen. Am Mittwoch stiegen wir in das Auto und fuhren bis nach Glennallen, dort \u00fcbernachteten wir und fuhren am n\u00e4chsten Tag den Rest, bis zu einer Br\u00fccke vor der Stadt. Dort hie\u00df es alles ausladen, auf ein W\u00e4gelchen laden, \u00fcber die Br\u00fccke schieben und dort in den Jeep des Bekannten einladen. Mit dem Auto kann man da n\u00e4mlich nicht r\u00fcber. Bei minus 30 Grad Celsius war das Aus- und Umladen gar nicht so ungef\u00e4hrlich, \u00fcberall musste man aufpassen, dass man nicht festfriert. Nach einer holprigen Fahrt \u00fcber einen Waldweg mit sehr vielen Schlagl\u00f6chern, erreichten wir am fr\u00fchen Nachmittag die H\u00fctte. Mitten im Wald, kein flie\u00dfend Wasser, Outhouse ohne W\u00e4nde, daf\u00fcr 360 Grad Panoramablick auf verschneite Berge und zugefrorene Fl\u00fcsse. Somit genoss ich erstmal mein erstes Thanksgiving-Essen. Ente, Elch, frische Cranberryso\u00dfe, Kartoffelp\u00fcree, Gem\u00fcse und nat\u00fcrlich viel Kuchen. Warum es keinen Truthahn gab? Ganz einfach, der Ofen ist zu klein, hatte ja gerade mal die Ente platz. Irgendwann muss man aber halt dann einfach mal an einen speziellen Ort. Bei minus 20 Grad Celsius \u00fcberlegt man sich das dreimal, immerhin ist das stille \u00d6rtchen ja drau\u00dfen&#8230;wusstet ihr, dass Toilettenpapier einfrieren kann? Am n\u00e4chsten Tag ging es nach dem Fr\u00fchst\u00fcck zu dem Rock Glacier, das ist ein Gletscher, auf dem Steine liegen und der hier war ganz besonders, da es sich um den breitesten seiner Art handelt. Also nix wie rauf auf den Gletscher. Auch das kann bei der K\u00e4lte zur Herausforderung werden. Zwei Paar Socken, dicke Winterstiefel, Skiunterhose, Skihose, Unterhemd, Thermohemd, Langarmshirt, Fleecjacke, \u00e4rmellose Jacke, Schal, noch ein Schal, M\u00fctze, Kapuze, d\u00fcnne Handschuhe, F\u00e4ustlinge. Ich sah aus wie das Michellinm\u00e4nnchen h\u00f6chstpers\u00f6nlich. Das Atmen geht bei der Temperatur nur langsam, nach drei Atemz\u00fcgen ist die Nase zugefroren, durch den Mund atmen geht aber aufgrund der vielen Schals auch eher bedingt. Wimpern sind mir eingefroren, H\u00e4nde auch und meine Zehen, ja die habe ich schon lang nicht mehr gesp\u00fcrt. Es lag kein Schnee, daf\u00fcr drei Zentimeter Frost und es haben sich gigantische Kristalle gebildet! Mit rot gefrorenen Backen war das L\u00e4cheln etwas anstrengend aber ich\u00a0war so fasziniert von dem Ausblick, den Kristallen, dem Gletscher und ach, es war einfach herrlich! Daf\u00fcr friere ich\u00a0doch gerne! Zur\u00fcck in der H\u00fctte wurde mir beim ausziehen der ganzen Schichten wieder etwas w\u00e4rmer,\u00a0\u00a0sp\u00e4testens aber als ich mit warmen Apfelstrudel vor dem Kamin sa\u00df, machten sich auch meine Zehen wieder bemerkbar, die hatte ich ja fast vergessen! Tags drauf ging es hinab zum Fluss, es offenbarte sich mir ein wundervolles Schauspiel aus Licht und deren Reflexion im dem zugefrorenen Gew\u00e4sser. Das Bergpanorama fesselte mich und nur schwer konnte ich mich auf den Weg konzentrieren, es gab ja so viel zu bestaunen! Gut, zweimal \u00fcbersah ich daher den Fluss und brach ein, aber egal, Gummistiefel sind halt einfach goldwert. Auf der R\u00fcckfahrt am n\u00e4chsten Tag\u00a0durfte ich das Alpengl\u00fchen erleben, sah noch zwei Gletscher und konnte mich gar nicht satt sehen an der\u00a0fantastischen Natur. Flie\u00dfendes Wasser sch\u00e4tze ich nun umso mehr, genauso wie eine Toilette im Haus. Es war ein erlebnisreicher, etwas k\u00fchler Trip, den ich so schnell nicht vergessen werde.<\/p>\n<p><strong>28. November\u00a0 -05. Dezember<\/strong><\/p>\n<p>Die Weihnachtszeit beginnt. Drau\u00dfen liegt Schnee und es hat durchschnittlich minus 20 Grad Celsius. Mein armer alter Bronco ist daraufhin eingefroren und jetzt ist die Kupplung im Eimer. Somit schenke ich mir zum Geburtstag eine neue Kupplung&#8230;toll&#8230;.Immerhin sieht es im Haus schon sehr weihnachtlich aus. Mein Gastvater hat aus dem Garten einen kleinen Tannenbaum geschlagen, der ist zwar ein bisschen d\u00fcnn und klapprig aber mit viel Kugeln und Lichterketten sieht er eigentlich ganz nett aus. Da meine tolle Familie mir und meinen Gasteltern Adventskalender geschickt hat, bin ich morgens ganz sch\u00f6n im Stress, 5 Kalender \u00f6ffnen, die ganze Schoki aufessen und dann Fr\u00fchst\u00fccken; ich wunder mich ja nicht mehr, wo mein ganzer Winterspeck herkommt. Am Wochenende habe ich dann gro\u00df Pl\u00e4tzchen gebacken, dass war gar nicht so einfach. Da wir keine Wage haben, musste ich alles nach Augenma\u00df machen\u00a0aber alle Zutaten einkaufen, dass war schon noch eine ganz andere Herausforderung. Ich h\u00e4tte Nougat gebraucht, nicht f\u00fcr AUF das Pl\u00e4tzchen sondern f\u00fcr IN das Pl\u00e4tzchen. Den ganzen Supermarkt habe ich abgesucht aber nix gefunden. Also habe ich eine nette Dame gefragt, welche mir aber auch nicht wirklich helfen konnte. Nougat zum backen? Nein, das gibt es hier nicht. Dann kam der werten Frau aber eine ganz tolle Idee. Sie f\u00fchrte mich zum Schokoladenregal und dr\u00fcckte mir ein Snickers in die Hand. &#8222;Das k\u00f6nnen Sie im Wasserbad schmelzen, da ist auch Nougat drin!&#8220;, teilte sie mir ganz begeistert von ihrer eigenen Idee mit. Ich hab wohl geguckt wie ein Auto, bedankte mich ganz h\u00f6flich, legte das Snickers zur\u00fcck und fl\u00fcchtet aus dem Laden. Was soll ich denn bitte mit dem ganzen anderen Mist, der in dem Snickers ist?! Erst die N\u00fcsse und das Karamell rauspulen oder wie? Naja, ich hab dann Nutella gekauft, hat auch geklappt&#8230;Die Pl\u00e4tzchen sind mir schlussendlich ganz gut gelungen und meinen Gasteltern schmecken sie auch sehr gut. Da ich in einem Supermarkt deutschen Lebkuchen, Spekulatius und Weihnachtsschokolade gefunden habe, kann Weihnachten jetzt kommen. Ich habe kurzerhand das ganze Regal gekauft &#8211; gut, wir gehen jetzt unter in Lebkuchen aber es gibt ja schlimmeres &#8211; und in der K\u00fcche aufgebaut. Pl\u00e4tzchen, Lebkuchen, Spekulatius, Christbaum, Schnee und von Mama kam mit der Post ein Adventskranz. Ich bin ger\u00fcstet!<\/p>\n<p><strong>13. Dezember 2016<\/strong><\/p>\n<p>Vor diesem Tag hatte ich schon ein bisschen Bauchgrummeln, zum ersten Mal ohne Familie und Freunde Geburtstag feiern? In einem fremden Land mit anderen Traditionen? Ich sah mich schon den ganzen Tag alleine im Haus sitzen und Tr\u00fcbsal blasen. Aber wie hei\u00dft es so sch\u00f6n, erstens kommt es anders und zweitens als man denkt; oder wie meine Gro\u00dfeltern in K\u00f6ln zu sagen pflegen &#8222;Et k\u00fctt wie et k\u00fctt ova h\u00e4tt noch immer joot jejange&#8220;. So war es dann auch. Aufgrund der Zeitverschiebung hatte ich am Samstag Abend in Deutschland schon Geburtstag, hier war ich aber noch 19. Das war schon komisch. Insofern erreichten mich die ersten Gl\u00fcckw\u00fcnsche schon am 12. Dezember und in der Nacht stand mein Handy nicht still. Am Morgen weckten mich meine Gasteltern und sangen ein Geburtstagsst\u00e4ndchen f\u00fcr mich. Auf dem K\u00fcchentisch stand eine riesige Geburtstagstorte mit 11 Kerzen. 20 hatten einfach keinen Platz. Nach einem St\u00fcck Torte war mir schlecht, es war quasi nur Buttercreme mit einem Hauch an Mehl, damit es zusammenh\u00e4lt und morgens um 9 Uhr ist das eine ganz sch\u00f6ne Herausforderung. Allerdings schmeckte diese Torte himmlisch! Meine Gasteltern haben sich ganz sch\u00f6n ins Zeug gelegt und die ganze Nacht gebacken, 6 Schichten und Unmengen Creme, fertig ist der &#8222;Yellow Cake&#8220;.\u00a0Selbstverst\u00e4ndlich bestand mein Mittagessen ebenfalls aus Torte, schlecht war mir ja eh schon. Den Vormittag verbrachte ich dann mit viel skypen, telefonieren und WhatsApp Nachrichten tippen. Nebenher sang Stevie Wonder in Dauerschleife &#8222;Happy Birthday&#8220;. Nachmittags wurde ich von meiner College Coordinatorin zum Kuchenessen abgeholt. Sie hatte eine gigantische Schokotorte gebacken und nach einem sehr schmalen Streifen war mein Magen ordentlich beleidigt. Liebe Leserinnen und Leser, schmelzen Sie doch mal eine Zartbitterschokoladentafel, streuen oben dr\u00fcber f\u00fcnf Essl\u00f6ffel Puderzucker und ein klein bisschen Mehl und mischen es mit 500g Margarine\u00a0und essen Sie alles auf! Wie, Ihnen ist jetzt schlecht?\u00a0Willkommen im\u00a0Club. Kurz darauf rief mich die Werkstatt an, mein Auto ist (endlich) fertig. So sehr ich meinen Bronco auch vermisst habe, eine 1600$ teure Kupplung zum Geburtstag zog schon ein wenig in dem eh schon \u00fcberf\u00fcllten Magen.\u00a0Nach den zwei Torten und vielen Gl\u00fcckw\u00fcnschen fuhr ich in die Arbeit (mir war immer noch schlecht). Dort bekam ich von meinen Turnerinnen ein wundersch\u00f6nes Geburtstagslied gesungen und jeder schrie durch die ganze Halle &#8222;Happy\u00a0Birthday Coach Pia!!&#8220;. Dar\u00fcber habe ich mich wirklich wahnsinnig gefreut, denn das h\u00e4tte ich nicht erwartet.\u00a0Liebevoll geschriebene Karten und\u00a0Kleinigkeiten wurden mir \u00fcberreicht und meine Freude\u00a0wurde immer gr\u00f6\u00dfer. Zu\u00a0Hause erwartete\u00a0mich die n\u00e4chste \u00dcberraschung. Mein Gastvater hatte eine Pizza-Torte gebacken und auf dem sch\u00f6n gedeckten Tisch fand ich noch einige Geburtstagsgr\u00fc\u00dfe aus der Heimat. Nach der Pizza, welche zu 50% aus K\u00e4se bestand, war mir zwar wieder schlecht aber\u00a0man gew\u00f6hnt sich ja an so einiges. Gemeinsam bestaunten wir die vielen Karten und Kleinigkeiten, die mich aus meiner Heimat und von Alaska erreichten. So ging mein erster Geburtstag in Alaska zu Ende, 36h wurde gefeiert, erst in Deutschland, dann in Amerika; das\u00a0war der l\u00e4ngste Geburtstag den ich je hatte! Es war ein wundersch\u00f6ner Tag, der dank meiner\u00a0unschlagbaren Gastfamilie, meinen vielen Freunden aus\u00a0Deutschland und Amerika, meiner schmerzlich vermissten\u00a0Familie aus Deutschland und all den Menschen, die mich tagt\u00e4glich durch das Leben hier begleiten, f\u00fcr mich unvergesslich und einzigartig in Erinnerung bleibt. Ich m\u00f6chte mich bei all denen bedanken, die an meinem 20. Geburtstag an mich gedacht haben, ohne\u00a0euch w\u00e4re der Tag f\u00fcr mich bei weitem nicht so wundervoll gewesen.<\/p>\n<p><strong>19. Dezember &#8211; 27. Dezember<\/strong><\/p>\n<p>Liebe Leserinnen und Leser, aus dem fernen Alaska m\u00f6chte ich euch die sch\u00f6nsten Weihnachtsgr\u00fc\u00dfe senden! Diese kommen zwar etwas versp\u00e4tet aber daf\u00fcr gibt es nun umso mehr zu erfahren, denn meine Reise f\u00fchrte mich nach Fairbanks und zum Santa Claus.<\/p>\n<p>Am 19.12 stieg ich um 7.30 Uhr in die kleine Propellermaschine nach Fairbanks, eine Stadt in der Mitte von Alaska. Nach einem ruhigen Flug durfte ich den Sonnenaufgang bewundern und bei dem Landeanflug das Rollfeld&#8230;alles Eis und Schnee. Und da wird gelandet?! Mir sackte mein Herz in die Hose und ich krallte mich etwas tiefer in meinen Sitz aber nix passierte. Wir sind einfach nur gelandet. Komisch. In Deutschland w\u00e4ren alle Fl\u00fcge gestrichen worden, hier gilt die Landebahn mit der Menge Eis und Schnee als &#8222;ger\u00e4umt&#8220;. Aha. Wieder was gelernt. Eine Bekannte holte mich vom Flughafen ab und nach einem Caf\u00e9 ging es auf den vereisten Stra\u00dfen zur University of Alaska Fairbanks. Dort verabschiedete ich mich von ihr und traf mich mit einer Professorin f\u00fcr Physik, welche aus\u00a0\u00a0Deutschland kommt und zuf\u00e4llig auch noch in der Nachbarstadt aufgewachsen ist. Wir unterhielten uns sehr gut, hatten aber beide Probleme in die deutsche Sprache zu wechseln, insofern blieben wir einfach bei Englisch. Nach einem langen Caf\u00e9 machte ich mich auf den Weg in mein Hostel. Dort lernte ich viele interessante Leute kennen und wir verstanden und alle auf anhieb sehr gut. Es war eine klare und kalte Nacht, der Sternenhimmel hatte sich \u00fcber Fairbanks aufgespannt und wir schoben abwechselnd Wache, damit wir die Aurora auch ja nicht verpassten. Kurz nach Mitternacht, Aurora ist da! Wir spurteten so schnell es eben ging (bei minus 21 Grad Celsius vergisst man Jacke und Co dann doch nicht) aus dem Hostel und starrten in den Himmel. Tats\u00e4chlich! Nordlichter! Das gr\u00fcne Licht sprang von einer Seite des Horizonts zur anderen, ver\u00e4nderte Gr\u00f6\u00dfe und Form, tanzte \u00fcber dem Hostel hinweg, tauchte auf der anderen Seite wieder auf &#8211;\u00a0 diesmal in einem gro\u00dfen gr\u00fcnen Band &#8211; verblasste wieder und setzte seinen Tanz nach einer kurzen Pause wieder fort. Ich verrenkte mir mein Genick um ja nichts zu verpassen, meine Finger froren mir trotz zwei paar Handschuhe ein, krallten sich aber um die Kamera, welche vergeblich versuchte die Nordlichter einzufangen. Nach einigen Versuchen hatte ich es geschafft, ich hatte die Aurora borealis fotografiert! Gut, das Bild ist nicht sonderlich gut geworden aber egal, man sieht das Nordlicht!! In all der Eile hatte ich nur meine Socken vergessen und stand mit nackten F\u00fc\u00dfen in meinen dicken Winterboots. Keine gute Idee. Pl\u00f6tzlich rief eine Asiatin aus dem Hostel, &#8222;springt in mein Auto, wir fahren auf einen Berg, dort soll man die Nordlichter noch besser sehen k\u00f6nnen!&#8220;. Gesagt, getan. Als wir alle in dem gro\u00dfen Van sa\u00dfen und auf die erste Kreuzung zufuhren, bekam ich es mit der Angst zu tun. Warum bremst denn keiner? Ich fragte ganz vorsichtig die Fahrerin, ob sie denn schon einmal auf Eis und Schnee gefahren ist. Antwort: &#8222;N\u00f6, wieso?&#8220;. Aha. Beim Anfahren drehten dann die Reifen durch. Ich lehnte mich nochmal nach vorne und fragte, ob denn das Auto Allrad hat. Antwort: &#8222;N\u00f6, wieso?&#8220;. Aha. Als wir in einer Kurve zu schlingern anfingen, fragte ich etwas nerv\u00f6ser, ob denn das Auto Spikes an den Reifen hat. Antwort: &#8222;N\u00f6, wieso?&#8220;. Aha. Hilfe! Inzwischen waren mir die Nordlichter total egal, ich sprach ununterbrochen zur Fahrerin, nicht so viel Gas geben beim Anfahren, keine hektischen Bewegungen mit dem Lenkrad, wenn das Auto zum schlittern anf\u00e4ngt, nicht stark bremsen, vor einer Kurve bremsen und nicht in der Kurve, nein, nicht im tiefen Schnee fahren, da bleibt man stecken, ja wieder auf die Stra\u00dfe zur\u00fcck, nein wir geben kein Gas in der Kurve, wir lassen das Auto vor einen kommenden Kreuzung langsam ausrollen, nein wir machen keine Vollbremsung auf Eis, nein wir werden nicht hysterisch, nein kreischen bringt nix!!! Ich war fix und fertig mit den Nerven und wollte nach der 40 min\u00fctigen Hinfahrt einfach nur noch heil nach Hause kommen. Da die Stra\u00dfe immer gef\u00e4hrlicher wurde, brach ich die Fahrt ab und bedr\u00e4ngte sie, sofort umzudrehen. Schnell wurden noch ein paar Schnappsch\u00fcsse von den Nordlichtern aufgenommen, welche echt fantastisch waren. Hell und klar schwebte ein gr\u00fcnes Band \u00fcber uns und vollf\u00fchrte seinen stetigen Tanz. Genie\u00dfen, nein genie\u00dfen konnte ich es in diesem Moment leider \u00fcberhaupt nicht. Ich dirigierte die ganze Fahrt zur\u00fcck und kam schwei\u00dfgebadet am Hostel wieder an. Hatte ich eigentlich noch Zehen? Ich machte mir einen hei\u00dfen Tee und rieb meine rot gefrorenen F\u00fc\u00dfe wieder warm, hatte also doch noch Zehen, interessant. Nach einer Stunde konnte ich meinen kleinen Zeh wieder bewegen, dar\u00fcber habe ich mich noch nie so gefreut. Um 3 Uhr morgens kippte ich in mein Bett und schlief sofort ein.<\/p>\n<p>Am Dienstag, den 20.12 schlief ich aus und nach einem gem\u00fctlichen Fr\u00fchst\u00fcck machte ich mich auf den Weg zum &#8222;Museum of the North&#8220;, welches am Campusgel\u00e4nde der Uni steht. Ich ergatterte einen Platz am Panoramafenster des Caf\u00e9s und genoss den Sonnenuntergang um 14 Uhr. Warum ich daf\u00fcr nicht drau\u00dfen geblieben bin? Setzt euch mal nackt in den Gefrierschank des Supermarktes und fotografiert eine alte Dame bei der Auswahl des Joghurts. Dann wisst ihr n\u00e4mlich, wie es sich anf\u00fchlt auf etwas zu warten, wenn euch gleichzeitig alles abfriert! Bei der K\u00e4lte helfen n\u00e4mlich 5 Schichten an Fleece- und Daunenklamotten auch nicht viel. Danach sah ich mir das Museum an und durfte zwei Filme \u00fcber das entstehen der Aurora und der Arktis ansehen. Nach einem Abstecher zum Supermarkt und dem Himmel-Check (total bew\u00f6lkt &#8211; Aurorachance somit gleich null) fiel ich nach dem Abendessen hundem\u00fcde in mein unbequemes Hostelbett. Die zwei Asiaten luden uns nochmal auf eine Fahrt ein, heute lehnte ich aber dankend ab, das wollte ich meinem Schutzengel nicht nochmal antun&#8230;<\/p>\n<p>Den Mittwoch startete ich mit einem ausgedehnten Brunch. Zusammen mit einer aus dem Hostel ging ich zu Fu\u00df in das nahe gelegene Caf\u00e9. Mit Skiunterw\u00e4sche und sehr sehr vielen Lagen an Winterzeug konnte man gerade so den Fu\u00dfmarsch wagen. Total eingefroren kamen wir 20 Minuten sp\u00e4ter an. Ich bestellte mir einen &#8222;Mini-Pancake&#8220;, 15 Minuten sp\u00e4ter stand mein Teller vor mir. Der Pancake war so gro\u00df wie eine Pizza! Das mit dem &#8222;Mini&#8220; ist hier wohl irgendwie anders zu verstehen&#8230;Er schmeckte aber sehr lecker! Aufgew\u00e4rmt holte mich die deutsche Professorin ab und wir besichtigten zwei Kunstaustellungen und schlenderten durch Downtown. Ich erstand ein sehr sch\u00f6nes Bild und meldete mich als &#8222;Volunteer&#8220; bei dem Yukon Quest Hundeschlittenrennen an. Mal sehen ob es klappt.<\/p>\n<p>Die Woche neigte sich schon wieder dem Ende zu, insofern ergriff ich die Gelegenheit beim Schopfe und fuhr mit meiner Bekannten am Donnerstag, den 22.12 zu den Chena Hot Springs. Auch diese Fahrt erwies sich als erlebnisreich. Uns wurde die Vorfahrt genommen und nach der get\u00e4tigten Vollbremsung kreiselte das Auto um 360\u00b0 \u00fcber die dreispurige Fahrbahn. Gott sei Dank trafen wir kein anderes Auto und wurden von einer Schneebank zum Stoppen gebracht. Nix passiert, aber der Schreck sa\u00df tief. Da musste erstmal Nervennahrung her. Nach einem &#8222;Chocolat Trueffel Mousse Cake&#8220; ging es &#8211; sich immer noch die Lippen abschleckend &#8211; in das Eismuseum. Das Museum wird jede Wintersasion neu aus Eis hergestellt. Drinnen konnte man beleuchtete Eisskulpturen bewundern und bekam einen Apperitive in einem Glas aus Eis serviert. Unter 21 durfte man nur ein Foto davon machen. Toll. Durchgefroren schnappten wir uns die Badesachen aus dem Auto und machten uns in die Hot Springs. Habt ihr schon einmal versucht, einen gefrorenen Badeanzug anzuziehen? Das ist vielleicht fies kalt! Immerhin stand einem ja ein hei\u00dfes Bad bevor. Das man daf\u00fcr aber 100 Meter nur im Badeanzug bei minus 23 Grad Celsius zum Becken spazieren darf, davor warnt einem auch keiner! Also, allen Mut zusammen genommen und einen rasanten Sprint auf eiskalten Steinen bis zum Becken hingelegt. Geschafft! Warmes Wasser umsp\u00fclte meine Beine und taute meine\u00a0 &#8211; mal wieder &#8211; gefrorenen Zehen auf. Langsam tauchte ich in das schultertiefe Wasser ab und genoss die mollige W\u00e4rme. Ich trieb in dem sehr gro\u00dfen nat\u00fcrlichen Pool herum und fragte mich, warum manche Leute urpl\u00f6tzlich mit den Armen zu wedeln begannen und h\u00fcpfend zu einer anderen Stelle hechteten. Keine 10 Minuten sp\u00e4ter wusste ich es. Manchmal trifft man n\u00e4mlich auf eine Quelle, die gerade hei\u00dfes Wasser sprudelt. Das f\u00fchlt sich ungef\u00e4hr so an, wie wenn man zu lange in der vormals warmen Badewanne gelegen hat und das nunmehr fast kalte Wasser mit einem Strahl hei\u00dfen Wasser aus der Leitung wieder angenehm machen m\u00f6chte. Alle Badewannenbegeisterten wissen jetzt wo von ich rede. Denn genau dieser hei\u00dfe Strahl trifft meistens ein Bein oder \u00e4hnliches und man versucht in der engen Wanne davon auszuweichen, spritzt nat\u00fcrlich das ganze Wasser im Badezimmer umher und hat eine riesige Sauerei! Klar, jeder verspricht &#8222;beim n\u00e4chsten Mal lasse ich nur lauwarmes Wasser einlaufen&#8220; Ja ja, vergisst man dann doch jedes Mal wieder. Alle paar Minuten trifft man also auf so eine Quelle und h\u00fcpft &#8211; so schnell es eben im Wasser geht &#8211; davon. Durch den Wasserdampf haben sich um die Quelle abstrakte Figuren gebildet, die B\u00e4ume und Felsen sind \u00fcberzogen mit Eis und Schnee und ragten in die Dunkelheit hinauf. Das Atmen f\u00e4llt durch das hei\u00dfe Wasser, den vielen Dampf und die eiskalte Luft sehr schwer, die Glieder werden immer m\u00fcder und ich war froh, dass ich stehen konnte. Irgendwann m\u00f6chte man sich dann ein l\u00e4stiges Haar aus dem Gesicht streichen und hoppala, schon hatte man das Haar in der Hand. Eingefroren, abgebrochen. Hups! Die ganzen Haare waren \u00fcberzogen mit einer dicken Eisschicht und einzelne widerspenstige B\u00fcschel ragten wie Eiszapfen hervor. Nun sahen nicht nur die B\u00e4ume etwas kafkaesk aus, sondern auch ich. Augenbrauen und Wimpern taten es der Haarpracht gleich, so muss sich eine Eisprinzessin f\u00fchlen. Also sprang ich aus dem Becken, sprintete zur\u00fcck und holte meine Kamera. Mit steif gefrorenem Badeanzug starkte ich zur\u00fcck in den Pool und konnte tats\u00e4chlich ein paar gute Bilder aufnehmen. Gut, meine Arme froren ein, weil ich sie ja die ganze Zeit \u00fcber Wasser halten musste, aber es hat sich gelohnt. Beim rausgehen \u00fcbersah ich einen Felsen im Wasser und schlug mir das Knie auf, egal der Kamera ist nichts passiert! Total geschafft kamen wir nach der einst\u00fcndigen Fahrt im Hostel an und schliefen sofort ein.<\/p>\n<p>Letzter Tag, wie schnell die Zeit vergeht! Den Freitag hatte ich mir f\u00fcr etwas besonderes aufgehoben. Ich wollte zu Santa Claus, die Stadt &#8222;North Pole&#8220; war ja gleich um die Ecke. Das Eismuseum dort war wirklich sehr sch\u00f6n angelegt, die Skulpturen nat\u00fcrlich zum Thema Weihnachten gefr\u00e4st und dann gab es da noch eine Rutsche, ganz aus Eis! Also, Schlitten her und rauf geht&#8217;s! Himmel, war das schnell! Ich rutschte und rutschte bis mir alles weh tat und ging dann hin\u00fcber zu Santa Claus Haus. Welch Reinfall! Total \u00fcberlaufen, \u00fcberall kreischende Kinder, eine 3 1\/2 st\u00fcndige Warteschlange vor Santas Stuhl und nur Schrott zu kaufen. Es war wirklich sehr schade. Warum verkauft man dort nur so billig produzierten Mist? Ich h\u00e4tte so auf einen sch\u00f6n gearbeiteten Christbaumanh\u00e4nger gehofft&#8230;Ziemlich genervt gab es erstmal Pizza zum aufmuntern und da es eh schon wieder dunkel war, auch bald wieder zur\u00fcck. Hier in Fairbanks\u00a0l\u00e4sst sich die Sonne n\u00e4mlich nur 4h am Tag blicken, im Sommer ist sie daf\u00fcr\u00a0fast immer da.\u00a0 Ich packte zusammen und ging fr\u00fch ins Bett, mein Flug am n\u00e4chsten Tag ging immerhin schon um 7:30Uhr los.<\/p>\n<p>Samstag, 24.12. 05:00 Uhr. Diese Uhrzeit habe ich ja schon lange nicht mehr gesehen&#8230;mit noch etwas verdrehten Augen machte ich mich auf zum Flughafen. Dort sah ich dem Schneer\u00e4umer zu. Toll. Ist schon riesig so ein Flughafenr\u00e4umerchen in Alaska&#8230;Wahnsinn! Dann rief ich nat\u00fcrlich meine Eltern an, ist ja Weihnachten! Der Flug verlief etwas holprig aber ich habe es geschafft. In Anchorage holte mich meine Coordinatorin vom College ab. Eigentlich wollten wir Skifahren gehen, dann kam aber eine Blizzardwarnung und wir vertagten das&#8230;schade aber sicherer. Den Abend verbrachte ich bei ihr, wir gingen gemeinsam in die Christmette meiner Kirche und es war einfach toll! Total sch\u00f6n dekoriert und viele neue Weihnachtslieder, der Pfarrer w\u00fcnschte mir pers\u00f6nlich noch frohe Weihnachten und so ging ich mit sehr warmen Herzen ins Bett.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen durfte ich mit der Familie meiner Coordinatorin Weihnachten feiern. Warum ich nicht bei meinen Hosts war? Die waren seit dem 19.12 auf einem Langlauftrip unterwegs und sollten erst am 27.12 wieder zur\u00fcck kommen. Weihnachten alleine in einem fremden Land&#8230;na prima dachte ich mir und erz\u00e4hlte jedem, dass ich Weihnachten alleine bin. Hat gut geklappt, von \u00fcberall bekam ich Einladungen, eben auch von meiner Coordinatorin und da sa\u00df ich dann. Umzingelt von zwei Hunden, dem Weihnachtsbaum mit Lametta, Geschenken und dem Festessen mit Truthahn, Kartoffeln, F\u00fcllung, Bohnen, Gravy, Apfelstrudel (mein Beitrag) und Kuchen, feierte ich also Weihnachten. Es war wirklich sehr sch\u00f6n, am Anfang hatte ich so Angst in ein gro\u00dfes &#8222;Heimwehloch&#8220; zu fallen aber ich fiel nicht! Mit Geschenken \u00fcberladen fuhr ich abends wieder zur\u00fcck in das Haus meiner Gasteltern. Eigentlich wollte ich nur schnell umpacken und zu einer Freundin fahren und dort \u00fcbernachten. Als ich jedoch die T\u00fcr \u00f6ffnete, blickte ich in die Gesichter meiner Gasteltern. Das war vielleicht eine \u00dcberraschung! Sie mussten ihren Trip leider wegen dem Blizzard abbrechen, ich habe mich riesig gefreut, dass sie wieder da waren und war erleichtert, dass ihnen nichts passiert war. Ich sagte meiner Freundin ab und wir feierten gemeinsam Weihnachten. Ganz spontan. Meine Gastmutter und ich bekamen von John eine Justin Biber Zahnb\u00fcrste. Die singt, bis man sich lange genug die Z\u00e4hne geputzt hat. Gr\u00e4sslich! Wir mussten alle sehr lachen und putzen uns erstmal die Z\u00e4hne. Gemocht habe ich den ja noch nie aber aus der Zahnb\u00fcrste h\u00f6rt sich der ja noch viel schlimmer an! Wir verbrachten einen wunderbaren Weihnachtsabend und ich war gl\u00fccklich. Gl\u00fccklich, hier sein zu d\u00fcrfen, gl\u00fccklich, diese unschlagbare Gastfamilie zu haben und gl\u00fccklich, so viel Unterst\u00fctzung von zu Hause zu bekommen.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten morgen, es ist nun der 26.12, holte ich um 9 Uhr meine Freundin &#8211; ebenfalls Deutsche und High School Austauschsch\u00fclerin\u00a0 &#8211; ab und wir fuhren zu einem Lehrer aus meinem College. Dieser war n\u00e4mlich auch Deutscher und engagierte mich als &#8222;Santa Claus&#8220; f\u00fcr seine Kinder. Ich h\u00fcpfte also in das \u00fcbergro\u00dfe Santa Kost\u00fcm (der ist hier wohl echt dick, in die Hose h\u00e4tte ich ja zweimal gepasst&#8230;) und bastelte mir den Bart ins Gesicht. Der kratzt vielleicht! Bin ich froh, dass ich kein Junge bin&#8230; In Pantoffeln marschierte ich mit dem gro\u00dfen Geschenke-Sack um die Veranda herum und klopfte an die T\u00fcre. Heidenei das war vielleicht ein Spa\u00df! Nat\u00fcrlich fragte ich jeden, ob er denn sch\u00f6n brav gewesen sei und \u00fcberreichte P\u00e4ckchen f\u00fcr P\u00e4ckchen. Nach 20 Minuten war der Spa\u00df leider vorbei, Santa musste zum n\u00e4chsten Haus. Ich befreite mich aus dem roten Gewand und kam zur\u00fcck. Dort war das auspacken in vollem Gange und das Essen war auch schon fertig. Die Kinder glaubten zwar nicht mehr an den Weihnachtsmann aber Spa\u00df hat es mir trotzdem gemacht!<\/p>\n<p>Insofern kann ich nur zusammenfassen, Weihnachten in Alaska ist aufregend, neu, anders, erlebnisreich, gepr\u00e4gt von gutem Essen und vor allem: Wei\u00df! Dicker Schnee liegt auf den H\u00e4usern und Stra\u00dfen, alles sieht ganz wundervoll aus und gro\u00dfe Flocken der wei\u00dfen Pracht fallen vom Himmel. So geh\u00f6rt sich das! In diesem Sinne, habt ein paar sch\u00f6ne Tag in eurer Familie und genie\u00dft das gute Essen!<\/p>\n<p><strong>30. Dezember &#8211; 01. Januar<\/strong> <strong>2017<\/strong><\/p>\n<p>Das Jahr 2016 neigt sich dem Ende zu. Wahnsinn wie schnell das vergangen ist. Eben noch war ich Auszubildende, jetzt sitze ich schon seit 5 Monaten in Alaska. Wo ist denn wieder die ganze Zeit geblieben? Ein Jahr voller Erlebnisse und Erfahrungen, ein Jahr voller \u00dcberraschungen und Herausforderungen, ein Jahr voll des Lebens. Liebes 2016, sch\u00f6n war es mit dir!<\/p>\n<p>Bislang war geplant, dass ich Silvester mit meinen Gasteltern feiern sollte aber es kommt ja immer alles anders als man plant. Da meine Gasteltern wieder Langlaufen gehen wollten f\u00fcr drei Tage, musste ich mir auf die Schnelle eine andere Silvester-Aktivit\u00e4t suchen. Nach der Messe, in der jeder (ja, auch ich) gesegnet wurde f\u00fcr das neue Jahr, fuhr ich mit Bekannten aus der Kirche mit zum feiern. Da wir ein Gesellschaftsspiel spielten, haben wir Neujahr leider verpasst. Kann passieren&#8230;Am n\u00e4chsten\u00a0Tag luden sie mich zum Fr\u00fchst\u00fcck ein und danach gingen wir Langlaufen und haben uns sehr gut verstanden. Ihr seht also, mein Silvester lief mal wieder sehr ruhig ab, Feuerwerk ist hier verboten, h\u00e4lt sich aber keiner dran, also gab es unterbrochen von Polizeisirenen Feuerwerk von den Nachbarn und ein\u00a0Lagerfeuer im Garten. Am Dienstag f\u00e4ngt meine Arbeit wieder an, bis dahin genie\u00dfe ich weiterhin den Schnee bei bestem Sonnenschein. Ich hoffe all meine Leserinnen und Leser sind gut in das neue Jahr gerutscht! Viel Erfolg im Jahre 2017, bleibt alle Gesund und denkt an das Positive im Leben!\u00a0Und vor allem, DIESES Jahr komme ich wieder nach Hause!!!!<\/p>\n<p><strong>02. Januar 2017 &#8211; 20. Januar<\/strong> <strong>2017<\/strong><\/p>\n<p>Jetzt habe ich mich schon lang nicht mehr gemeldet, tut mir leid, es war ja so viel los in den letzten Tagen! Die erste Januarwoche verbrachte ich haupts\u00e4chlich mit arbeiten. Ob ihr es glaubt oder nicht aber meine Arbeit macht mir immer noch sehr viel Freude! In der Freizeit fahre ich viel Ski, sitze vor dem Feuer und genie\u00dfe gutes Essen. Am Donnerstag den 12. Januar \u00fcberschlugen sich dann die Ereignisse. Auf der Heimfahrt wurde ich von der Polizei aufgehalten, mit H\u00e4nden am Lenkrad wurde ich nach F\u00fchrerschein und Fahrzeugpapieren gefragt, welche ich &#8222;langsam und ohne schnelle Bewegungen&#8220; aus meiner Tasche holen musste. W\u00e4hrend die Papiere kontrolliert wurden, sa\u00df ich mit erhobenen H\u00e4nden in meinem Auto und war leicht nerv\u00f6s&#8230;Als der Polizist zur\u00fcck kam, fragte ich warum ich denn aufgehalten wurde. Antwort: &#8222;Ihr Nummernschild ist mit Schnee verdeckt.&#8220; Ernsthaft?! Mal ehrlich, in Deutschland ist das ja Gesetz und ok wenn ich daf\u00fcr aufgehalten werde aber in Alaska ist das gesetzlich nicht vorgeschrieben! Hier fahren 90% der Autos ohne erkennbares Nummernschild auf der Stra\u00dfe und ausgerechnet ich werde angehalten. Na prima. Ich setzte also mein unschuldigstes L\u00e4cheln auf, entschuldigte mich vielmals und fuhr nach Hause. Als ich die Aktion meinen Gasteltern erz\u00e4hlte, wurden die so richtig w\u00fctend &#8211; so kenn ich die gar nicht &#8211; es w\u00e4re eine Frechheit mich ohne Grund aufzuhalten und dann auch noch in der Dunkelheit und als M\u00e4dchen. So schlimm fand ich das jetzt zwar nicht aber meine Hosts verstanden da gar keinen Spa\u00df. Naja, wieder was gelernt und \u00fcberlebt habe ich es ja auch. Der Schreck war mir immer noch ins Gesicht geschrieben, als mein Handy klingelte. Constantin, Teilnehmer des PPP, platziert in Arizona, rief an und sagte, er h\u00e4tte Flugtickets nach Alaska gebucht. Ich freute mich dar\u00fcber und fragte wann er denn kommt. &#8222;Ja, morgen&#8220;. Was?! Spontanit\u00e4t war ja noch nie so meins aber einfach so f\u00fcr 4 Tage Besuch bekommen, dass sprengte meine erlernte Spontanit\u00e4t-Kapazit\u00e4ten dann doch ein wenig. Darauf war ich \u00fcberhaupt nicht vorbereitet und meine Gasteltern auch nicht. Die nahmen es aber mit Humor und freuten sich auf einen weiteren Gast. Am Freitag holte ich ihn vom Flughafen ab und er\u00a0meinte nur: &#8222;Boah, hier ist es ja kalt!&#8220; Da musste ich lachen und hie\u00df ihn herzlich in Alaska willkommen.\u00a0Ich verbrachte mit Constantin zwei Tage in Homer, wir sahen viele Adler und ich bestaunte wieder Meer, Gletscher und Berge, wir fuhren gemeinsam Ski, gingen Essen und hatten ein paar echt lustige Tage zusammen. Er verstand sich prima mit meinen Gasteltern, wir diskutierten lange \u00fcber Politik und genossen die Zeit bevor mein College und seine Arbeit wieder begann. Er hat ziemlich gefroren, trotz vieler Schichten an Kleidung, obwohl es gar nicht mal so kalt war. Minus 10 Grad Celsius, da zieh ich nicht mal mehr Skiunterw\u00e4sche an. Mir war es gar nicht bewusst, dass man sich an K\u00e4lte so gew\u00f6hnen kann. Die Woche drauf kam dann aber die K\u00e4ltewelle. Minus 32 Grad Celsius. Da zog auch ich gerne wieder meine Skiunterw\u00e4sche an. Dann passierte mir ein nicht verzeihbarer sehr dummer Fehler. Ich wollte fr\u00fch morgens mein Auto starten, rutschte aber mit den Handschuhe immer ab, zog diese kurzerhand aus und packte mit blo\u00dfen H\u00e4nden an eiskaltes Metall. Jetzt habe ich den Salat, zwei Fingerkuppen habe ich mir ordentlich verbrannt\/vereist (wie sagt man denn da?). Anf\u00e4ngerfehler. Ich Depp. Zum Gl\u00fcck bin ich nicht festgefroren.<\/p>\n<p>Am Mittwoch ging dann endlich mein College wieder los. Erster Kurs &#8222;Natives of Alaska&#8220; und danach &#8222;Communication&#8220;. Beide hochinteressant und mit sehr guten Lehrkr\u00e4ften besetzt. Ich freu mich darauf, wieder etwas zu lernen und bin gespannt auf die B\u00fccher in meinem Native-Kurs. Nur das mit der Hausaufgabe, dass hatte ich erfolgreich verdr\u00e4ngt. Nun hei\u00dft es sich wieder hinsetzen und Aufs\u00e4tze Schreiben, Reden vorbereiten, Projekte aufarbeiten und Landkarten zeichnen.<\/p>\n<p>Donnerstagnacht hatte ich dann noch eine ganz eigene Erfahrung. Um vier Uhr morgens wachte ich aufgrund eines undefinierbaren Ger\u00e4usches auf. Ein Knistern, Rascheln und wieder Stille. Na, vielleicht hatte ich ja nur getr\u00e4umt. Aber nein, da war es wieder! Regnet es? Kann nicht sein, ist zu kalt. Trotzdem, Licht an, raus aus dem Bett und aus dem Fenster geschaut. Nichts. Hm. Rein ins Bett, Licht aus, Augen zu. Da! Schon wieder! Es knistert! Brennt es? Licht an, raus aus dem Bett, Haus kontrolliert. N\u00f6, brennt nicht. Werde ich verr\u00fcckt? Also wieder ins Bett, Licht aus, Augen zu. Es raschelt! Mir wurde es zu bl\u00f6d, somit blieb ich einfach liegen und \u00fcberdachte s\u00e4mtliche Raschel-M\u00f6glichkeiten in meinem Zimmer. Aha, die Plastikt\u00fcte! Also wieder Licht an und raus aus dem Bett, Plastikt\u00fcte suchen. Komisch, wie kann denn die rascheln ohne Luftzug? Egal. Wieder ins Bett, Licht aus, Augen zu. Ein Rascheln, ein Knistern und pl\u00f6tzlich auch noch ein Piepsen! Seit wann k\u00f6nnen Plastikt\u00fcten piepsen? Also Licht an, raus aus dem Bett. Mir reichte es. Ich setzte mich vor die Plastikt\u00fcte &#8211; inzwischen war es halb f\u00fcnf Uhr morgens &#8211; und starrte sie unerl\u00e4sslich an. Ich kam mir ein bisschen verr\u00fcckt vor, dass muss ich schon zugeben, aber es hat sich gelohnt! Nach 5 Minuten kam Fr\u00e4ulein Maus um die Ecke gebogen, huschte in die T\u00fcte und versuchte an das Brot in der T\u00fcte zu kommen. Tja, was mach ich denn jetzt? Am liebsten h\u00e4tte ich T\u00fcte samt Brot und Maus einfach vor die T\u00fcr gesetzt aber bei minus 32 Grad? Nein, also das w\u00e4re unfair. Somit habe ich die T\u00fcte ohne Maus ins Bad gestellt, die T\u00fcre zugemacht und das Mauseloch samt Maus drin mit B\u00fcchern zugestellt. Gut, sonderlich nett war das nicht aber besser als drau\u00dfen schlafen! Nach einer Stunde Detektivarbeit viel ich endlich wieder in mein Bett und konnte in Ruhe schlafen. Kein Knistern, Rascheln, Piepsen. Stille. Wie sch\u00f6n. Inzwischen habe ich eine Mausefalle aufgestellt.<\/p>\n<p><strong>31. Januar 2017<\/strong><\/p>\n<p>Hallo liebe Leserinnen und Leser! Ich wollte mich nur mal kurz melden, ich lebe noch mir geht&#8217;s gut und bin gesund und munter. Momentan hab ich aber so viel um die Ohren, ich hab einfach keine Zeit einen l\u00e4ngeren Artikel zu schreiben. Geplant ist es f\u00fcr das Wochenende, bis dahin bitte ich um ein bisschen Geduld. Freut euch \u00fcber Konzerte, Schlittenhunderennen, Wettkampf und Schneemobilfahren zu h\u00f6ren! Bis bald, eure Pia!<\/p>\n<p><strong>21. Januar 2017 &#8211; 04. Februar 2017<\/strong><\/p>\n<p>Drau\u00dfen legt sich die Dunkelheit \u00fcber den stillen verschneiten Wald und ich hab endlich Zeit, wieder ein paar mehr Zeilen zu schreiben. Die letzten Wochen waren so voller neuer Eindr\u00fccke und Erlebnisse, ich wei\u00df gar nicht wo ich anfangen soll.<\/p>\n<p>Ich fang mal der Reihe nach mit dem Wochenende vom 21. Januar an. Am diesem Samstag fuhr ich nach der Arbeit nach Kenai, denn dort fanden in der Schulturnhalle die &#8222;Native Youth Olympics&#8220; statt. Die Natives haben eigene Sportarten wie z. B. Stick Pull und High Kick, welche j\u00e4hrlich in der Olympiade ausgetragen werden. F\u00fcr die Erwachsenen geht es im Sommer nach Fairbanks, f\u00fcr den Nachwuchs eben hier nach Kenai. Eine bunte Menge an Kids mit Eltern, Trainern und Verwandten ballten sich in der Halle zusammen. Ich ergatterte einen Platz auf der Trib\u00fcne und sah mir das ganze Spektakel an. Leider war ich ein bisschen zu sp\u00e4t, denn lediglich der &#8222;Stick Pull&#8220; war noch auszutragen. Hier setzen sich zwei Personen gegen\u00fcber, halten einen Holzstock in den H\u00e4nden\u00a0und ziehen. Gewinner ist, wer den anderen \u00fcber die Markierung zieht oder zum Schluss den Stock alleine in der Hand hat. Nachdem die Gewinner feststanden, fuhr ich zur\u00fcck nach Soldotna und kam am Women March vorbei. Spontan gesellte ich mich dazu, protestierte mit und traf einige bekannte Gesichter. Danach ging ich mit in die Bibliothek zur Diskussionsrunde und h\u00f6rte mir einige interessante Vortr\u00e4ge an. Langsam meldete sich der Hunger und so ging es mit einigen Freundinnen zum Pizzaessen. Aber der Tag war noch lange nicht zu Ende, von dem Restaurant aus\u00a0entdeckte ich ein Feuerwerk das aufgrund der Olympics und Winter Games gez\u00fcndete wurde, ich bewunderte die sch\u00f6nen Farben und Formationen und traf mich danach mit meinen Gasteltern\u00a0zu einem Konzert. Es spielte die Band &#8222;Pamyua&#8220;; um es kurz zu machen, ein paar Natives schlossen sich zu einer Band zusammen und spielten ihre traditionellen St\u00fccke mit ein wenig Jazz und Soul vermischt. Es war gigantisch! Ich empfehle es jedem, diese Band in YouTube zu suchen und ein paar St\u00fccke anzuh\u00f6ren! Diese fremde Sprache mit so ganz anderen Kl\u00e4ngen zu h\u00f6ren, es war atemberaubend! Ich genoss den Abend in vollen Z\u00fcgen und war gl\u00fccklich.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag nach der Kirche hie\u00df es dann Hausaufgabe machen&#8230;.Beide Kurse sind wirklich sehr interessant aber auch sehr zeitintensiv. Insofern lese ich viele fachbezogene B\u00fccher f\u00fcr meinen Native Kurs, schreibe Aufs\u00e4tze und schaue Videos,\u00a0\u00fcbersetze Vokabeln, bearbeite\u00a0Tests und\u00a0male Landkarten. Immerhin macht es mir\u00a0Freude, \u00fcber diese Themen etwas zu lernen.\u00a0Die Woche verging wieder wie im Flug, Arbeit, Schule, Hausaufgabe und nat\u00fcrlich\u00a0das Wetter genie\u00dfen. Denn ob ihr es glaubt oder nicht, ich habe gelernt &#8222;nichts&#8220; zu tun. So unvorstellbar das f\u00fcr mich in Deutschland war und so schwer mir das anfangs hier gefallen ist, inzwischen genie\u00dfe ich es. Stundenlang kann ich vor dem Ofen sitzen und den Schneeflocken beim fallen oder den Eichh\u00f6rnchen beim herumspringen zusehen. Einfach Zeit haben.<\/p>\n<p>Am 27. Januar erledigte ich einiges in der Stadt und stoppte auf meinem Heimweg am &#8222;Soldotna Sports Center&#8220;. Dort fand n\u00e4mlich f\u00fcr das Schlittenhunderennen &#8222;Tustumena200&#8220; der sog. &#8222;VetCheck&#8220; statt. Sprich alle Hunde werden von Tier\u00e4rzten auf ihre Renntauglichkeit gepr\u00fcft. Da ich mich zum Helfen angeboten hatte, faltete ich erst gef\u00fchlte 100 T-Shirts, Hoodies und Westen mit dem &#8222;TS200&#8220; Logo drauf und wurde dann einem Tierarzt zugeteilt. Mit dem wanderte ich durch die Hundeschar, machte Notizen und kam so ins Gespr\u00e4ch mit einigen Mushern (so nennt man die Leute, die hinten auf dem Hundeschlitten draufstehen). Abends ging es mit meinen Gasteltern zuerst zum Essen und danach auf ein Konzert mit traditioneller irischer Musik. Schwungvoll und mit viel Humor bereiteten uns die drei Musiker einen wundervollen Abend. Am n\u00e4chsten Tag sprang ich in aller Fr\u00fche aus dem Bett und fuhr nach Kasilof, ein kleiner Ort ca. 30 Minuten Fahrzeit von mir, denn dort startete der TS200! Dick eingepackt suchte ich die Organisatorin und fragte, was ich denn helfen darf. Als Antwort bekam ich einen Becher hei\u00dfe Schokolade in die Hand gedr\u00fcckt und sie meinte, grade w\u00e4re nix los ich soll hier mal stehen bleiben. Brav stand ich am Feuer, trank hei\u00dfe Schoki und plauderte mit anderen Helfern und Mushern. Ich drehte ein paar Runden um den Platz, der inzwischen mit vielen Menschen und noch mehr Hunden vollgestopft war und konnte gute Bilder machen. Nach und nach trudelten die ersten Zuschauer ein und reservierten sich die besten Pl\u00e4tze an der Startlinie. Nachdem ich immer noch keine Arbeit hatte, konnte ich in aller Ruhe meine Mitmenschen betrachten. Denn hier trug jeder sein bestes St\u00fcck Fell zur Schau. Riesige M\u00fctzen aus Fuchs, F\u00e4ustlinge aus Bieber, Kapuzen aus Nerz, Winterboots aus Karibou, Jacken ges\u00e4umt mit Schneehase und Luchs, M\u00e4ntel aus Wolf; alles kunstvoll verarbeitet und kostbar bestickt und zu 90% vom Tr\u00e4gerIn selbst gefangen. Ich sprach einige an und jeder konnte mir eine kleine Geschichte \u00fcber seinen Pelz erz\u00e4hlen. Doch eine Frau toppte alles. Mit ihrer riesigen M\u00fctze aus Fuchs stach sie schon von Weitem ins Auge aber \u00fcber ihrem Arm hing etwas gro\u00dfes Wei\u00dfes. Neugierig wie ich bin, sprach ich sie an und deutete auf das Wei\u00dfe. Mit stolz geschwellter Brust nahm sie das wei\u00dfe Fell von ihrem Arm und zeigte es mir in voller Gr\u00f6\u00dfe. Ein Wolf. Komplett. Mit Schnauze, Pfoten und Schwanz. Einfach so, ohne Zweck. Wahnsinn! Sie erz\u00e4hlte, dass sie den in Fairbanks gefangen hatte und einen Pelzhandel hat. Ich konnte mich gar nicht satt sehen an den ganzen Unikaten und den verschiedenen Leuten. Pl\u00f6tzlich trat die Organisatorin wieder auf mich zu, dr\u00fcckte mir eine knallgelbe Warnweste in die Hand und schickte mich ans Ende der Startlinie. Dort kreuzte eine Stra\u00dfe die Rennstrecke und ich sollte aufpassen, dass kein Auto in ein Gespann fuhr. Somit stand ich also an der Kreuzung hinter der Menschenmenge und hatten den perfekten \u00dcberblick auf den Start. Da eh keine Autos kamen, verbrachte ich die Zeit mit Fotografieren. Ganz nah dran, keiner im Weg, einfach perfekt. Nachdem alle 24 Teilnehmer auf den langen Weg nach Homer geschickt wurden, bekam ich nochmals hei\u00dfe Schoki in die Hand gedr\u00fcckt und wurde nach Hause geschickt. Es war ein unvergessliches Erlebnis und an den Sport, den Hunden und auch den etwas verr\u00fcckten Menschen habe ich ein bisschen mein Herz verloren.<\/p>\n<p>Mein Weg f\u00fchrte mich dann direkt in meine Arbeit, denn dort fand ein Wettkampf statt. Ich war nerv\u00f6ser als alle meine Turnerinnen zusammen, da die Regeln hier etwas anders sind und es f\u00fcr mich so einiges zu beachten gab. Es ging um 17:30 los und endete um 22 Uhr. Es war ein recht erfolgreicher Wettkampf und ich sah zum ersten Mal Turnerinnen aus anderen Vereinen. Es war ein anstrengender Tag mit so vielen neuen Eindr\u00fccken und Erlebnissen, gl\u00fccklich und total fertig viel ich in mein Bett. Am Sonntag viel mir das Aufstehen ganz sch\u00f6n schwer aber es lockte das n\u00e4chste Abenteuer. Ich hatte eine Einladung zum Schneemobilfahren bekommen! Nach der Kirche ging es zu den Bekannten und ich zog meine Schneeausr\u00fcstung an. Da mir empfohlen wurde mich sehr warm anzuziehen, auch wenn es drau\u00dfen nicht so kalt ist, weil es durch die Geschwindigkeit auf dem Schneemobil ziemlich frostig wird, hab ich kurzerhand alles angezogen was ich so dabei hatte. Skiunterw\u00e4sche, Socken, Leggins, Wollsocken, Jeans, Skihose, Top, Skihemd, Langarmhemd, Fleecepulli, Thermojacke, \u00e4rmellose Jacke, Schal, Daunenjacke, Sturmhaube, Helm, d\u00fcnne Handschuhe, F\u00e4ustlinge, Schneeschuhe, Fertig! Und dann muss man auf Toilette. Zefix! Nach einer Stunde an- und wieder ausziehen sa\u00df ich endlich auf dem Schneemobil. Links die Bremse, rechts das Gas, vor mir nichts als Schnee. Los geht&#8217;s. Es dauerte eine Weile, bis ich ein Gef\u00fchl f\u00fcr das Gas hatte und nicht jedes Mal total erschreckt die Bremse gezogen habe, sobald sich diese riesige Maschine bewegt hat.\u00a0 Viel zu \u00e4ngstlich kroch ich mit der Maschine \u00fcber die H\u00fcgelpiste und bleib einige Male im Tiefschnee stecken. Bei Kurven sollte ich mein Gewicht auf die Au\u00dfenseite verlagern, nur hat meine Masse das Schneemobil wenig imponiert und sich somit gar nicht bewegt. Ich versuchte mich 2h aber zum Schluss war ich schon sehr froh, wieder runter zu k\u00f6nnen. Schwei\u00dfgebadet und zittrig stieg ich von der Maschine und wackelte auf unsicheren Beinen wieder ins Haus. Ich bin froh, dass ich es ausprobiert habe aber das ist keine Aktivit\u00e4t f\u00fcr mich.<\/p>\n<p>Der ereignisreiche Januar neigte sich dem Ende zu und damit hatte ich Halbzeit. 6 Monate meines Alaska-Jahres sind geschafft, 6 weitere Monate liegen vor mir. Viel habe ich erlebt, gesehen, gelernt, ausprobiert und gekostet. Ich f\u00fchle mich immer noch sehr wohl, verstehe mich nach wie vor sehr gut mit meinen Gasteltern und habe einige Freunde gefunden. Vor allem aber habe ich sehr viel \u00fcber mich herausgefunden. Dinge, die mein Leben ver\u00e4ndert haben und werden; Blickwinkel, die mich erstaunen und anders denken lassen; Erlebnisse, welche mich gepr\u00e4gt haben. W\u00fcnsche, Ziele und Tr\u00e4ume habe ich neu sortiert; auf meinen bisherigen Lebensweg zur\u00fcckgeschaut und ihn neu \u00fcberdacht und den positiven wie auch negativen Erlebnisse mehr oder weniger Bedeutung zugetan. Ich bin stolz darauf, hier als Juniorbotschafterin sein zu d\u00fcrfen. Stolz darauf, bisher alles irgendwie gemeistert zu haben und stolz darauf, so viel Unterst\u00fctzung von zu Hause zu bekommen. Meine Freundinnen \u00fcberraschten mich mit Briefen, Videos und vielen Kleinigkeiten, meine Tante mit Partner schickt mir von \u00fcberall Postkarten und Fotos, meine Gro\u00dfeltern schicken Pakete, meine Eltern nehmen sich die Zeit um mit mir manchmal stundenlang zu skypen, so viele Menschen bedenken mich mit E-Mails und lustigen WhatsApp Nachrichten und so viele Menschen lesen meinen Blog. Das h\u00e4tte ich nie erwartet. Ich bin stolz, dankbar und sehr gl\u00fccklich, all diese Menschen zu haben, ohne sie w\u00e4ren meine ersten 6 Monate nicht so sch\u00f6n gewesen und ohne sie w\u00e4re ich nicht da wo ich jetzt bin. DANKE! Ob ich mich auf die n\u00e4chsten 6 Monate \u00fcberhaupt noch freue? Aber wie! So viel habe ich schon geplant und organisiert, hoffentlich schaff ich das alles! So sehr es mir hier auch gef\u00e4llt und ich meine Freiheit genie\u00dfe, meine Familie und meine Freunde gehen mir schon gewaltig ab. Ich freu mich, in einem halben Jahr wieder zu Hause zu sein!<\/p>\n<p><strong>05. Februar &#8211; 16.<\/strong> <strong>Februar<\/strong><\/p>\n<p>Ehe man sich versieht, ist schon die n\u00e4chste Woche um. Durch viel Arbeit und Hausaufgabe prescht die Zeit nur so an mir vorbei, ich komm gar nicht mehr mit. Da bin ich doch gerade erst am Samstag bei strahlendem Sonnenschein, blauen Himmel, perfekter Bergsicht und viel Neuschnee mit H\u00fcndin\u00a0Saddie am Strand entlangspaziert und nun ist schon wieder Donnerstag! Immerhin konnte ich den Spaziergang sehr genie\u00dfen. Adler flogen \u00fcber meinen Kopf und Eisberge haben den Strand in eine sehr groteske Landschaft verformt. Zum ersten Mal sah ich das Meer ohne Wellen, keine Einzige schwappte an den Strand! Das habe ich noch nie erlebt und nicht schlecht gestaunt, dass das Meer so ruhig sein kann. Diese Stille war einzigartig. Man konnte f\u00f6rmlich die kalte Luft knistern h\u00f6ren, als ich regungslos am Ufer stand. Mein Blick blieb an den verschneiten Bergen h\u00e4ngen, doch pl\u00f6tzlich nahm ich eine Bewegung in meinem Augenwinkel war. Ich sah aufs Meer hinaus und schwupps, schon tauchte Familie Seeotter in einiger Entfernung auf. Solch possierliche Tierchen! Leider fand Saddie die auch recht interessant. Bevor einer von uns ins Wasser fallen w\u00fcrde und sich die Seeotter noch einen Herzinfarkt holten, setzen wir den Weg lieber fort.<\/p>\n<p>Einige Tage sp\u00e4ter stand Valentinstag vor der T\u00fcr. Den Tag ignoriere ich ja eigentlich sehr gekonnt, so als Singel tr\u00f6stet man sich ja eher mit Schokolade \u00fcber den Tag hinweg. Allerdings wird dieser Tag in den Staaten ein bisschen anders zelebriert. Hier werden nicht nur die P\u00e4rchen bedacht, nein, hier schenkt einfach jeder jedem was. (Ein Land mit Herz f\u00fcr Singels!) Somit gab es in der Arbeit von \u00fcberall Schokolade und in pinkfarbenen Papierchen eingepackte ungesunde Leckereien. Ausnahmslos jeder trug an diesem Tag pink oder lila, da wurde das Training ganz sch\u00f6n anstrengend f\u00fcr die Augen. Zu Hause probierte ich nat\u00fcrlich gleich all die pinkfarbenen S\u00fc\u00dfigkeiten aus; Himmel war mir schlecht! So endete mein Valentinstag im neonpinkfarbenen Sport-Shirt mit Kamillentee und W\u00e4rmeflasche auf der Couch.<\/p>\n<p>Kurz zum Wetter: Es liegt 30cm Neuschnee. Es ist kalt. Die Sonne scheint. \ud83d\ude42<\/p>\n<p><strong>17. Februar &#8211; 21. Februar<\/strong><\/p>\n<p>Mit einem neuen Haarschnitt startete ich in das sonnige und verschneite Wochenende. Die letzten Tage hatte es gar nicht mehr aufgeh\u00f6rt zu schneien; gro\u00dfe Flocken, kleine Flocken, mit Sturm von der Seite, mit Sonne von oben, richtige fiese kleine Flocken die fast schon als Hagel durchgehen und perfekt geformte Flocken die langsam dahinschwebten. Die Temperaturen liegen bei angenehmen minus 5 bis minus 23 Grad Celsius und mit dem Schneeschaufeln komm ich gar nicht mehr nach.<\/p>\n<p>Am Samstagabend ging ich auf das FrozenRiverFest, f\u00fcr viele das &#8222;Highlight des Winters&#8220;. Bei Livemusik und gutem Essen steht man direkt am zugefrorenen Kenai River um Lagerfeuer herum, genie\u00dft Musik, Leute, Essen, Bier und zum Schluss ein gro\u00dfes Feuerwerk. Am Lagerfeuer stehend, kam pl\u00f6tzlich eine Dame auf mich zu und fragte, welches Auto ich denn fahre. Mit meiner Antwort &#8222;Ford Bronco&#8220; war sie mehr als gl\u00fccklich, wollte alles \u00fcber das Auto wissen und meinte zum Schluss: &#8222;Ich arbeite beim Radio, Sie sollten unbedingt zu einem Interview kommen!&#8220;. Mehr als \u00fcberrascht und \u00fcberrumpelt nickte ich und wusste gar nicht mehr, was ich sagen soll. Die Nummern wurden ausgetauscht und jetzt bin ich mal gespannt, ob das wirklich zu Stande kommt.<\/p>\n<p>Nun hatte es mich dieses Wochenende dann auch noch so richtig mit Heimweh erwischt. Dazu kam ein Lagerkoller und ein allgemeines Zefix-Gef\u00fchl. Ich vermisste meine Familie, meinen kleinen Leopold und meine Heimat. Die Kirchenglocken fehlten mir, eine Umarmung, ein bisschen Bl\u00f6dsinn, der Dialekt, die Alpen, meine Freunde, ach es fehlte auf einmal alles. Zum ersten Mal wollte ich mich zumindest f\u00fcr einen Tag nicht mehr &#8222;arrangieren m\u00fcssen&#8220;. Mal hei\u00df und lange duschen und nicht lauwarm und blitzschnell, keine Hundehaare von den drei Huskydamen finden, eine saubere und nicht komplett verw\u00fcstete K\u00fcche entdecken, ein bisschen &#8222;deutsche Sauberkeit&#8220; haben, nicht Englisch sondern Boarisch reden und vor allem, meine Familie um mich haben. Somit weinte ich ein bisschen vor mich hin, schippte w\u00fctend Schnee, sah zur Beruhigung einen sch\u00f6nen Disney Film an und ging mit einem total verkorksten Gef\u00fchl und roten Augen in mein Bett. Nach einem langen Skype-Gespr\u00e4ch mit meinen Eltern geht es mir jetzt wieder gut, \u00e4ndern kann ich die Situation ja eh nicht. Zumindest war es bislang erst\u00a0der erste gro\u00dfe Einbruch, es h\u00e4tte schlimmer kommen k\u00f6nne. Immerhin sind es nur noch knappe 5 Monate und ich kann mich auf das Zwischenseminar in Washington DC Anfang M\u00e4rz freuen und dann geht es f\u00fcr mich danach eine Woche nach Nome auf den Iditarod. Ein Zefix-Wochenende reicht mir vollkommen, nach den zwei Wochen &#8222;Auszeit&#8220; in Washington DC und Nome sieht die Welt schon wieder ganz anders aus und dann sind es ja quasi nur noch 4 Monate. Also, neues Ziel, neues Gl\u00fcck, neue Kraft; liebe zweite Halbzeit, dich krieg ich auch noch hin!<\/p>\n<p><strong>22. Februar &#8211; 27. Februar<\/strong><\/p>\n<p>Am Freitag traf ich mich mit ein paar Bekannten zum Essen. Auf dem Weg dorthin sah ich zu meiner linken Baby Elch stehen und bremste langsam herunter, denn wo ein Baby ist, da ist auch irgendwo eine Mama. Nachdem der Kleine relativ nah stand, kurbelte ich das Fenster hinunter und machte ein paar Fotos. Mama Elch entdeckte ich ein bisschen weiter dahinter, somit konnte ich ohne Gefahr weiter fahren. Ich drehte mich zum Beifahrersitz, um meine Kamera wegzupacken und erschreckte mich fast zu Tode. 5cm vor der Beifahrert\u00fcr stand ein riesiger Elch und glotzte zum Fenster rein. Die Beine steckten tief im Schnee, der K\u00f6rper versteckte sich noch im Geb\u00fcsch, nur der riesige Kopf kam aus den Str\u00e4uchern herausgeragt und glotzte mich an. Ich glotze zur\u00fcck und wusste sogar nicht wie ich mich verhalten soll. Nach ein paar Minuten entschloss ich langsam weiter zu fahren und rollte in die Einfahrt. Nach einer kurzen Verschnaufspause stieg ich aus und wollte in das Haus gehen. Fehlanzeige. Direkt vor der T\u00fcr stand der n\u00e4chste Elch und um die Ecke lugte der Nachwuchs. Da mit einem Mama Elch nicht zu spa\u00dfen ist, wartete ich und hoffte, dass sich die Beiden bald in den Wald verkr\u00fcmeln w\u00fcrden. Taten sie aber nicht. Indessen trafen die anderen Damen ein und wir standen zu dritt vor dem Haus und warteten. Nach geschlagenen 15 Minuten setzte sich zumindest Frau Elch in Bewegung und machte einen kleinen Weg zur Eingangst\u00fcre frei, sodass wir mucksm\u00e4uschenstill an ihr vorbei in die Garage schleichen konnten. Geschafft!<\/p>\n<p>Am Samstag durfte ich dann etwas ganz besonderes unternehmen. Skifahren in Alyeska, Alaska`s gr\u00f6\u00dftem Skigebiet! Nach einer 2 st\u00fcndigen Autofahrt kamen wir an dem Skigebiet an, ich lieh mir das ganze Equipment aus (sogar die St\u00f6cke, obwohl ich nie wei\u00df was ich damit machen soll&#8230;) und los ging`s! Bei bestem Wetter schaukelte mich der Sessellift bis ganz nach oben und ich durfte den wahnsinnig tollen Ausblick auf die verschneiten Bergketten und das Tal genie\u00dfen. Es hat so viel Spa\u00df gemacht, endlich mal wieder die Piste herunter zu sausen, hinter einem Schneestaubwolken zu zaubern, mit viel Schwung durch flachere Teile der Piste zu wedeln, mit Kraft beide Ski elegant zum stehen zu bringen und dann mit m\u00fcden Beinen im Lift zu sitzen, nur um gleich wieder das selbe Hochgef\u00fchl zu erleben. Fast jeden Hang nahm ich mit und konnte gar nicht mehr aufh\u00f6ren zu grinsen. Ich genoss das schleifende Ger\u00e4usch der Ski, wenn ich langsam dahinglitt und das kratzen der Kanten auf dem (leider sehr vereisten) Hang, die Stille im Sessellift \u00fcber dem Wald und sogar das kreischen der Kinder am Lifteinstieg passte perfekt in das Bild. Mit rot gef\u00e4rbter Nase und Wangen vor K\u00e4lte und Freude, m\u00fcden Beinen und \u00fcbergl\u00fccklich ging es am Sp\u00e4tnachmittag wieder nach Hause. Im Tal hatte sich eine ziemliche\u00a0Wolkenbr\u00fche mit Nebel\u00a0niedergelassen aber bis auf ein paar weniger Nebelschwaden\u00a0blieb alles unten. Es war ein fantastischer Ausflug und ich kann es kaum erwarten, wieder auf\u00a0Ski zu stehen. Ein paar Bilder habe ich\u00a0hochgeladen, viel Spa\u00df beim ansehen!<\/p>\n<p><strong>28. Februar &#8211; 01.<\/strong> <strong>M\u00e4rz<\/strong><\/p>\n<p>Und schon ist es M\u00e4rz. Wahnsinn. Viel gibt es seit dem Wochenende nicht zu berichten, ich versinke ein bisschen in Hausaufgabe und B\u00fcchern die ich lesen sollte aber es wird ein schon ein bisschen lichter. Da es am Freitag f\u00fcr mich eine Woche nach Washington DC zum Zwischenseminar geht, hei\u00dft es Waschen, Packen und \u00a0Hausaufgabe vorarbeiten. Die Vorfreude steigt t\u00e4glich, endlich sehe ich die anderen Teilnehmer wieder und bin schon gespannt auf deren Stories. Ein bisschen Gro\u00dfstadt ist zur Abwechslung wohl mal nicht schlecht, obwohl mir die Adler und Elche jetzt schon abgehen. Auch das Wetter bereitet mir gerade etwas Pack-Schwierigkeiten, von minus 20 auf plus 25 Grad Celsius, das ist eine Herausforderung.\u00a0Insofern w\u00fcnsche ich allen eine gute Woche und lass nach dem Gro\u00dfstadttrip wieder von mir h\u00f6ren!<\/p>\n<p><strong>03. M\u00e4rz &#8211; 10. M\u00e4rz <\/strong><\/p>\n<p>Nach \u00fcber 15h Fliegen, an Flugh\u00e4fen herumirren, Busverbindungen suchen und in der Metro stehen, kam ich endlich am Samstagabend bei meinen &#8222;neuen&#8220; Gasteltern in Washington\u00a0DC an. Das junge Paar lebte selbst f\u00fcr einige Zeit in Deutschland (u.a. mit dem PPP) und teilte sich\u00a0mit mir f\u00fcr einen Tag das sch\u00f6ne Apartment in Georgtown. Wir lachten viel zusammen und nach einer belebenden Dusche gab es Tapas und das beste Cupcake Restaurant wurde unsicher gemacht. Am n\u00e4chsten Tag wachte ich von den V\u00f6geln auf und musste mich erst wieder an das ganze gr\u00fcne Zeug drau\u00dfen gew\u00f6hnen. Die Blumen bl\u00fchten, V\u00f6gel zwitscherten und gr\u00fcnes Gras schoss aus der Erde, das war so ganz anders als im tief verschneiten Alaska. Am fr\u00fchen Nachmittag machte ich mich auf den Weg in das Hostel und traf die anderen Teilnehmer vor dem wei\u00dfen Haus. Das Wetter war sehr warm und ich schwitze mir die Seele aus dem Leib, jedoch sah ich auch Leute mit Handschuhe, Winterjacke und sogar einmal mit Schneehose durch die Stadt spazieren. Wahnsinn. Das Programm war ziemlich straff, Diskussionsrunden, Gruppenarbeit, Reden, Vortr\u00e4ge, Evaluationen und dann noch Sightseeing. Die 4h Zeitverschiebung brachten mich ziemlich durcheinander und der lange Flug steckte mir immer noch in den Knochen. Die\u00a0sehr interessanten Vortr\u00e4ge von dem US Department of State, der Embassy of the Federal Republic of Germany und dem Reporters Committee for Freedom of the Press, verlangten hohe Konzentration und das wurde zum Schluss immer schwieriger. Am Ende des Tages ergriff die M\u00fcdigkeit nur so von mir Besitz und ich viel in ein Bett. Tags darauf hie\u00df es Business Dress Code; den war ich ja schon so gar nicht mehr gew\u00f6hnt. Wir bekamen zuerst eine sehr interessante Tour durch Capitol Hill und dann eine durch das Newseum, ein Museum \u00fcber die News. Sehr interessant gestaltet, nur leider hatten wir etwas zu wenig Zeit, um alles zu erkunden, denn um 14:30 standen die ersten Congressional Meetings an. Ich hatte die Ehre im B\u00fcro von Don Young -Congressman for all Alaska- Mr. Jesse von Stein zu treffen. Er nahm sich eine halbe Stunde Zeit f\u00fcr mich, um \u00fcber das Programm, Politik, Auslandsaufenthalte und\u00a0 meine Erfahrungen in Alaska zu reden. Danach schlenderte ich durch die National Mall und bewunderte die Kirschbl\u00fcten, beobachtete neugierige Eichh\u00f6rnchen und genoss ein riesiges Schokoladeneis. Am Mittwoch gab es nach dem Fr\u00fchst\u00fcck eine Evaluation und schon ging es wieder zur\u00fcck nach Hause. Ein weitere langer Flug mit viel Warterei und ohne Schlaf lag vor mir. Es hat ich sehr gefreut, alle anderen Teilnehmer wieder zu sehen und Erfahrungen auszutauschen und auch Washington DC hat mir im Vergleich zu New York City sehr gut gefallen. Nichts destotrotz war ich froh, als ich der Zivilisation wieder entfliehen konnte und die Bluse gegen einen Fleecpulli und die Stadtschuhe gegen Winterboots eintauschen konnte. Nun sitze ich wieder bei Minusgraden in Eis und Schnee und freue mich riesig auf mein n\u00e4chstes Abenteuer; am Sonntag geht es eine Woche nach Nome zum Iditarod, dem gr\u00f6\u00dften Hundeschlittenrennen der Welt!<\/p>\n<p><strong>11. M\u00e4rz &#8211; 19. M\u00e4rz <\/strong><\/p>\n<p>Bevor ich von meinen Highlights in Nome berichten werde, m\u00f6chte ich kurz die Stadt, oder mehr das \u00d6rtchen Nome beschreiben. Mit knappen 4000 Einwohner liegt Nome im Nordwesten von Alaska und ist nur via Flugzeug erreichbar; eine Stra\u00dfe gibt es nicht. Bei durchschnittlich minus 7 Grad Celsius und starkem Nordwind wachsen dort nur stark vereinzelt kleine krumme B\u00e4umchen. Die Tundra erstreckt sich kilometerweit und ist momentan schneebedeckt. Moschusochsen, Schneehuhn und ein paar Elche nennen die Tundra ihre Heimat. 59% der Einwohner sind Natives, welche den\u00a0St\u00e4mmen Yupik und Inupiak &#8211; auch bekannt als &#8222;Eskimos&#8220; &#8211; angeh\u00f6ren. Eskimo hei\u00dft \u00fcbrigens Schneeschuhnetzleger und nicht wie weit verbreitet Rohfleischesser. Es gibt genau 4 Stra\u00dfen aus Nome mit insgesamt 245,5 Meilen Reichweite, jedoch h\u00f6ren die Stra\u00dfen mitten im Nichts auf und im Winter (Oktober bis Mai) sind diese nicht befahrbar. Da alle G\u00fcter mit dem Flugzeug gebracht werden, sind die Preise dementsprechend hoch, 3 Liter Milch kosten ca. 7$. Wirtschaftlich war Gold, Gas und \u00d6l eins gro\u00df, heutzutage ist es mehr Gesundheitswesen, Staat und Service. Immerhin kommen durchschnittlich 7000-8000 Besucher j\u00e4hrlich nach dem dreist\u00fcndigen Flug von Anchorage nach Nome. Attraktionen sind Gold, Iditarod, Jagen, Fischen und Natur. Aber nun geht&#8217;s los:<\/p>\n<p>Bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel kam ich in Nome an und hab mich sofort als Volunteer f\u00fcr vier Tage im Dog Lot eingeschrieben. Im Dog Lot werden nach der Ankunft der Musher (Hundeschlittenf\u00fchrer) die Hunde versorgt. Am Montag ging es zur Fine Arts Show; wunderbare Pelzartikel, Skulpturen aus Elfenbein und Kunstartikel waren zum Verkauf angeboten. Ich erstand ein tolles Gem\u00e4lde von meiner favorisierten Musherin DeeDee Jonrowe. Weiter ging es zum Gespr\u00e4ch mit Howard Farley, einer der Gr\u00fcnder des Iditarod. Er erz\u00e4hlte begeistert Geschichten aus der &#8222;alten Zeit&#8220; und es war wahnsinnig interessant und spannend, ihm zu zuh\u00f6ren. Dienstags ging es fr\u00fch morgens zu einem Treffen aller Dog-Lot-Volunteerer und wir wurden in unsere Arbeit eingewiesen. Leider durften im Dog Lot von niemandem Fotos gemacht werden, da ein Bild von einem schlafendem (!) Hund wohl ins Netz mit dem Titel &#8222;n\u00e4chster Tod im Iditarod&#8220; gelangt ist. Liebe Tierschutzorganisationen und Co., ich sch\u00e4tze ja eure Arbeit aber manchmal kann man es \u00fcbertreiben. Ohne Kontext und Hintergrundwissen den Iditarod zu verunglimpfen, geh\u00f6rt sich nicht! Meine erste Schicht begann um 14 Uhr und endete um 18 Uhr; 4h in der eisigen K\u00e4lte ausharren und auf die Hunde aufpassen, Musher einwinken und f\u00fcr Ordnung sorgen. Pl\u00f6tzlich ert\u00f6nte die Sirene, welche f\u00fcr jeden reinkommenden Musher ert\u00f6nt und ich hatte das Gl\u00fcck, Gewinner und neuen Rekordhalter Mitch Seavey live zu sehen und ihn in den Dog Lot einwinken zu d\u00fcrfen. Das war schon etwas besonderes aber als ich dann auch noch ein Foto mit ihm ergatterte und ein signiertes Buch von Dan Seavey (Musher im ersten Iditarod) bekam, war ich ganz aus dem H\u00e4uschen. Komplett durchgefroren starkste ich nach Hause und w\u00e4rmte mich mit Schneehuhn mit Spargel auf, so was feines! W\u00e4hrend der Nacht ert\u00f6nte drei Mal der Alarm und insofern war an viel Schlaf nicht zu denken. Etwas ger\u00e4dert stand ich auf und nach einem schnellen Fr\u00fchst\u00fcck lief ich hinunter zum Ziel, da Aliy Zirkle erwartet wurde. Mit Fan-Shirt stand ich am legend\u00e4ren h\u00f6lzernen Ziel-Bogen und machte eifrig Bilder. Dick eingepackt mit\u00a07 (!) Schichten machte ich mich auf zu meiner n\u00e4chsten Schicht. Durch den eisigen Wind war ich aber trotzdem nach 2h komplett eingefroren. Insofern torkelte ich am n\u00e4chsten Morgen mit Halsweh und Husten aus dem Bett. Somit addierte ich noch eine weitere Schicht und insgesamt 6 Zehen- und Handw\u00e4rmer hinzu; nach 2h kroch die K\u00e4lte mit dem Wind wieder durch alle Schichten hindurch und auch st\u00e4ndiges Bewegen half nur wenig. Am Ende meiner Schicht freute ich mich nur noch auf eine hei\u00dfe Dusche und Abendessen; Heilbuttbacken &#8211; was f\u00fcr ein Mahl! Der Freitag brachte noch einige Highlights mit sich. Ich sah DeeDee Jonrowe reinkommen und erwischte ein Foto mit ihr, schnappte die begehrten &#8222;Booties&#8220; (die Sch\u00fchchen f\u00fcr die Hunde) in krach pink und bekam meine Volunteer-Armbinde von Alyi Zirkle signiert! Wie im siebten Himmel wanderte ich breit grinsend zur\u00fcck zum Haus um alle Schichten f\u00fcr meine letzte Schicht anzuziehen. Nach einer halben Stunde anziehen zog ich etwas fr\u00fcher los, da ich noch auf die zugefrorene Beringsee wollte. Dan, der Bekannte bei dem ich \u00fcbernachten durfte, blieb zur Sicherheit am Ufer stehen, da das Eis trotz seiner Dicke an 4m nicht berechenbar ist. Langsam traute ich mich hinaus, nur ein paar Meter und schon stand ich mitten im Nichts. Eisiger Wind pfiff mir um die Ohren, welcher sich wie tausend Nadelstiche auf der Haut anf\u00fchlt. Ich vermummte mein Gesicht noch mehr und starrte in die wei\u00dfe Unendlichkeit. Am fernen Horizont verschmolz das wei\u00dfe schneebedeckte Eis mit dem gr\u00e4ulichen Himmel. Mit der K\u00e4lte kroch auch die Angst durch meine Lagen an Pullovern hindurch. Dieses unbeschreibliche be\u00e4ngstigende\u00a0Gef\u00fchl hier drau\u00dfen\u00a0im Nichts nicht \u00fcberlebensf\u00e4hig zu sein, stimmte mich nachdenklich. Wer sind wir Menschen denn eigentlich, wenn wir meinen, die Welt regieren , Natur zerst\u00f6ren und \u00fcber andere Menschen und Tiere bestimmen zu k\u00f6nnen? Im Grunde sind wir alle ein Niemand. Ohne Hilfsmittel sind wir nicht f\u00e4hig uns am Leben zu halten. Nicht wie der Eisb\u00e4r, dem Gott die Gabe gegeben hat in der ewigen K\u00e4lte zurecht zu kommen. Nicht wie dem Wei\u00dfkopfseeadler, den Gott mit einem messerscharfen Schnabel und t\u00f6dlichen Krallen ausgestattet hat. Nein, wir Menschen brauchen immer Hilfsmittel. Wir haben die Gabe, diese zu erfinden um zu \u00dcberleben aber viele haben den Respekt und die Ehrfurcht vor Mutter Natur verloren. Ein Niemand wie wir Menschen sind, sollte sich daran mal zur\u00fcck erinnern. Mit Respekt kommt man weit, ohne endet man wie ein Wal am Strand &#8211; verloren. Nach dieser kafkaesken Erfahrung beendete ich meine Schicht und verabschiedete mich herzlich von all den engagierten Ehrenamtlichen, welche ich w\u00e4hrend meiner Tage kennen und sch\u00e4tzen gelernt habe. Mit rot gef\u00e4rbten Backen, schmerzenden Gliedern und einer Erk\u00e4ltung sa\u00df ich grinsend und \u00fcbergl\u00fccklich beim Essen und lie\u00df den letzten Abend mit guten Gespr\u00e4chen mit Dan und Karen, ein weiterer Gast Dan`s, gem\u00fctlich ausklingen. Viel zu schnell verging diese wahnsinnig erlebnis- und lehrreiche Woche in Nome. Zum Abschied flossen nicht nur bei Dan ein paar Tr\u00e4nchen als wir winkend in den Flieger stiegen. Viele Bilder von Hunden, Mushern und dem\u00a0weiten Nichts der Beringsee werden mich noch lange an dieses\u00a0Abenteuer erinnern und\u00a0von den Erlebnissen werde ich noch lange zehren k\u00f6nnen. Voll gepackt mit Souvenirs und Mitbringseln stieg ich aus dem Flieger in Kenai aus und wurde von meinen Gasteltern und Hundedame\u00a0Saddie empfangen, zum Abendessen gab es frische K\u00f6nigskrabbe aus der Beringsee, das wohl ungew\u00f6hnlichste\u00a0Mitbringsel das ich je durch die TSA Kontrolle gebracht habe&#8230;<\/p>\n<p>Bilder stelle ich rein, sobald ich mich durch meine \u00fcber 900 Fotos von Hunden, Schnee und Beringsee durchgearbeitet habe&#8230;<\/p>\n<p><strong>20. M\u00e4rz &#8211; 26 M\u00e4rz <\/strong><\/p>\n<p>Nach einer unglaublich vollen Woche in der mich die Arbeit und das College fast \u00fcberrannt h\u00e4tten, habe ich nun alle R\u00fcckst\u00e4nde und Pr\u00fcfungen aufgearbeitet und f\u00fchle mich nicht mehr komplett hilflos. Zwischendurch schaffte ich es sogar, all meine Hunde- und Beringseebilder von Nome\u00a0auszumisten und ein paar Eindr\u00fccke hier online zu stellen. Viel Spa\u00df beim ansehen! \u00a0Am Wochenende waren Bekannte von meinen Gasteltern zu besuch, bei Elch-Rippchen und Heilbutt lachten wir \u00fcber Reise- und Hundegeschichten und verstanden uns alle recht gut. Am Sonntag wurde ich zum Dinner der AfS-Austauschsch\u00fcler eingeladen. Diese veranstalteten ein gro\u00dfes Abendessen f\u00fcr alle Gastfamilien, Freunde, Bekannte und zuk\u00fcnftigen Gastfamilien. Bei Gerichten aus Bahrain, Indonesien, Deutschland, D\u00e4nemark, Schweden, den Niederlanden und vielen mehr, stellten sich die Highschool-Exchangestudents mit einer kleinen Pr\u00e4sentation zu ihrem Land und Gericht vor. Ich probierte mich von schwedischer K\u00e4sesuppe \u00fcber indonesisches Curry bis hin zum libanesischem Baklava durch und auch meinen Gasteltern gefiel der Abend sehr gut. Am Ende stand pl\u00f6tzlich mein College Coordinator auf, schnappte sich das Mikro und stellte das PPP\/CBYX vor und orderte mich auf die B\u00fchne. Etwas \u00fcberrascht ging ich nach vorne und staunte nicht schlecht, als er mir das Mikro in die Hand dr\u00fcckte und sagte &#8222;Da, erz\u00e4hl mal was!&#8220;. Total \u00fcberrumpelt improvisierte ich eine 5-min\u00fctige Rede und\u00a0h\u00fcpfte wieder auf meinen Platz zur\u00fcck. Manchmal geht mir die Spontanit\u00e4t der Amerikaner\u00a0so richtig auf den Geist.<\/p>\n<p><strong>27. M\u00e4rz &#8211; 02. April <\/strong><\/p>\n<p>Nach einer sehr arbeitsintensiven Woche sehnte ich mich nach einem ruhigen Wochenende. Eigentlich wollte ich zum n\u00e4chsten Schlittenhunderenn fahren, doch mein K\u00f6rper schrie nur so nach Pause. Insofern verbrachte ich Samstag und Sonntag auf der Couch. Nun kehren langsam die Kr\u00e4fte wieder zur\u00fcck und ich plane die n\u00e4chsten Abenteuer \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Das Wetter ist momentan ein einziger Aprilscherz. Die Stra\u00dfen sind zwar endlich frei von Eis, da es die letzten Wochen ein wenig getaut hatte, heute fr\u00fch fand ich aber wieder Schnee auf meinem Auto. Die Temperaturen schwanken zwischen minus 10 Grad Celsius bis plus 0 Grad Celsius; Sonne, Wolken, Schnee alles ist momentan dabei. Manchmal geh ich an einem Tag durch gef\u00fchlt alle vier Jahreszeiten, die passende Schichtenzusammenstellung wird zur Herausforderung. Dem Wetter trotzend habe ich aber schon meine Fr\u00fchjahrsjacke rausgezogen, plus 0 Grad ist immerhin quasi schon eine sommerliche Temperatur. Apropos April: In 4 Monaten bin ich wieder in Deutschland! Wuhuu!<\/p>\n<p><strong>03. April &#8211; 09. April <\/strong><\/p>\n<p>Nachdem mein kleiner armer alter Bronco bislang alles mitgemacht hat, meldete er sich nun zu Worte. Beim Starten und Anfahren erklang seit einiger Zeit ein gr\u00e4ssliches quietschendes Ger\u00e4usch, bislang habe ich das ganz erfolgreich ignoriert in der Hoffnung, dass bis Mitte Juni noch alles gut geht. Nachdem aber der Schwei\u00dflehrer vom College mein Auto jaulen h\u00f6rte, bestellte er mich mit Auto in seine Werkstatt und 8 (!) riesige M\u00e4nner in dicken ledernen Schwei\u00dfklamotten beugten sich \u00fcber die offene Motorhaube und schraubten und werkelten begeistert wie kleine Kinder\u00a0daran herum. Etwas verloren stand ich dazwischen und verstand diese immense Begeisterung irgendwie nicht so ganz. Immerhin h\u00f6rte das kreischende Ger\u00e4usch danach auf und sie legten mir ans Herz, denn Keilriemen auswechseln zu lassen. Also verbrachte ich den Dienstag in der Werkstatt und nun ist alles wieder gut. So verging die arbeitsintensive Woche wieder relativ schnell. Am Samstag half ich zwischen Arbeit und Wettkampf meinen Gasteltern beim Holz holen und genoss am Palmsonntag die Messe. Alle standen drau\u00dfen in der Sonne und hielten Palmzweige in den H\u00e4nden, wie prozessierten um die Kirche herum und nach einer sch\u00f6nen Messe wurden alle gesegnet. Es war so ganz anders als daheim, obwohl ich zugeben muss, dass ich die h\u00fcbschen Palmbuschen von zu Hause vermisse. Ostern kommt ja in gro\u00dfen Schritten immer n\u00e4her, die Superm\u00e4rkte sind gestopft voll von Hasen, Eier, K\u00fccken, Nestern und Kunstgras. Eine ungesunde S\u00fc\u00dfigkeit toppt die n\u00e4chste, vom Marshmallow-Hasen bis hin zur Cotton-Candy-Oster-Torte. Cotton Candy ist eigentlich Zuckerwatte aber irgendwer hatte die geniale Idee es als Aroma zu verkaufen und nun findet man das \u00fcberall! Papps\u00fc\u00df und klebrig, ich finds etwas zu intensiv&#8230; Nach der Kirche bin ich noch in ein Jazz Konzert gegangen, welches aber nicht so mein Geschmack war, Electro und Jazz passt einfach nicht zusammen. Abends ging es dann mit meinen Gasteltern auf ein Blues Konzert; einsame spitze! Wir genossen den Abend sehr und schlossen ihn mit Erdbeer-Schoko-Eis ab.<\/p>\n<p><strong>10. April &#8211; 16. April\u00a0<span style=\"color: #ff0000\"> Frohe Ostern!<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Ostern in Alaska. Ostern russisch-orthodox. Ostern ohne Eltern. Ostern mit zu viel Essen. Ostern mit K\u00fcken.<\/p>\n<p>Die ganze Woche drehte sich um Ostern, wann wir wo hingehen, wer kommt wann, was wird gegessen und vor allem, wann schlafen wir? Ich war f\u00fcr die Torte zust\u00e4ndig und verbrachte nach der Arbeit den Samstag Nachmittag in der K\u00fcche und zauberte eine Ostertorte, diese kam sehr gut an und wurde auch schon zur H\u00e4lfte verputzt, da hat sich die viele Arbeit gelohnt. Abends wurde ich zum Essen eingeladen \u00fcbersah die Zeit, eigentlich wollte ich um 19 Uhr sp\u00e4testens zu Hause sein um &#8222;vorzuschlafen&#8220; f\u00fcr die Osternacht. Naja, egal, es war einfach zu sch\u00f6n. Somit hatte ich nur eine Stunde &#8222;Ruhephase&#8220; bevor es mit meinen Gasteltern in die russisch-orthodoxe Osternacht ging. Meine Gasteltern hatten mich eingeladen, sie dorthin zu begleiten und es war eine einmalige Erfahrung. Mal abgesehen davon, dass man in der 5-st\u00fcndigen Messe (!) stehen muss, war es sehr beindruckend. Danach gab es ein Ostermahl in der Kirchengemeinde\u00a0mit\u00a0K\u00e4senudeln, Truthahn, Salat, Steak, Kartoffeln, K\u00e4se, Torten, Kuchen und Brot; es war ja alles sehr lecker aber um 4 Uhr morgens Truthahn und fettige K\u00e4senudeln und danach noch ein St\u00fcck Sahnetorte essen war schon eine gro\u00dfe Herausforderung. Immerhin ging es meinen Gasteltern nicht anders, danach war uns allen schlecht und wir fuhren nach Hause. Somit kippte ich um 6 Uhr morgens in mein Bett und qu\u00e4lte mich um 9 Uhr wieder raus. Nach einer kalten, sehr belebenden Dusche fuhr ich in die katholische Kirche zum Ostergottesdienst, welcher sehr sch\u00f6n gestaltet war. Selbstverst\u00e4ndlich erwartete mich danach das n\u00e4chste Essen. Fr\u00fchst\u00fcck mit W\u00fcrstchen, R\u00fchrei, Zimtschnecken und Obst, mir w\u00e4re ja nicht schon schlecht genug. Da ich aber nicht unh\u00f6flich sein wollte, pickte ich in meiner Kinderportion alles brav zusammen und fuhr nach Hause. Kaum in der T\u00fcr, kamen G\u00e4ste. Mein Gastvater servierte feinsten ger\u00e4ucherten\u00a0Elchbraten, frisches K\u00e4sebrot, Eier, traditionellen Osterk\u00e4se und meine Torte. Mit leicht verdrehten Augen probierte ich mich durch alle Leckereien durch und es war ein sehr netter Nachmittag. Um 19 Uhr fiel ich ins Bett und schlief bis 9 Uhr morgens durch. Was der Osterhase bei uns dagelassen hat? 15 K\u00fcken. Knallgelb sitzen die leicht m\u00fcffelnden\u00a0Federb\u00e4llchen piepsend in einem Karton unter einer W\u00e4rmelampe in der Garage. Meine Gastmutter wollte H\u00fchner und mein Gastvater wollte Fleisch f\u00fcr den Winter, also gibt es 15 K\u00fcken die alle im Juli geschlachtet werden. Bin ich froh, dass ich da nicht mehr da bin. Die sind einfach zu niedlich, schlafen bei mir auf der Hand ein und klettern tollpatschig \u00fcber alles dr\u00fcber, nein, das w\u00fcrde mir schwer fallen die zu essen&#8230;.<\/p>\n<p><strong>17. April &#8211; 23 April <\/strong><\/p>\n<p>Nach einer \u00e4u\u00dferst turbulenten Arbeitswoche mit einem Kn\u00f6chelbruch einer Turnerin und einer intensiven Collegewoche mit Reden und Arbeiten freute ich mich auf ein langes Wochenende. Denn ich erf\u00fcllte mir meinen &#8222;Alaska-Traum&#8220;. Ich flog an das Ende der Welt.<\/p>\n<p>\u00c4u\u00dferst aufgeregt stieg ich am Donnerstag Mittag in den Flieger nach Utqiagvik\/Barrow und landete nach einem herrlichen Flug quer durch Alaska in der wei\u00dfen Unendlichkeit. Die Stadt Barrow, welche vor kurzem den urspr\u00fcnglichen Native-Namen Utqiagvik -hei\u00dft so viel wie &#8222;Platz wo man Schneeeulen jagen kann&#8220;- wieder angenommen hat, ist die n\u00f6rdlichste Stadt der USA und liegt ca. 2100km s\u00fcdlich vom Nordpol entfernt. Von den knapp 7400 Einwohnern sind gut 65% Inupiaq (Native-Americans). Die Sonne geht so gut wie gar nicht mehr unter, selbst um Mitternacht ist es noch taghell. Bei diesen \u00fcber 16 Sonnenstunden pro Tag, ist an einen Rhythmus und an Schlaf \u00fcberhaupt nicht zu denken. So konnte ich an meinem ersten Tag in der Arktis den Abend noch lange genie\u00dfen. Kurz vor meinem Abflug hat sich noch ein Kontakt \u00fcber das dortige College ergeben und ich wurde vom Flughafen abgeholt. Wir stellten uns einander vor und ich erz\u00e4hlte, dass ich aus Deutschland komme. Da wurden die Augen der Dame gro\u00df und sie schaute mich etwas verdattert an. Nach einer kurzen Pause erz\u00e4hlte sie mir auf Deutsch mit einem breiten grinsen auf dem Gesicht, dass sie aus Berlin kommt. Mir viel der Kinnladen nur so herunter, da fliege ich ans Ende der Welt und wen treffe ich? Eine Deutsche! Ich konnte es kaum glauben. Wir verstanden uns prima und gingen gemeinsam im Hotel &#8222;Top of the World&#8220; essen. Sie zeigte mir Barrow und brachte mich sp\u00e4ter zur\u00fcck zu meinem Hotel. Am n\u00e4chsten Tag durfte ich bei einer Inupiaq-Tanzstunde teilnehmen. Die Lehrer des Colleges studieren n\u00e4mlich zur Abschlussfeier ein paar T\u00e4nze ein und ich freute mich sehr, dass ich mitmachen durfte. Viel hatte ich schon gelesen und geh\u00f6rt \u00fcber diese traditionellen T\u00e4nze, da es erst vor kurzem in meinem Natives Kurs im College thematisiert wurde, jedoch hatte ich keine Vorstellung wie viel Spa\u00df das macht! Jede Bewegung hat eine Bedeutung und mit dem rhythmischen Klang der traditionellen Trommeln k\u00f6nnte man einfach immer weiter tanzen. Nach dieser tollen Erfahrung besuchte ich das Inupiaq Heritage Center und sah tolle Ausstellungen zu Kunst und Traditionen der Einheimischen. Um die Ecke konnte man Inupiaq-K\u00fcnstlern beim schnitzen von Elfenbein und Barten zusehen. Danach machte ich mich auf zum Supermarkt und w\u00e4re am liebsten beim Anblick der Preise schreiend hinausgelaufen. Eine Gallone Milch 11 $, 500gr. Nutella 27$, 12 Rollen \u00a0Toilettenpapier 20$, eine Gallone Sprit 5,90$. Ich war noch nie so froh, dass ich mir mein eigenes Brot mit K\u00e4se mitgebracht hatte. Eine leise Vorahnung der Preise hatte ich ja durch Nome schon, aber das es so teuer ist, h\u00e4tte ich nicht gedacht. Nach und nach wurde es mir dann klar, es muss ja alles erst nach Alaska geschifft und dann nach Barrow hochgeflogen werden. Insofern sind die Preise kein Wunder und ich verstand nun endlich, warum so viele Einwohner zum Einkaufen nach Fairbanks fliegen und mit gro\u00dfen Kisten zur\u00fcck kommen. Das kommt billiger. Auf diesen Preis-Schock brauchte ich erstmal ein Eis und stiefelte dick angezogen mit dem wohl teuersten Eis am Stiel das ich mir je gekauft habe, runter an die Chukchi See. Dort genoss ich die teure S\u00fc\u00dfigkeit mit einem atemberaubenden Blick auf das wei\u00dfe Nix. Bei den Temperaturen (minus 15 Grad Celsius), brauchte ich mir wenigstens keine Gedanken \u00fcber schmelzendes Vanilleeis zu machen. Ich schlenderte an der K\u00fcste entlang zum ber\u00fchmten Whalebone Arch. Ein Bogen aus zwei riesigen Waalknochen direkt an der K\u00fcste. Leicht tiefgefroren starkste ich abends zur\u00fcck ins Hotel und konnte vor Vorfreude auf den n\u00e4chsten Tag kaum schlafen. Ich bekam die Chance, eine Gruppe aus dem College raus auf das Eis zu begleiten! Am Vortag lieh ich mir im Forschungszentrum noch die richtige Kleidung aus und h\u00fcpfte aufgeregt zum Treffpunkt. Mir war alles viel zu gro\u00df, da es keine Damengr\u00f6\u00dfen gab; insofern trug ich Schuhe, welche mir 4 Nummern zu gro\u00df waren und Hose und Anorak, die ich leicht h\u00e4tte teilen k\u00f6nnen. Egal. Mit 4 Paar Socken, zwei Paar Hosen, 4 Oberteilen und zwei Paar Handschuhen f\u00fchlte ich mich zwar wie ein ausgestopftes schwangeres Michelinm\u00e4nnchen aber mich hat nicht gefroren! Gut eingepackt ging es mit den Schneemobilen raus auf das Eis, kleine rote F\u00e4hnchen und alte Autoreifen dienten als Wegweiser, denn das Eis ist gef\u00e4hrlich. St\u00e4ndig bewegen sich massive Eisbl\u00f6cke und hinter jedem haushohem Massiv muss man mit Eisb\u00e4ren rechnen. So gerne ich so einen aus der Ferne gesehen h\u00e4tte, jeder in der Gruppe hatten gr\u00f6\u00dften Respekt vor diesen Tieren, welche auch gerne Mal einen Menschen auf die Men\u00fckarte nehmen. Aufgrund dessen waren wir mit mehreren Gewehren, Notfallausr\u00fcstung, extra Sprit und Mitteilung an das Rescue-Center unterwegs. Nach einer Stunde Fahrt kamen wir auf einer gro\u00dfen Eisscholle an und vor uns lag das Camp der Waalfang-Crew. Traditionelle Boote, sog. \u00a0&#8222;Umiaqs&#8220; standen neben Zelten, Alubooten, Gewehren und Harpunen. Da am Vortag sich ein Eisb\u00e4r zu nahe ans Camp gewagt hatte, lief jeder mit Waffe herum und keiner verlie\u00df die Gruppe. Wir stiegen nochmals auf die Schneemobile und bahnten uns einen Weg \u00fcber die Eisberge, als sich nach kurzer Zeit die unendliche Weite des arktischen Ozeans vor uns erstreckte. Da stand ich nun, direkt vor dem arktischen Ozean, am Rande der Eisscholle und blickte in die Unendlichkeit. Tr\u00e4nen rollten an meinen Wangen hinab und mit verkl\u00e4rtem Blick nahm ich einen Buckelwal war. Hoch schoss die Font\u00e4ne gen Himmel als er atmete und mit ungeahnter Wucht schlug die Fluke beim abtauchen auf die Wasseroberfl\u00e4che. Ich drehte mich langsam zu meiner rechten und vor mir erstreckten sich kilometerlang die grotesk geformten Eisplatten in den Horizont. Der klare Himmel lieferte sich einen Wettstreit mit dem Blau des Meeres, die Sonne wurde stark von dem Eis reflektiert, welches in den verschiedensten Wei\u00df- und Blaut\u00f6nen schillerte; alles erschien mir so unecht. Immer mehr nahm ich nun die Umgebung war, sah die vielen Schneemobile der Crew, die Boote zu meiner linken und nun auch den Wal. Dieser wurde am Tag zuvor von der Crew gefangen, konnte aber aufgrund extrem schlechter Wetter- sowie Eisverh\u00e4ltnisse nur zur H\u00e4lfte verarbeitet werden. Der Anblick des riesigen Tieres (ich wusste ja gar nicht, wie gro\u00df so ein Buckelwaal sein kann) stand ich starken Kontrast zu der Umgebung. Immer wieder fuhren Boote raus, sobald eine Font\u00e4ne gesichtet wurde aber meist waren die Wale zu gro\u00df oder zu weit drau\u00dfen. Wir verbrachten den ganzen Tag mit der Crew, mir wurden verschiedene Jagd-Taktiken erkl\u00e4rt und warum der Klimawandel eine so gro\u00dfe Rolle beim Walfang spielt. Im Camp sprachen viele Inupiaq, was es f\u00fcr mich nicht einfacher machte. Neugierig fragte ich alles woran ich denken konnte und bekam geduldig Rede und Antwort gestanden. Was man von einem Wal alles verarbeiten kann! Von dem Fleisch \u00fcber die Knochen bis hin zu den Barten wird alles verwendet, nichts wird verschwendet. Die meiste Zeit starrte ich fasziniert auf den Ozean hinaus. Schw\u00e4rme an Prachteiderenten flogen knapp \u00fcber der Wasseroberfl\u00e4che und hi und da sah man in der Ferne ein Boot der Crew. Kurz vor der Abfahrt wollte ich mir noch einen Wunsch erf\u00fcllen. Kaum f\u00e4hig mich zu bewegen, legte ich mich langsam auf den Bauch und robbte bis an das Ende der Eisplatte, zog meinen Handschuh aus und steckte meine Hand in den arktischen Ozean. Hui war das kalt! Schnell zog ich meine rot gefrorene Hand wieder aus dem Wasser und schob mich langsam wieder zur\u00fcck und richtete mich schwerf\u00e4llig auf. Strahlend stolperte ich mit meinen viel zu gro\u00dfen Arctic-Boots zur\u00fcck zu den Schneemobilen und drehte mich ein letztes Mal um. Der riesige Wal ragte in die H\u00f6he, die Crew winkte und der Ozean erstreckte sich ruhig in die Ferne. Wieder rollten die Tr\u00e4nen, schnell schob ich mir meine Sonnenbrille auf die Nase und vermummte mein Gesicht hinter der Fleecemaske. Wir jagten in hoher Geschwindigkeit durch die Eisw\u00fcste, vorbei an Eisb\u00e4rspuren &#8211; ich dachte die seien gro\u00df aber mir wurde gesagt, dass ist ein kleiner B\u00e4r gewesen&#8230;-, Schneelandschaften und Eisgebilden, bis wir pl\u00f6tzlich wieder Point Barrow erreichten. Point Barrow ist der n\u00f6rdlichste Punkt der USA, nur mit dem Schneemobil zu erreichen und hat bis auf ein paar Messstationen nicht viel zu bieten. Auf der kleinen Anh\u00f6he stehend, blickte ich hinab auf die unendliche Weite und konnte es nicht begreifen, mein Herz h\u00fcpfte gl\u00fccklich auf und ab und ich strahlte \u00fcber beide Ohren. Zur\u00fcck am College sch\u00e4lte ich mich aus den riesigen Arktis-Klamotten und nahm ein Taxi zur\u00fcck ins Hotel. Hundem\u00fcde viel ich total ersch\u00f6pft in mein Bett. Die eisige K\u00e4lte, die schwere Ausr\u00fcstung, die starke Sonnenstrahlung, die unbeschreiblichen Eindr\u00fccke; ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen und viel in einen unruhigen Schlaf. Der Freitag brach herein und Nebelschwaden hingen \u00fcber Utqiagvik. Ich sortierte meine Gedanken und mein Gep\u00e4ck und schlenderte zum Flughafen. Langsam klarte der Nebel auf und ein weiterer sonniger Tag begann. Der Wind blies feine Eiskristalle in mein Gesicht und Schneeammer zwitscherten ihr Lied auf den D\u00e4chern. Als ich \u00fcber die Treppe in den Flieger stieg, schweifte mein Blick wieder in die endlose Ferne, einen Teil davon werde ich f\u00fcr immer in meinen Gedanken mitnehmen, aber ob ich je die richtigen Worte daf\u00fcr finden werde? Hoch in den L\u00fcften genoss ich nochmals den Blick \u00fcber die Landschaft, die Tundra verwandelte sich in Bergketten, Fl\u00fcsse durchzogen die W\u00e4lder, Schnee und Eis wichen langsam dem gr\u00fcn der B\u00e4ume und langsam machte sich wieder Zivilisation erkennbar; Stra\u00dfen vernetzten abgelegene Orte mit der Stadt, H\u00e4user ordneten sich reih an reih an der Stra\u00dfe entlang und Autos belebten die Verkehrsrouten. Um 17 Uhr landete ich bei feucht-schw\u00fclem Wetter in Kenai, kein Schnee, kein Eis, daf\u00fcr B\u00e4ume und Gras. Begreifen, nein, begreifen werde ich dieses Erlebnis wohl lange nicht. Ich habe es geschafft. Mein Traum ging in Erf\u00fcllung. Ich stand am Ender der Welt und habe meine Hand in den arktischen Ozean getaucht und die unendliche Weite bewundert. Wie viele Generationen nach mir das wohl noch erleben d\u00fcrfen? Ich bin so unendlich dankbar f\u00fcr diese Erfahrung und werde diese Reise nie vergessen.<\/p>\n<p><strong>24. April &#8211; 30. April <\/strong><\/p>\n<p>Letzte Collegewoche! Wow! Dieses Semester verging ganz sch\u00f6n schnell. Nachdem ich meine letzten Pr\u00e4sentationen und Reden hielt, mein Final einreichte und \u00fcberall &#8222;Goodbye&#8220; sagt, konnte ich es kaum glauben; ich habe das College erfolgreich hinter mich gebracht! Nach ein paar hektischen Arbeitstagen und einem Wettkampf hie\u00df es f\u00fcr mich schon wieder packen. N\u00e4chste Woche geht es f\u00fcr mich auf ein Forschungsschiff! Da ich als Landratte noch nie l\u00e4nger als ein paar Stunden auf See war, wurde das Packen zur Herausforderung. Nach 3 Mal umpacken und neu \u00fcberlegen bin ich endlich so weit. Koffer gepackt, Gummistiefel griffbereit, Kamera geladen, es kann los gehen! Ich bin super aufgeregt und nerv\u00f6s, hoffentlich werde ich nicht zu schlimm seekrank. Morgen geht es erst nach Seward und von dort legt das Schiff in den Golf von Alaska und den Prince William Sound ab. Insofern melde ich mich in der zweiten Maiwoche wieder, bis dahin hab ich weder Empfang noch Internet, daf\u00fcr viel Natur und mehr Abenteuer. Bis die Tage!<\/p>\n<p><strong>01. Mai &#8211; 10. Mai <\/strong><\/p>\n<p>So, nun kommt endlich der erwartete Bericht. Nachdem ich den Dienstag und halben Mittwoch mehr oder weniger komplett verschlafen habe, ist mein Gehirn nun halbwegs wieder denkf\u00e4hig&#8230;<\/p>\n<p>Da stand ich nun am Montag in Seward\u00a0im str\u00f6menden Regen, mit Gummistiefeln und Regenjacke ausgestattet und ziemlich aufgeregt vor der &#8222;Tiglax&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Tiglax&#8220; ist das Aleut-Wort f\u00fcr &#8222;Adler&#8220; und ist ein Forschungsschiff. Mit der 5-k\u00f6pfigen Crew und den Forschern waren insgesamt 18 Leute an Bord. Die Reise ging von der Universit\u00e4t von Alaska Fairbanks\/Abteilung Meeresbiologie\u00a0aus, welche sich auf die Forschung von Plankton, Wassers\u00e4ure und den N\u00e4hrstoffgehalten des Wassers fokussiert hat und diese Forschungsreihe seit 1996 betreibt.\u00a0Mit einem\u00a0Instrument wurden\u00a0Proben aus verschiedenen Wassertiefen genommen,\u00a0Licht- und\u00a0Temperatur gemessen, ein weiteres\u00a0Instrument lieferte\u00a0Plankton-Proben. Daf\u00fcr wurde ein Netz \u00fcber\u00a0Bord gelassen und die Beh\u00e4lter\u00a0mit dem Plankton am Ende in Gl\u00e4ser umgef\u00fcllt und in das Labor gebracht. F\u00fcr dieses Netz war ich mit einer Kollegin verantwortlich. Wie ich auf das Schiff kam? Es wurden ehrenamtliche Helfer gesucht und meine Bewerbung wurde\u00a0genommen. Aber nun die ganze Story:<\/p>\n<p>\u00dcber eine rutschige Metallleiter kletterte ich umst\u00e4ndlich auf das Schiff und wurde der ganzen Mannschaft vorgestellt. Nach viel aufbauen, hin- und herschleppen von Kisten und Instrumenten und beziehen der Koje, legte das Schiff nach dem Abendessen ab. Die Route f\u00fchrte uns raus auf den Golf von Alaska und nat\u00fcrlich gleich in den ersten Sturm hinein. Himmel was wurde ich seekrank! Trotz Medikamente f\u00fctterte ich die ersten Stunden auf See die Fische und konnte mich kaum auf den Beinen halten. Die erste Messstation war eine ganz sch\u00f6ne Herausforderung, bei hohem Seegang und wackeligen Beinen Wasser- und Planktonproben zu entnehmen wurde ganz sch\u00f6n schwierig. Immerhin war ich nicht die Einzige, das beruhigte mich ein bisschen. Komplett fertig mit der Welt kippte ich danach ins Bett und kroch am n\u00e4chsten Morgen ger\u00e4dert aus meiner Koje in die Komb\u00fcse zum Fr\u00fchst\u00fccken. Dort stieg mir der Geruch von Speck und R\u00fchrei in die Nase, was mich wieder in die Knie zwang. Zur\u00fcck im Bett schlief ich sofort wieder ein und wachte erst in Seward wieder auf. Moment, da lief doch jetzt was verkehrt. Warum waren wir zur\u00fcck? Es dauerte einige Zeit, bis ich herausfand, dass \u00fcber Nacht ein Instrument \u00fcber Bord ging und das nun ersetzt werden muss. Aha. Immerhin wackelte nichts im Hafen und so konnte ich meinen Magen mit Salzbrezeln und Tee ein bisschen auf Vordermann bringen. Ich muss zugeben, dass ich mit dem Gedanken spielte, von Bord zu gehen. Wie sollte ich das schaffen, mit\u00a0Seekrankheit\u00a0eine Woche bei rauer See zu arbeiten? Aber ich riss mich zusammen. Dieses Abenteuer wollte ich mir nicht entgehen lassen und nicht, ja wirklich gar nichts sollte mich davon abhalten. Somit nahm ich Medikamente und entschloss, auf dem Schiff zu bleiben. Gegen Mittag legten wir wieder ab und fuhren in den n\u00e4chsten Sturm. Dank der Medikamente f\u00fctterte ich zumindest keine Fische mehr, ganz klar im Kopf war ich daf\u00fcr auch nicht. Benebelt half ich bei den Messstationen mit und schlief dazwischen immer wieder ein. Gischt spritze \u00fcber die Reling und Wellen t\u00fcrmten sich bis zu 4m auf. Die See wirkte schwarz und bedrohlich, beim Arbeiten mussten wir uns an der Reling festklammern um nicht von einer Welle \u00fcber Bord verfrachtet zu werden. Mein Survival-Mustang-Suite, welcher jeder an Bord beim Arbeiten tragen musste, war komplett durchtr\u00e4nkt am Ende eines Tages und das Salzwasser hinterlie\u00df h\u00e4ssliche Spuren auf meinen Klamotten. Mein K\u00f6rper gew\u00f6hnte sich langsam ein bisschen an die st\u00e4ndige Schaukelei und mein Magen war so freundlich endlich wieder mehr als Salzbrezeln zu akzeptieren. Die K\u00f6chin zauberte drei Mahlzeiten am Tag f\u00fcr uns und es roch so fantastisch, bl\u00f6d das ich nur die H\u00e4lfte davon genie\u00dfen konnte. Die Crew war aber wirklich sehr nett und wir hatten so unseren Spa\u00df zusammen. Der Gang ins Bad oder in die K\u00fcche wird bei solchem Seegang ganz sch\u00f6n zur Herausforderung, nun wei\u00df ich endlich, dass die Haltegriffe wirklich Sinn machen&#8230;Doch eines morgens wachte ich auf und nichts wackelte! Der Himmel war strahlend blau und das Meer gl\u00e4nzte und glitzerte im Sonnenlicht. Albatrosse flogen \u00fcber unseren K\u00f6pfen und ein Seehund schwamm neugierig um das Schiff herum. Mir ging es endlich ein bisschen Besser und so genoss ich den Sonnenschein und sah den Albatrossen bei ihren ulkigen Lande- und Startversuchen zu. Die Arbeit mit den Planktonnetzen stellte sich als viel einfacher heraus, wenn man sich nicht st\u00e4ndig festhalten muss und endlich konnte ich alles essen. Gut, das Wetter hielt nur einen Tag an, die restliche Woche regnete es aus verschiedenen Richtungen, Wind fegte \u00fcber das Deck und Wellen rissen das Schiff nur so von einer Seite zur anderen. Im Festhalten wurde ich immer geschickter und konnte mich immer mehr auf die Landschaft konzentrieren. Im Prince William Sound bestaunte ich die riesigen Eisbl\u00f6cke im Wasser und durfte mit einem kleinen Schlauchboot n\u00e4her an den Columbia Gletscher heranfahren. Mutig kletterte ich aus dem Boot auf eine Eisscholle und genoss dieses komische Gef\u00fchl auf einer Eisscholle zu sitzen. Die Landschaft wechselte von Gletschern \u00fcber blanken Fels, Schneefelder und W\u00e4lder bis zur unendlichen Weite des Ozeans und die Tierwelt lies sich auch immer \u00f6fter Blicken. Orcas schossen ihre Wasserfont\u00e4nen in die Luft und flappten ihre Flossen in das Wasser, verschiedenste V\u00f6gel kreisten \u00fcber dem Schiff, Seehunde h\u00fcpften durch die raue See und Robben steckten neugierig in den Buchten die K\u00f6pfe aus dem Wasser. Die Messstationen waren \u00fcberall im Golf von Alaska, dem Prince William Sound und verschiedenen Buchten verteilt.\u00a0 Unter Anderem f\u00fchrte uns unsere Route nach Icy Bay, eine Bucht mit drei Gletschern. Der Regen kam an diesem Tag mal wieder von der Seite aber dank der sch\u00fctzenden Bucht schwappte das Wasser nur gem\u00e4chlich am Bug des Schiffes herauf. Der Kapit\u00e4n lies das Schlauchboot wieder herunter und wir bahnten uns einen Weg durch die Eisschollen zum Chenega Gletscher. Wir liefen an der K\u00fcste entlang und kletterten auf Eisberge, um eine bessere Sicht zu erhaschen. Regentropfen fielen auf die Linse meine Kamera und liefen mir \u00fcber das Gesicht. Nach einiger Zeit fuhren wir wieder zur\u00fcck zum Schiff, nur hatten sich die Eisschollen bewegt und unser Weg zur\u00fcck war versperrt. Mit viel Geduld schoben und dr\u00fcckten wir mit Paddeln und mit Hilfe des Bootes die Schollen teilweise aus dem Weg und schipperten langsam und mit vielen Umwegen zur\u00fcck. Da wurde mir zum ersten Mal bewusst, wie gef\u00e4hrlich das Eis sein kann. Gegen Mittag erreichten wir den n\u00e4chsten Gletscher, der Regen kam von der anderen Seite und mit feuchten Mustang-Suits h\u00fcpften wir wieder in das Schlauchboot. Diesmal waren uns keine Eisschollen im Weg und wir d\u00fcsten durch eine kleine Felsgruppe zur K\u00fcste. M\u00e4chtig dr\u00fcckte sich der Gletscher in die Bucht und ich konnte gar nicht auf h\u00f6ren zu grinsen. Kaum zur\u00fcck erwartete uns nach einer Messstationen der letzte Gletscher. Trotz M\u00fcdigkeit stieg ich in meinen inzwischen ziemlich nassen Mustang-Suit und kletterte ins Schlauchboot, der Regen hatte endlich aufgeh\u00f6rt und so schlug mir nur die Gischt ins Gesicht als wir mir hoher Geschwindigkeit \u00fcber die Wellen zur K\u00fcste ritten. Dort angekommen wanderten wir bis zur Kante des Gletscher. Majest\u00e4tisch ragte die Abbruchkante in den Himmel und im kristallklaren blau strahlte das Eis und zog meinen Blick magisch an. Ich konnte meine Augen kaum mehr von dieser Farbe abwenden, das Eis faszinierte mich mit seiner Form und immer wieder entdeckte ich neue Blaut\u00f6ne und kunstvolle Formen im Eis. Die Schichten ergl\u00e4nzten alle in einem anderen Farbton und ein Wasserfall aus Schmelzwasser formte einen breiten See vor der Gletscher. Das Wasser lag ruhig da und spiegelte die Formationen und Farben des Eises wieder. Robben lagen weiter hinten auf Eisschollen und blickten neugierig zu uns hin\u00fcber. Pl\u00f6tzlich ert\u00f6nte ein tiefes grollen und mit Get\u00f6se kalbte der Gletscher direkt vor meinen Augen. Ein riesiges St\u00fcck st\u00fcrzte in den See und verursachte eine Welle, welche langsam an das sandige\u00a0Ufer rollte. Erst sehr langsam realisierte ich, was ich da gerade erlebt hatte und setze mich ersch\u00f6pft auf einen Stein. Mein Anzug hing mir schwer am Leib, das Get\u00f6se des Wasserfalls rauschte in meinen Ohren und ich starrte auf den Gletscher. Eine einsame Tr\u00e4ne rollte verlassen an meiner\u00a0Wange hinab und versickerte in meinem Schal, mal wieder konnte ich die Auswirkungen des Klimawandels hautnah sp\u00fcren. Tausende von Jahren bauten sich diese Eismassen auf und nun zerst\u00f6rte der Mensch diese Massive an Eis St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck. So sa\u00df ich da auf dem kleinen Fels am Wasserfall, bekam einen nassen und kalten Hosenboden, sprang von einem Gedanken zum n\u00e4chsten und musste meine Augen zwanghaft von dem klirrenden blau abwenden. Immer wieder suchten meine Augen nach etwas mehr begreifbaren, ein Stein, der See, ein Baum, doch irgendwas zog meinen Blick immer wieder zur\u00fcck zu dem Gletscher. Nach einigen Stunden richtete ich mich schwerf\u00e4llig auf, streckte meine steifgefrorenen Glieder und marschierte langsam zur\u00fcck zu dem kleinen roten Boot am Stand. Meine gestiefelten F\u00fc\u00dfe trugen mich \u00fcber Steine, Sand, Schnee, Wasser, Moos und B\u00fcsche zur\u00fcck doch meine Gedanken blieben irgendwo am Eismassiv h\u00e4ngen. Robben schauten mich mit gro\u00dfen schwarzen Glubschaugen an und legten das K\u00f6pfchen schief, als ich in meinem knallorangen Anzug an ihnen vorbeimarschierte. Total ersch\u00f6pft viel ich in mein Bett und hatte kaum Zeit meine Gedanken zu sortieren. Was hatte ich da gerade erlebt? Werde ich das je begreifen k\u00f6nnen? Ich dankte dem Herrgott f\u00fcr dieses unendliche Gl\u00fcck, das erleben zu d\u00fcrfen und viel in einen tiefen Schlaf. Um 6 Uhr morgens riss mich der schrille Ton des Weckers aus dem Schlaf und ich machte mich fertig f\u00fcr die n\u00e4chsten Messstationen. Ich hatte komplett das Zeitgef\u00fchl verloren und wusste gar nicht mehr, welcher Tag war. Die Woche flog nur wieder so an mir vorbei und pl\u00f6tzlich waren wir wieder am Hafen in Seward. Alles wurde ausgeladen und zusammengepackt und nach dem gemeinsamen Abendessen fuhr ich zur\u00fcck nach Soldotna. Die M\u00fcdigkeit h\u00e4ngt mir in den Gliedern, in meinen Ohren dr\u00f6hnen noch immer die lauten Schiffsmotoren und es f\u00fchlt sich alles an wie ein Traum. Die Arbeit fing mich wieder ein und mein K\u00f6rper ist froh, dass nichts mehr schaukelt und mein Kopf nicht bei jeder Welle\u00a0an den Holzrahmen\u00a0am Bett schl\u00e4gt\u00a0aber wirklich begriffen habe ich dieses Abenteuer noch nicht. So viele neue Eindr\u00fccke, Erfahrungen und Erlebnisse, jetzt brauch ich erstmal Pause. Trotz Seekrankheit und Sturm, ich w\u00fcrde sofort wieder auf ein Schiff gehen, auch wenn mich die Plankton Forschung nicht sonderlich begeistert hat.<\/p>\n<p><strong>11. Mai &#8211; 21. Mai <\/strong><\/p>\n<p>Nachdem meine Gasteltern diese Woche nicht zugegen waren, h\u00fctete ich Haus, Hof, Garten, Gew\u00e4chshaus, diverse Zimmerpflanzen, drei Hunde und die 15 H\u00fchner. Bis auf zwei Tage regnete es in str\u00f6men und so konnte ich nochmal Kraft tanken, \u00fcber die n\u00e4chsten Abenteuer nachdenken und sch\u00f6ne Erlebnisse revue passieren lassen. Ich wurde ein paar Mal zum Essen bei Freunden eingeladen und arbeitete viel, da der letzte Wettkampf der Saison anstand. Diesen brachte ich am Samstag gut \u00fcber die B\u00fchne und die Jungs schlugen sich ganz gut. An einem der Sonnentage fuhr ich mit meinem Bronco an einen sch\u00f6nen See und machte ein paar Erinnerungsfotos, ein paar davon findet ihr unter &#8222;Impressionen aus der neuen Welt&#8220;. Da ich in 10 Wochen schon wieder zu Hause bin, hei\u00dft es langsam sich Gedanken zu machen, was wann wie und wo am besten den Weg nach Deutschland findet. Das erste Packet ist auf dem Weg zur\u00fcck und irgendwie ist dieser Gedanke, Alaska so bald zu verlassen, schon komisch. Wieder hei\u00dft es Zelte zusammenpacken und Freunde und Familie hinter sich lassen um zu den Freunden und der Familie zur\u00fcck zu kehren. Verr\u00fcckt. Der Regen prasselt immer noch unerm\u00fcdlich auf das Dach, selbst die V\u00f6gel und Eichh\u00f6rnchen lassen sich heute nicht blicken, und so sitze ich mit Tee und Reiseunterlagen auf der Couch und genie\u00dfe den Nachmittag. Zum Schluss m\u00f6chte ich noch kurz die Frage in den Kommentaren auffassen, ob ich die Welt oder die Welt mich entdeckt hat. Dar\u00fcber habe ich mir lange den Kopf zerbrochen aber um ehrlich zu sein, ich habe keine Ahnung. Vielleicht habe ich die Welt entdeckt und die Welt hat dabei nur ein bisschen nachgeholfen? Oder vielleicht entdeckte mich die Welt und ich hab ein bisschen l\u00e4nger gebraucht, um das zu kapieren? Wie dem auch sei, es ist gut so wie es ist.<\/p>\n<p><strong>22. Mai\u00a0 -04. Juni <\/strong><\/p>\n<p>Das lange Memorial Day Wochenende musste ich nat\u00fcrlich ausnutzen, von daher kommt erst jetzt ein l\u00e4ngerer Bericht von den letzten zwei Wochen.<\/p>\n<p>Am Freitag stieg ich mittags in den Flieger nach Fairbanks und wurde dort von einer Bekannten abgeholt. Geplant war im Denali National Park drei Tage zu campen, dort hatte es aber den Tag zuvor geschneit und bei 10cm Schnee am Boden ist zelten eher suboptimal. Somit entschlossen wir spontan (ich m\u00f6chte das nochmal hervorheben: Ich. war. spontan. Ich!) bei den etwas au\u00dferhalb Fairbanks gelegenen Chena Hot Springs zu wandern. Abends entspannten wir in den Hot Springs und fanden einen sch\u00f6nen Platz am Fluss, an dem wir das Zelt aufstellten. Am n\u00e4chsten Morgen wanderten wir den malerischen Angel Rock Trail und fuhren am Nachmittag gen Denali National Park. Dieser wurde 1916 zum Schutze des alaskanischen Schneeschafes erreichtet und umfasst nun \u00fcber 100 Acres. \u00a0Die Autofahrt zog sich durch wundersch\u00f6ne Landschaften und wir fuhren u. a. an dem Waldst\u00fcck vorbei, an dem der VW Bus und die Leiche von Chris McCandless gefunden wurde, dessen Geschichte sp\u00e4ter als &#8222;Into the Wild&#8220; verfilmt wurde. Kurz vor 18 Uhr erreichten wir auf letzter Minute das Besucherzentrum des Parks und reservierten uns Bustickets sowie einen Campingplatz im Park f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag. Etwas au\u00dferhalb des Parks fanden wir einen kleinen Platz zum zelten, direkt neben einem riesigen Biberdamm. Die Nach verlief etwas unruhig, ein Elch besuchte uns und erschrak die Biber, welche nat\u00fcrlich mit Get\u00f6se ihr Revier verteidigten. Leicht verknittert krabbelten wir so am Sonntag aus dem Zelt und h\u00fcpften kurz darauf in den Bus. Leider viel uns erst da auf, dass kein Bus am Montag vor 11 Uhr aus dem Park f\u00e4hrt und da ich den Zug um 11 Uhr erwischen musste, blieb mir keine Wahl als den letzten Bus am Sonntag wieder zur\u00fcck zu nehmen. Die Busfahrt war einmalig! Durch den Denali National Park zieht sich bis circa zur H\u00e4lfte eine Stra\u00dfe durch, welche von mehreren Bussen befahren wird. Private Autos sind im Park nur anfangs erlaubt, damit der Verkehr ein bisschen begrenzt ist und die Wildnis nicht zu sehr beeintr\u00e4chtig wird. Der gr\u00fcne Bus schl\u00e4ngelte sich an steilen H\u00e4ngen und um scharfe Felskanten herum, jederzeit bereit anzuhalten, falls ein Tier entdeckt wird. Karibu lagen in der Tundra-\u00e4hnlichen Landschaft, alaskanische Schneeschafe sprangen mit Nachwuchs an den Bergh\u00e4ngen entlang, Mama Braunb\u00e4r schlug sich mit ihren zwei Jungen durch die B\u00fcsche und Alpenschneeh\u00fchner sa\u00dfen in den Str\u00e4uchern; im Bus wurde sich um den besten Fensterplatz gerauft und Kameras verschiedenster Art und Gr\u00f6\u00dfe wurden \u00fcber K\u00f6pfe gehalten, um ja ein gutes Bild des Tierreiches zu ergattern. In der Vorsaison war die Stra\u00dfe nur bis zur H\u00e4lfe ge\u00f6ffnet aber selbst das war jeden Cent wert. Am Endpunkt Toklat vertraten wir uns die F\u00fc\u00dfe, machten uns unter sehr st\u00fcrmischen Konditionen etwas zu Essen und sprangen in den Vorletzten Bus zur\u00fcck. Meine Bekannte zeltete auf dem gemieteten Campingplatz und ich fuhr den ganzen Weg zur\u00fcck. Traurig war ich schon ein bisschen, dass das Zelten und Wandern im Park nicht geklappt hat, man kann halt nun mal nicht immer alles haben. Somit schlief ich zum ersten Mal in meinem Leben in einem Auto! Was f\u00fcr ein Erlebnis! Ich suchte mir einen ruhigen Parkplatz in der N\u00e4he der Bahnstation und machte es mir mit Schlafsack und Isomatte im Auto gem\u00fctlich. Ein bisschen komisch war das schon, nach kurzer Zeit schlief ich aber tief und fest und hatte keine Zeit mehr dar\u00fcber nachzudenken. In den fr\u00fchen Morgenstunden besuchten mich zwei Schneehasen und kurze Zeit sp\u00e4ter stolzierte Mama Elch mit zwei Neugeborenen \u00fcber den Parkplatz und w\u00fcrdigte mich keines Blickes. Der Nachwuchs kam kaum hinterher und es bot sich mir ein nur zu drolliges Bild, wie die Beiden ihre neue Welt auf den langen d\u00fcnnen Beinchen erkundeten. W\u00e4hrend dem Fr\u00fchst\u00fcck besuchte mich ein weiterer Elch. Ein einj\u00e4hriger Bulle glotze neidisch aus dem Geb\u00fcsch auf mein K\u00e4sebrot, so nahe war ich einem Elch noch nie, gef\u00e4hrlich nahe. Zwei Meter vor mir drehte er um und zupfte frisches Gr\u00fcn von den Zweigen im Wald, in der Zwischenzeit rutschte ich immer weiter nach Hinten in den Kofferraum und verhielt mich mucksm\u00e4uschenstill; meine K\u00e4sebrot wollte ich n\u00e4mlich auf keinen Fall teilen. Nachdem ich das Auto meiner Bekannten verschloss, ging ich zu der Bahnstation und checkte ein. Das Wetter war schon am Sonntag sehr tr\u00fcb und wolkig, am Montag regnete es aus Eimern. Ich kuschelte mich an meinen Fenstersitz in der Alaska Railroad und genoss die Fahrt auf einer der weltsch\u00f6nsten Eisenbahnstrecken bis nach Talkeetna.\u00a0Dieser Ort wurde in den sp\u00e4ten 1890 w\u00e4hrend des Glodrushes errichtet, provitierte dann von der Eisenbahn und ist heute meist\u00a0nur saisonal in den Sommermonaten\u00a0belebt. Kurz vor dem Ziel ging jedoch eine Schlammlawine den Hang hinunter und die Gleise waren mit B\u00e4umen und Felsen versch\u00fcttet. Es ging also den ganzen Weg wieder zur\u00fcck, alle Passagiere wurden in Busse umgeladen und im Hagelschauer fuhren wir bis nach Talkeetna. 7 Stunden Versp\u00e4tung. Fast wie bei der Deutschen Bahn. Um Mitternacht wanderte ich von der Bahnstation zu meinem Hostel und kippte hundem\u00fcde in mein Bett. An tiefen Schlaf war nat\u00fcrlich -wie seit mehreren Wochen- nicht zu denken. \u00dcber 20h Tageslicht und die restlichen 4h wird es auch nur d\u00e4mmrig. Ich w\u00e4lzte mich von einer Seite zur anderen und gab es irgendwann auf. Ich rappelte mich aus dem Bett, sprang unter die lang ersehnte Dusche und ging gegen\u00fcber in dem legend\u00e4ren Roadhouse Fr\u00fchst\u00fccken. Hier bestellte ich mir einen halben (!) Pancake-gerade mal 30cm im Durchmesser. Ich k\u00e4mpfte mich durch meinen Pizza-Pancake und wanderte durch das malerische \u00d6rtchen Talkeetna. Mit knappen 900 Einwohner lebt der Ort von dem Tourismus sowie den Bergsteigern, denn von hier werden die Bergbegeisterten in das Basecamp des Denali (vormals Mt. McKinley) geflogen. Denali ist mit seinen stolzen 6190m der h\u00f6chste Berg Nordamerikas, technisch wohl nicht zu herausfordernd, allerdings in Anbetracht des Wetters einer der schwersten Gipfel. Ich kam ins Gespr\u00e4ch mit einem Bergsteigern, welcher aufgrund starken Erfrierungen an den Fingern abbrechen musste, derzeit hatte es minus 40 Grad Celsius\u00a0\u00fcberhalb des Basecamps\u00a0und es schneite bis zu 3m Schnee t\u00e4glich. Da ich aber trotzdem den Gipfel sehen wollte, buchte ich einen Flug und bestaunte aus der Vogelperspektive den Tokositna Gletscher, das Basecamp, den gr\u00f6\u00dften Gletscher des Denali National Parks &#8211; Kahiltna, vorbei am Denali, \u00fcber Mt. Foraker und Mt. Hunter, weiter \u00fcber das Don Sheldon Amphitheater &#8211; hier treffen drei Gletscher zusammen und eine Bergkette umrahmt diesen Ort welcher nun einem Amphitheater gleicht- und zur\u00fcck \u00fcber den Great Gorge des Ruth Gletschers- diese Schlucht ist die tiefste der Welt, 1227,76m tief!- nat\u00fcrlich ist\u00a0alles mit Eis gef\u00fcllt, welches bis zu \u00fcber tausend Jahre alt ist, ohne Eis w\u00fcrde man aber\u00a0eine Schlucht mit einer Weite von \u00a01609,34m und einer H\u00f6he von 3218,69m bestaunen k\u00f6nnen. Nach diesem atemberaubenden Flug, versuchte ich die beeindruckenden Bilder bei einem schmalbl\u00e4ttrigen-Weidenr\u00f6schen-Eis (super lecker) zu verarbeiten. Am n\u00e4chsten Tag tr\u00f6delte ich durch die Kunstgalerien und genoss den Sonnenschein. Ich besuchte das \u00f6rtliche Museum und schlenderte mit den neu erstandenen Gem\u00e4lden zur\u00fcck zum Bahnsteig. Auf der R\u00fcckfahrt erbot sich mir nochmals der \u00fcberw\u00e4ltigende Blick des Denali, klarer Himmel und keine einzige Wolke \u00fcber dem Berg, was eine Seltenheit ist. Ein Schwarzb\u00e4r versperrte dem Zug einige Zeit den Weg, er fand es auf den Gleisen ganz gem\u00fctlich- ich kam aber trotzdem ohne Versp\u00e4tung um 20 Uhr in Anchorage an. Von dort nahm ich den Flieger zur\u00fcck nach Kenai, genoss ein letztes Mal den Blick von oben auf Anchorage und wurde von meinen Gasteltern am Flughafen aufgesammelt. Ersch\u00f6pft, mit neuen Endr\u00fccken \u00fcberw\u00e4ltigt, vielen Fotos im Gep\u00e4ck und Sonnenbrand auf der Nase, kam ich an und viel sofort ins Bett &#8211; was f\u00fcr ein Abenteuer!<\/p>\n<p>Kaum zur\u00fcck, ging es aber schon wieder weiter. Am Donnerstag bereitete ich mit meinen Gasteltern vor der Arbeit Kuchen und Essen vor, denn um 18 Uhr kamen meine G\u00e4ste, es war Zeit &#8222;Auf Wiedersehen&#8220; zu sagen. Am Lagerfeuer wurde Gitarre gespielt und Gesungen, die Sonne verlie\u00df den Himmel nicht, dass Essen wurde weniger, die Laune immer besser, Geschichten und Erinnerungen wurden Erz\u00e4hlt und ich begriff zum ersten Mal, dass ich Soldotna bald verlassen werde. Wir spielten Boccia, schossen Fotos und tauschten Adressen aus, um Mitternacht endete ein wundersch\u00f6ner letzter Abend im Kreise meiner Freunde und Bekannten aus Alaska. Werde ich diese Menschen jeh wieder sehen?<\/p>\n<p>Am Samstag trieb es mich nach Homer, die Stadt, in der ich am Strand mein Herz in die Landschaft verloren hatte. Ich traf einen Bekannten und gemeinsam fuhren wir mit dem Wassertaxi \u00fcber den Kachemak Bay. Die Sonne strahlte nur so vom Himmel und wir wanderten hoch zum Grewingk Galcier. Den Fluss \u00fcberquerten wir mit einer Tram; ein Stahlkorb welcher h\u00e4ndisch mit einem Seil \u00fcber den Fluss gezogen werden musste. Was f\u00fcr ein Spa\u00df! Am Grewinkg Glacier Lake angekommen, wurden wir von einem wundersch\u00f6nen Naturph\u00e4nomen belohnt. Vor uns erhob sich der Gletscher und auf dem See schwammen immer noch riesige Eisberge! Nach einer Rast ging es \u00fcber den Saddle Trail runter zur Halibut Cove, eine K\u00fcnstler-Bucht. Seeotter spielten im Wasser und ich watete mit nackten F\u00fc\u00dfen durch das Meer. Ein Wassertaxi holte uns dort wieder ab und wir schossen \u00fcber die seichten Wellen zur\u00fcck an den Homer Spit. Dieser war mit Touristen nur so \u00fcberf\u00fcllt und mit viel Gl\u00fcck bekamen wir in dem Lokal &#8222;Little Mermaid&#8220; einen Platz am Fenster mit Ausblick auf die noch verschneiten Bergketten. Ich schlemmten bei Putin (Pommes mit Gravy), Shrimps und Schokoladenmousse mit pinker Sahnehaube und wir lie\u00dfen den Abend mit Drachensteigen am Strand ausklingen. Was f\u00fcr ein herrlicher Tag! Er z\u00e4hlte zu einer meiner sch\u00f6nsten in Alaska und auf der R\u00fcckfahrt vorbei an Elchen, kullerten mir die Tr\u00e4nen nur so an den Wangen herab. Goodbye Homer! Ich hoffe, ich darf in meinem Leben nochmal dorthin zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>05. Juni &#8211; 18. Juni <\/strong><\/p>\n<p>Die Woche pl\u00e4tscherte so dahin, ich traf mich mit Freunden und Bekannten und am Wochenende ging es mit der Familie meines Chefs nach Anchorage. Dort hatte ich die M\u00f6glichkeit, mit Trainern aus ganz USA Turnerinnen trainieren zu d\u00fcrfen. So stand ich neben ehemaligen Olympiatrainern, Trampolinweltmeistern und Vorsitzenden des Olympiakomitees und lernte viele interessante Trainingsm\u00f6glichkeiten kennen. Es war ein unglaublich anstrengendes aber auch \u00fcberaus interessantes Wochenende indem ich viele neue und wichtige Kontakte kn\u00fcpfen konnte.<\/p>\n<p>Und so brach auch schon meine letzte Woche in Soldotna an. Es hei\u00dft Abschied nehmen. Ich hangelte mich von der Arbeit zum Eis essen, zum Brunchen und zum Abendessen und versuchte mein bestes, allen gerecht zu werden und keinen zu vergessen. Mein Koffer wurde immer voller und nun bekomme ich ihn nur mit aller Gewalt zu, die Wintersachen sind einfach zu sperrig. Meine Laune wechselt st\u00fcndlich zwischen immenser Vorfreude auf zu Hause sowie der Traurigkeit, hier alles zur\u00fcck zu lassen. Als ich mich in Deutschland verabschiedet habe, wusste ich wenigstens, dass ich zur\u00fcck komme in einem Jahr; aber hier? Werde ich je zur\u00fcck kommen? Ist es ein Abschied f\u00fcr immer? Ich wei\u00df es nicht; und das macht es manchmal nur noch h\u00e4rter. Am Samstag wurde ich von den Turnerinnen und Trainern mit einer kleinen \u00dcberraschungsfeier \u00fcberrumpelt. Alle waren da, eine gro\u00dfe Flagge der USA mit allen Unterschriften darauf hochhaltend. Heimlich wischte ich mir beim lesen der Abschiedskarten eine Tr\u00e4ne aus dem Gesicht, wie sehr sind mir doch alle hier \u00fcber das Jahr an das Herz gewachsen. Heute hatte ich nun die letzte Abschiedsfeier in der Kirche. Abschied sagen ist anstrengend. Nun sitze ich also etwas verloren in meinem Zimmer, betrachte das Chaos, welches noch irgendwie in meinen Koffer soll und kann meine Gef\u00fchle so gar nicht recht beschreiben.<\/p>\n<p>Morgen geht es f\u00fcr mich auf die F\u00e4hre, welche mich \u00fcber die Inside Passage nach Juneau und dann Ketchikan bringt. Dort werde ich je ein paar Tage die Stadt ansehen und mich nach zwei Wochen mit Teilnehmern vom Programm in Bellingham zum Essen treffen. Am 3 Juli geht es zur\u00fcck nach Juneau und mit dem Helikopter auf einen Gletscher, denn dort erwarten mich Schlittenhunde. Ich hatte mich Anfang des Jahres f\u00fcr eine Stelle als Dog Handler beworben und verbringe nun die letzten Wochen bis zur Abreise auf einem Gletscher und arbeite mit Hunden. Zuletzt geht es dann nach Washington DC zum letzten Seminar mit allen Teilnehmern. Ich habe die Ehre vor dem State Department eine Rede halten zu d\u00fcrfen und dann hebt mein Flieger nach Deutschland auch schon ab. Bis dahin werde ich euch nat\u00fcrlich auf dem Laufenden halten, soweit es die Internetverbindung erlaubt. Insofern verabschiede ich mich aus Soldotna und begebe mich langsam auf den Weg Richtung Heimat. Nur noch 6 Wochen!<\/p>\n<p><strong>19. Juni &#8211; 27. Juni <\/strong><\/p>\n<p>Meine Gasteltern brachten mich am Montag nach Whittier, eine kleine Hafenstadt am Rande der Kenai Peninsula. Dort hie\u00df es Abschied nehmen, meine Gasteltern fuhren auf einen Radurlaub mit der F\u00e4hre am Mittag, meine F\u00e4hre verlie\u00df den Hafen kurz nach Mitternacht\u00a0Richtung Juneau.\u00a0Der Abschied war aufgrund der\u00a0Hektik\u00a0um die F\u00e4hre kurz und knapp, aber kaum war ich alleine liefen die Tr\u00e4nen. So sa\u00df ich nun\u00a0weinend und\u00a0alleine\u00a0im leeren Wartebereich des Alaska Marine Highway Systems; \u00a013h Warten standen mir bevor; Zeit kann manchmal schon sehr langsam vergehen. Irgendwann war aber endlich die F\u00e4hre da und ich k\u00e4mpfte mich mit meinen vielen Koffern und Taschen bis ganz nach oben. Dort ergatterte ich mir einen Liegestuhl und machte es mir mit Isomatte und Schlafsack bequem. Selbstverst\u00e4ndlich wurde ich bei der \u00dcberquerung des Golfes wieder seekrank, sobald das Schiff aber die Inside Passage erreichte, ging es mir auch schon wieder besser. Ich schlief viel und ab und an entdeckte ich ein paar Wale. Am Mittwoch erreichte ich mittags Alaska`s Hauptstadt Juneau. Ich erkundete Downtown und erschrak \u00fcber die Touristenmassen. 2-7 Kreuzfahrtschiffe stoppen t\u00e4glich (!) in Juneau und laden tausende von Touristen auf einmal ab. Perplex wanderte ich zur\u00fcck zum Hostel und checkte ein. Sofort traf ich ein paar sehr nette Leute und wir gingen gemeinsam in eine Bar zum Musik h\u00f6ren und danach an dem nun leeren Hafen ein Eis essen. Am Donnerstag steuerte ich direkt die Touristeninfo an und holte mir ein paar Tipps, wie ich am besten die Touristenmassen vermeiden k\u00f6nnte. Ich erkundete die Stadt und klapperte die unendlich vielen und irgendwie ziemlich gleich aussehenden Souvenirshops ab. Leicht genervt schob und dr\u00fcckte ich mich durch beige Flanellhosen und Allwetterjacken und besuchte die verschiedenen Museen. Zwischendurch besserte ich meine Laune mit Eis auf und schluffte leicht ersch\u00f6pft \u00fcber den sich allm\u00e4hlich leerenden Hafen. So viele Menschen hatte ich ein ganzes Jahr nicht um mich herum, ich hatte ganz vergessen, wie anstrengend das sein kann. Abends schloss ich mich nochmal den anderen G\u00e4sten im Hostel an und wir gingen nochmal in die Stadt auf ein kleines Musikevent. Ein wahnsinnig sch\u00f6ner Abend ging mit Tanz und Musik zu Ende und ich freute mich auf den n\u00e4chsten Tag. Mit dem Kanu ging es \u00fcber den See des Mendenhall Gletschers und zu Fu\u00df durch die Eish\u00f6hlen und \u00fcber den Gletscher. Was f\u00fcr ein Erlebnis! Nat\u00fcrlich konnte ich mich wieder nicht satt sehen an dem faszinierenden blau der H\u00f6hlen und Gletscherspalten. Geb\u00fcckt krabbelte ich durch die Eish\u00f6hlen welche sich mir im schillernden dunklen blau und t\u00fcrkis pr\u00e4sentierten, gesichert durch ein Seil lehnte ich mich \u00fcber eine Gletscherspalte und kletterte danach zu einer Quelle hinunter. Mit Steigeisen an den F\u00fc\u00dfen ging es wieder hinunter zum Kanu und ich genoss nochmal den letzten Blick auf den sich vor mir majest\u00e4tisch erhebenden Gletscher. Ein Biber streckte frech seinen Kopf aus dem Wasser als ich zur\u00fcck in das Kanu kletterte und ein Adler zog am Himmel seine Kreise, als es durch stetiges paddeln zur\u00fcck an die K\u00fcste ging. Mit Sonnenbrand auf der Nase genoss ich mein Abendessen im Hostel und kippte sehr m\u00fcde in mein Bett. Am Samstag erkundete ich in Begleitung einen Teil des Glacier Gardens; hier sind B\u00e4ume durch eine Schlammlawine verkehrt herum in der Erde und ein K\u00fcnstler begann Blumen auf die Wurzeln der B\u00e4ume zu pflanzen, somit entstand ein verwunschener Garten inmitten des Regenwaldes in Alaska. Wir wanderten einen Wanderweg, mussten jedoch aufgrund erh\u00f6hter B\u00e4renaktivit\u00e4t auf halben Weg umkehren. Die Landschaft war so ganz anders als was ich bisher erleben durfte. Im satten Gr\u00fcn standen gro\u00dfe B\u00e4ume, Farne und vieles Mehr im sumpfigen Wald und es duftete ganz herrlich nach nassem Regenwald. \u00dcber die Tage schwankte das Wetter zwischen strahlendem Sonnenschein und Dauerregen aber f\u00fcr was hat man denn Gummistiefel und Co. dabei. Mit dem Bus ging es in die andere Richtung zum Strand, menschenleer lag er vor uns und es war einfach nur herrlich! Nach dem langen Fu\u00dfmarsch durch ganz Juneau kam mir der Berg zum Hostel noch steiler vor\u2026Der letzte Tag in Juneau brach an und ich verlie\u00df nach dem packen nochmal in Begleitung die Touristenpfade und wanderte im str\u00f6menden Regen zu einem Wasserfall. Etwas durchtr\u00e4nkt vom Regen bestieg ich am Sp\u00e4tnachmittag die F\u00e4hre und belegte wieder einen Liegestuhl auf Deck. Die Tage in Juneau waren anstrengend und so verschlief ich die 19 st\u00fcndige \u00dcberfahrt nach Ketchikan komplett. Da es aber nur regnete, verpasste ich wenigstens nicht so viel. Dank meiner XtraTuffs (braune Kultgummistiefel aus Alaska) wurde ich von den meisten als Einheimische betrachtet und die Verk\u00e4ufer von Touren lie\u00dfen mich meistens in Ruhe, ich sch\u00e4tze diese Stiefel nun noch mehr-wasserfest, touristensicher und bequem, was will man mehr? Am 26. Juni kam ich halbwegs ausgeschlafen mittags in Ketchikan an. Eine Bekannte holte mich ab und wir erkundeten nach dem Mittagessen die Totem Pole der Haida, Tlingit und Tshimshian St\u00e4mme etwas au\u00dferhalb der Stadt. Wir wanderten um den Ward Lake und ich staunte wieder \u00fcber das unendliche Gr\u00fcn des Waldes. Stetiger Regen tropfte auf mich hinunter und so kam ich mal wieder etwas durchweicht an dem neuen Hostel an. Auch hier stehen die gro\u00dfen Kreuzfahrtdampfer im Hafen und Touristenmassen schleusen sich durch die schmalen, auf Stelzen gebauten Stra\u00dfen durch Downtown. Ich fl\u00fcchtete mich in ein Wasserflugzeug und genoss den Flug nach Misty Fjords. Durch die durch Gletscher geformte Landschaft zogen sich riesige Seen und Wasserf\u00e4lle fielen tosend an steilen Bergh\u00e4ngen hinab. Das sumpfige Gebiet bot ein Farbenspiel in den sch\u00f6nsten gr\u00fcn, braun, gelb und Braunt\u00f6nen und nach einer Landung mitten im See ging es auch schon wieder in die L\u00fcfte und zur\u00fcck nach Ketchikan. Nach zwei Stunden war das Abenteuer vorbei und ich schlenderte durch die Stadt und die bekannte \u201eCreek Street\u201c; das Rotlichtmilieu der sp\u00e4ten Zwanziger. In den ehemaligen Bordellen h\u00e4ufen sich nun die Souvenirs und auf den Pf\u00e4hlen gebauten Stegen schieben sich die Touristen durch. Ersch\u00f6pft g\u00f6nnte ich mir in einem Park eine Schokopraline und schlenderte zur\u00fcck zum Hostel. Abenteuer sind anstrengend.<\/p>\n<p>Am Donnerstag, 28. Juni 2017 sind es noch genau 4 Wochen bis ich wieder in meiner Heimat bin. Komisch oder? Wie schnell das Jahr doch verging. Englisch geht mir fl\u00fcssig \u00fcber die Lippen und mein Akzent ist kaum mehr wahrzunehmen, doch die Deutsche Sprache f\u00e4ngt an zu verblassen. Wie oft musste ich schon W\u00f6rter zur\u00fcck \u00fcbersetzen oder \u00fcber die korrekte Satzstellung im Deutschen nachdenken. Es wird wohl Zeit, dass ich wieder nach Hause komme. So anstrengend ich es anfangs empfunden habe alles auf Englisch zu regeln, inzwischen ist es genau anders herum. Ich bin froh, dass ich die n\u00e4chsten vier Wochen noch so viel um die Ohren habe und gar nicht so genau \u00fcber den Abschied oder zu Hause nachdenken kann. In diesem Sinne verabschiede ich mich bis zur n\u00e4chsten stabilen Internetverbindung, liebe Gr\u00fc\u00dfe und bis die Tage!<\/p>\n<p><strong>28. Juni \u2013 07. Juli<\/strong><\/p>\n<p>Die Tage in Ketchikan vergingen schnell und schon sa\u00df ich wieder auf einem Liegestuhl hoch oben auf Deck der n\u00e4chsten F\u00e4hre. Nachdem ich ein bisschen Schlaf nachgeholt habe, genoss ich bei Sonnenschein die Fahrt. Wale prusteten Font\u00e4nen in die Luft und in der untergehenden Sonne h\u00fcpften Delfine durch die Wellen. Ich genoss den Fahrtwind und die Meeresluft und hatte ganz vergessen, wie sch\u00f6n so ein Sonnenuntergang sein kann! Bis zur letzten Minute starrte ich in den dunklen orangen Ton der langsam hinter den Bergen verschwand. Der Tag wechselte sich durch schlafen, essen, lesen, aufs Meer hinaus sehen, ausruhen und mit den anderen Leuten sich unterhalten ein klein wenig ab, jedoch genoss ich die Ruhe und tankte Kraft f\u00fcr die n\u00e4chsten Abenteuer. Ausgeruht erreichte ich am Freitag um 8 Uhr morgens Bellingham, eine kleinere Stadt im Bundesstaat Washington \u00fcber Seattle. Ich checkte in mein Hotel ein und erkundete ein wenig die Stadt, endete jedoch sehr bald wieder am Strand, hier war es ruhiger. Mit sonnenverbranntem Gesicht ging es zur\u00fcck und der Samstag bestand aus W\u00e4sche waschen, eine Dusche mit warmen Wasser genie\u00dfen und andere sch\u00f6ne Dinge der Zivilisation. Wie sehr man doch alles sch\u00e4tzt, wenn man es lange nicht hatte\u2026Am Sonntag holten mich zwei Teilnehmer des Programms ab; schlie\u00dflich hatte offiziell der Reisemonat angefangen und jeder war auf Tour. Zusammen mit Flo und Jens ging es mit der F\u00e4hre nach Lummi Island, eine Insel \u00fcber Bellingham. Dort erwartete uns ein Restaurantbesuch der Extraklasse; wir schlemmten uns durch 20 G\u00e4nge bestehend aus Seegurken, Austern, ger\u00e4ucherte Muscheln, Lachs, Krabbe, Brot, Garnelen und vielem mehr. Die schlichten und dennoch \u00e4u\u00dferst kreativen Pr\u00e4sentationen des Essens faszinierten uns alle drei und nach einer F\u00fchrung durch die K\u00fcche schlossen wir diesen sehr gelungenen Abend ab. Etwas zu fr\u00fch am Morgen ging es nach Seattle und von dort mit dem Flieger zur\u00fcck nach Juneau, Alaska. Dort bezog ich das bereitgestellte Apartment und bereitete mich auf meine Arbeit mit dem Helikopter und den Hunden vor. Allerdings viel das am n\u00e4chsten Tag buchst\u00e4blich ins Wasser. Dauerregen und Wolken, da blieb jeder Helikopter am Boden. Somit half ich Libby Riddels (erste Frau die den Iditarod gewonnen hat), bei ihren Pr\u00e4sentationen auf den Kreuzfahrtschiffen. Ich verkaufte B\u00fccher, Shirts und alles was das Touristenherz so begehrt vor und nach der Rede und bekam eine Vorstellung, wer denn so auf einem riesigen Dampfer den Urlaub verbringt. Immerhin durfte auch ich an das gut sortierte Abend-Buffet heran und so lohnte sich die Arbeit sehr. Am Mittwoch stand um 8.30 Uhr die erste Helikopter-Einf\u00fchrung an. Konzentriert folgte ich allen Schritten und Hinweisen, doch bevor es zur eigentlichen Arbeit kam, \u00f6ffnete der Himmel wieder seine Schleusen. Also verbrachte ich den Nachmittag und Abend wieder auf verschiedenen Schiffen und mir gefiel diese Arbeit wirklich gut. W\u00e4hrend meiner Mittagspause riss der Himmel auf und ich ergriff die Chance und fuhr mit der Gondel den Mount Robert hoch. Bei fantastischem Ausblick genoss ich meinen Mittag und musste \u201enur\u201c 1,5h anstehen um wieder runter zu kommen\u2026 Am Donnerstag war es endlich so weit; die Sonne schien und ab halb neun stand ich mit Warnweste und Ohrensch\u00fctzer auf dem Rollfeld des Flughafens und belud Helikopter mit Fracht und Passagieren. Das knattern der Rotorbl\u00e4tter bei einer \u201eHotload\u201c \u2013 sprich der Helikopter schaltet nicht ab \u2013 verursachte jedes Mal eine gewisse Hektik und geduckt rannte ich vor und zur\u00fcck um alle Passagiere richtig zu platzieren und anzuschnallen. Ab Mittag \u00fcbernahm ich meine eigene Gruppe und half bei Start und Landung; abends war ich \u00fcbers\u00e4t mit aufgewirbelten Staub der sich hervorragend auf meiner dicken Schicht an Sonnencreme abgelegt hatte und ich f\u00fchlte mich wie ein paniertes Schnitzel. Um halb neun Uhr abends ging es zur\u00fcck ins Apartment, fertig, gl\u00fccklich und zufrieden mit dem ersten \u201eArbeitstag\u201c. Am Ende des Tages erreichte mich noch eine sehr erfreuliche Nachricht; am Freitag soll es hoch auf den Gletscher gehen! Aufgeregt packte ich alles zusammen, hach, ich bin ja schon so aufgeregt!!<\/p>\n<p><strong>08. Juli &#8211; 12. Juli <\/strong><\/p>\n<p>Aufgeregt stieg ich am Freitag in den Helikopter. Ganz alleine sa\u00df ich vorne neben dem Piloten und erlebte meinen ersten Flug in einem Hubschrauber. Ich genoss den Blick \u00fcber Juneau und vor allem die vielen Gletscher und Bergketten, \u00fcber welche ich schwebte. Sanft setzten wir im Schnee neben dem Camp ab und ich lud schnell meinen Rucksack aus. Da war ich also, mitten auf einem Gletscher mit 75 Hunden und 5 Hundewelpen, welche zwei Tage zuvor das Licht der Welt erblickt hatten. Es ging hektisch zu, st\u00e4ndig starteten und landeten Helikopter mit Touristen, die mit den Hundeschlitten davon fuhren. Ich verschaffte mir einen ersten \u00dcberblick und st\u00fcrzte mich in die Arbeit. Diese besteht haupts\u00e4chlich aus Hundemist aufsammeln, Streicheleinheiten vergeben, f\u00fcttern, Hundeb\u00e4uche kraulen, Hundeh\u00e4user versetzen, Eimer schleppen, Schnee schaufeln, absp\u00fclen, nicht in Gletscherspalten fallen, sich mit den G\u00e4sten unterhalten, Helikopter einweisen, Schlitten aufstellen, Hunde einspannen, Leckerlies verteilen, mit dem Schneemobil Markierungspfosten umsetzen, Unmengen an Essen in sich rein schaufeln um bei Kr\u00e4ften zu bleiben, aust\u00fcfteln wie man am besten die nassen Sachen in einem kalten Zelt trocken bekommt, st\u00e4ndig Sonnencreme im Gesicht verteilen und irgendwann m\u00fcde in den Schlafsack krabbeln damit man am n\u00e4chsten Tag um 7 Uhr wieder alles von vorne anfangen kann. Vielleicht h\u00f6rt sich das f\u00fcr den ein oder anderen nicht verst\u00e4ndlich an, warum ich gerade das mache und auch noch toll finde; aber das ist nur ein kleiner Teil, den ich hier beschreiben kann. Das Gef\u00fchl von Gletschern umgeben zu sein, auf einem zu arbeiten, den Wasserfall im Hintergrund rauschen zu h\u00f6ren, von freudig wedelnden Hunden begr\u00fc\u00dft zu werden und dankbar einen Hundekuss f\u00fcr getane Arbeit zu bekommen, sowie nach jeder F\u00fctterung das \u201eDankes-Heulen\u201c von 75 Hunden h\u00f6ren zu d\u00fcrfen, genau das macht es aus und deswegen mach ich das. Ich bin gl\u00fccklich dort oben. Abends, wenn alle G\u00e4ste wieder unten sind und die Hunde selig in den H\u00e4usern schlafen, h\u00f6rt man nur noch den Wasserfall und ich putze mir in aller Ruhe drau\u00dfen vor meinem Zelt mit Blick auf den Gletscher die Z\u00e4hne und genie\u00dfe es. Jeden einzelnen Augenblick. Eigentlich waren nur drei Tage f\u00fcr mich geplant, bevor es wieder runter ging f\u00fcr einen Tag \u201eUrlaub\u201c; der Wettergott hatte aber seinen eigenen Plan. Bei dichtem Nebel, Regen von allen Seiten und Wind mussten alle Touren abgesagt werden und ich steckte mit drei anderen Mushern\/Helfern im Camp fest. Es gibt zwar schlimmeres, als auf einem Gletscher mit Welpen fest zu stecken, vor allem wenn man diejenige ist, welche sich um die Welpen k\u00fcmmern darf; aber nach einigen Tagen ohne flie\u00dfend Wasser sehnt man sich langsam aber sicher nach ein bisschen Zivilisation. Immerhin hatten wir Zeit und so genoss ich ein paar Fahrten in dem Hundeschlitten, bis ich irgendwann selbst oben stand und ganz alleine das Team \u00fcber den Gletscher lenkte. Was f\u00fcr ein Gef\u00fchl! Einfach atemberaubend! Wind und Regen schlug mir ins Gesicht und ich flog mit den Hunden nur so \u00fcber den Schnee, durch Gewichtverlagerung konnte ich den Schlitten um die Kurven lenken und musste ganz sch\u00f6n heftig in die Bremse treten, um das Team zu stoppen. Ich war begeistert! Am Dienstag ging es endlich runter, dass Wetter war immer noch schlecht und der Flug alles andere als entspannend, wie ein Ping-Pong-Ball wurde der Hubschrauber durch die Wolken geschubst und mir wurde ganz anders. Nachdem ich schon fast als olfaktorisches Attentat auf die Menschheit durchging, sprintete ich unter die Dusche und schmiss alles in die Waschmaschine. Danach f\u00fchlte ich mich um einiges besser und genoss in vollen Z\u00fcgen die Annehmlichkeiten der Zivilisation. Eiscreme, Kuchen, Obst, frische W\u00e4sche, neue Regenjacke (welche hoffentlich auch wasserdicht ist), McDonalds und ein Bett in dem man nicht aufwacht und alles aufgrund Kondensation nass ist. An meinem \u201efreien Tag\u201c arbeitete ich wieder mit Libby Riddels auf den Kreuzfahrtschiffen und verkaufte mehr B\u00fccher, einmal 180 Grad von dem Gletscher auf ein Kreuzfahrtschiff, das war heftig. So viele Menschen\u2026 Nun ist alles wieder gepackt, am Donnerstag geht es wieder hoch. Hoffentlich spielt das Wetter mit und der Flug ist nicht zu holprig.<\/p>\n<p><strong>12. Juli &#8211; 26. Juli <span style=\"color: #ff0000\">NEW<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Die Zeitverging wie im Fluge, Abenteuer Gletscher ist erfolgreich abgehakt. Ich konnte tats\u00e4chlich nochmal ein paar Tage mit den Hunden arbeiten, somit habe ich nun 10 Tage in einem kleinen Zelt auf einem Gletscher gelebt. Morgens beim Z\u00e4hneputzen die blaue Eiswand bewundert und abends das tiefe Grollen vernommen, wenn der Gletscher kalbte. Es war einzigartig. Die Arbeit war anstrengend und eint\u00f6nig aber es hat sich gelohnt. Bevor mein Flug nach Washington DC ging, verbrachte ich ein paar ruhige Tage in Juneau. Es hat fast nur geregnet und somit bestand mein Tag nur aus Essen und Schlafen. Meinen Koffer packte ich drei Mal um und endlich war Dienstag. Die Heimreise beginnt! Fr\u00fch morgens ging ich zu Fu\u00df (!)\u00a0 &#8211; wer hat das schon, den Flughafen 10 min vom Appartement weg?-zum Flughafen und nach 10h fliegen und in Flugh\u00e4fen warten kam ich in DC an. Himmel was war es hier hei\u00df! Dick und schw\u00fcl hing die Luft \u00fcber der Stadt und ich konnte kaum atmen. Durch die 4h Zeitverschiebung war ich total verdreht, war es doch hier schon Mitternacht aber mein K\u00f6rper mehr so auf 18 Uhr\u2026trotz Hitze schlief ich einigerma\u00dfen gut und rettete mich fr\u00fch morgens unter eine kalte Dusche. Die letzten Erledigungen vor der Abreise erledige ich Mittag und um 16 Uhr treffe ich mich mit allen anderen Teilnehmern zum Abschlussseminar. Ich bin gespannt was mich erwartet und sehr aufgeregt, da ich am 27.07. vor dem State Department eine Rede zur weiteren F\u00f6rderung des Programms halten darf! Das ist mir eine gro\u00dfe Ehre und ich freue mich sehr, diese Gelegenheit zu bekommen. Nun geht es in kurzer Hose und Shirt raus in die Hitze, mir graut es jetzt schon. Da war ich doch gerade noch von Schnee und Eis umgeben, trug Schneehose und Fleecjacke und nun zerflie\u00dfe ich in dieser unsagbaren schw\u00fcl-dr\u00fcckend-warmen Luft\u2026<\/p>\n<p>Wie schnell dieses Jahr doch vorbei ging. Ein Jahr voller Erlebnisse und Abenteuer. Es war nicht immer einfach aber R\u00fcckblickend muss ich sagen, ich w\u00fcrde es genau so wieder machen. Ich bereue nicht das geringste Abenteuer und m\u00f6chte keinen Augenblick missen. Das Jahr hat mich ver\u00e4ndert, meine Standpunkte und Meinungen zu verschiedenen Themen haben sich ge\u00e4ndert, mein Selbstbewusstsein ist gestiegen, denn ich habe gelernt, dass ich alles schaffen kann. Alles. Nun freue ich mich unglaublich auf meine Familie, wie sehr habe ich doch alle vermisst und ein Jahr kann lang sein. Ich kann es kaum erwarten, endlich wieder alle zu umarmen und meinem Hund ein K\u00fcsschen auf die Schnauze dr\u00fccken zu k\u00f6nnen. So sehr ich die Zeit in Alaska genossen habe, zum ersten Mal f\u00fchle ich mich fertig, nach Hause zu kehren. Ich vermisse meine Heimat so sehr.<\/p>\n<p>So, nun aber genug f\u00fcr heute. Mein Seminar ruft und ich brauche etwas l\u00e4nger um mich durch die Hitze mit dem ganzen Gep\u00e4ck zu qu\u00e4len. Der n\u00e4chste Eintrag kommt aus Deutschland! Mein liebes zu Hause, ich komme!!!<\/p>\n<p><strong>27. Juli &#8211; 31. Juli <span style=\"color: #ff0000\">NEW<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Ich bin zu Hause!!<\/p>\n<p>Was f\u00fcr eine Woche; Alaska, Washington DC, Vilsbiburg &#8211; einen gr\u00f6\u00dferen Unterschied innerhalb einer Woche k\u00f6nnte ich mir kaum vorstellen. Das Seminar ist gut gelaufen und meine Rede vor dem State Department ist sehr gut angekommen. Die Tage in DC waren f\u00fcr mich sehr anstrengend, so viele Leute um mich herum und dann noch das hei\u00dfe Wetter. Ich war schon sehr froh, als es endlich Zeit war in den Flieger zu steigen. Wirklich begreifen konnte ich es nicht, dass ich nun tats\u00e4chlich auf dem Heimweg bin. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen den Flug zu verschlafen, damit ich morgens in Deutschland fit bin; hat nicht geklappt. Ich war so aufgeregt und nerv\u00f6s, ich konnte mich kaum ruhig auf meinem Sitz halten. Pl\u00f6tzlich war es dann so weit, der Flieger setzte auf, das Gep\u00e4ck rollte heran und ich stand vor dem Ausgang. Nur eine gl\u00e4serne Schiebet\u00fcr trennte mich noch von meinen Eltern. Ein Jahr Erleben, ein Jahr Herausforderungen meistern, ein Jahr Probleme l\u00f6sen, ein Jahr sich arrangieren, ein Jahr alleine, ein Jahr weit weg, ein Jahr voller Erlebnisse, ein Jahr voller Mutproben, ein Jahr alles geben, ein Jahr auf sich gestellt sein, ein Jahr englisch denken, ein Jahr anders sein, ein Jahr was neues Ausprobieren, ein Jahr LEBEN. Ich habe es geschafft. Ich trat durch die T\u00fcr und viel meinen Eltern in die Arme. Freudentr\u00e4nen flossen und es f\u00fchlte sich so unwirklich an, endlich wieder meine Familie zu haben. Nun bin ich schon ein paar Tage in Deutschland, die ersten Freunde und Bekannten haben mich schon gesehen und ich versuche mich langsam einzuleben. Das ist schwieriger als ich dachte. Die Hitze macht mir schwer zu schaffen, oftmals fallen mir die deutschen W\u00f6rter nicht mehr ein und das ungewohnte Essen l\u00e4sst meinen Magen rebellieren. Da bin ich also wieder, noch immer kann ich es nicht begreifen und doch ist es wundersch\u00f6n. Das Jahr war nicht immer einfach, jedes positive Erlebnis musste ich mir hart erarbeiten und es hat mich viel Kraft gekostet, immer das Positive in allem zu sehen. Oftmals h\u00e4tte ich am liebsten alles hingeschmissen, denn auch wenn ich nur \u00fcber die positiven Dinge berichtet habe (wer m\u00f6chte schon st\u00e4ndig von Problemen lesen?), gab es gen\u00fcgend negative Eindr\u00fccke in diesem Jahr. Ich bin stolz, es geschafft zu haben und dankbar. Dankbar f\u00fcr all die netten Menschen, welche ich kennen lernen durfte, dankbar f\u00fcr alle negativen Momente, welche mich st\u00e4rker gemacht haben, dankbar f\u00fcr alle Erlebnisse und Abenteuer, welche meinen Durst nach Neuem stillten und mich bereicherten, dankbar f\u00fcr die Unterst\u00fctzung von so vielen Menschen, dankbar f\u00fcr jeden einzelnen Augenblick, welcher mich wachsen hat lassen und dankbar f\u00fcr alle, welche meine Reise zum Polarstern mit Interesse verfolgten. Danke. Ich habe es geschafft. Ich bin zu Hause.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>\u00a9Pia Zumkley<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>TweetBewerbungs- und Auswahlverfahren Alles begann mit einem harmlos wirkenden, sehr kleinem Zeitungsausschnitt den mir meine Mama reichte. Tja, dachte ich. Dann mal los. Wirkliche Gedanken hatte ich mir dar\u00fcber nicht gemacht, schlie\u00dflich werden ja nur 75 von \u00fcber 1000 Bewerbern genommen. 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